Heiden

Karl-Josef Laumann war zu Gast in Heiden

Erst schaute er sich das Haus der Gesundheit an, dann diskutierte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann mit Arzt Marius Möller, Apotheker Sebastian Jander und Ergotherapeut Johannes Späker über die medizinische Versorgung auf dem Land. Es gebe zwar genug Menschen, die Medizin studieren möchten, so Laumann. Woran es mangele, seien aber Studienplätze.

25.08.2020

Auf dem Podium (v.l.): Dr. Patrick Voßkamp, Karl-Josef Laumann, Johannes Späker, Marius Möller und Sebastian Jander.

Auf dem Podium (v.l.): Dr. Patrick Voßkamp, Karl-Josef Laumann, Johannes Späker, Marius Möller und Sebastian Jander.

© Gabi Kowalczik

CDU-Podiumsdiskussion zur medizinischen Versorgung auf dem Land

HEIDEN. Was tun gegen einen drohenden Ärztemangel auf dem Land? Ein akutes Thema in Heiden – nicht erst, seit Dr. Josef Knüwer seine Praxis vor Kurzem geschlossen hat, seither aber wohl noch deutlicher. Grund genug für die CDU Heiden, sich bei einer Podiumsdiskussion mit der medizinischen Versorgung auf dem Land auseinanderzusetzen. Auf dem Podium mit dabei war neben dem Heidener Allgemeinmediziner Marius Möller, Apotheker Sebastian Jander und Ergotherapeut Johannes Späker auch NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann. Die Moderation übernahm der CDU-Fraktionsvorsitzende und Bürgermeisterkandidat Dr. Patrick Voßkamp.

Nur wenige wollen eine eigene Praxis eröffnen

Rund 2000 Ärzte werden pro Jahr in NRW ausgebildet, sagte Laumann zu Beginn und ergänzte: „Das ist zu wenig. Wir brauchen mehr Medizin-Studienplätze.“ Hinzu komme, dass sich von den ausgebildeten Ärzten nur wenige dazu entscheiden, Allgemeinmediziner zu werden. Und noch weniger wollen eine eigene Praxis auf dem Land aufmachen. Zwangsverpflichten geht nicht, so Laumann weiter. Also müssten Anreize und Maßnahmen her. Mit der Landarztquote sei NRW da schon auf einem guten Weg, sagte der Minister. Als erstes Bundesland vergibt Nordrhein-Westfalen Studienplätze unter der Voraussetzung, anschließend eine hausärztliche Tätigkeit in einer unterversorgten Region auszuüben. Zudem würden nun weitere Studienplätze geschaffen, ergänzte er. „300 allein in Bielefeld.“

Es sei aber auch Aufgabe von Kommunalpolitik, sich um die medizinische Versorgung zu kümmern, sagte Karl-Josef Laumann. Etwa durch die Schaffung attraktiver Praxisräume oder durch Stipendien, die Kreistage mancherorts anbieten würden. Die Kassenärztliche Vereinigung nahm er ebenfalls in die Pflicht. Diese unternehme oft zu wenig gegen leerstehende Praxen.

Erster Ansprechpartner für Patienten

Die Allgemeinmedizin sei unter Studenten tatsächlich nicht das angesehendste Fach, sagte Marius Möller, der mit seinem Vater zusammen eine Hausarztpraxis betreibt. Auch er selbst habe sich eigentlich nicht vorstellen können, Hausarzt zu werden, gab der 38-jährige Heidener zu. Nach einer „Schnupperzeit“ in der Praxis seines Vaters habe er seine Meinung geändert. Eine enge Bindung zu den Patienten, kurze Wege – das alles mache die Hausarzttätigkeit in Heiden für ihn aus. Ob er aber anderswo, etwa in der Schweiz, als Hausarzt ebenso glücklich sei, wisse er nicht. Die persönliche Bindung zu den Kunden nannte auch Apotheker Sebastian Jander als Vorteil des Arbeitens auf dem Land. Für ihn zusätzlicher Anreiz: „Meine Kinder können hier gut aufwachsen.“

Auch für ihn und seine Arbeit sei eine gute Hausarztversorgung wichtig, sagte Johannes Späker. Schließlich seien Hausärzte die ersten Ansprechpartner für Patienten und würden auch an den Ergotherapeuten weitervermitteln. Der Hausarzt sei eine Vertrauensperson.

Karl-Josef Laumann war zu Gast in Heiden

© Gabi Kowalczik