Heiden

Heide-Rikscha bewegt bald auch Rollstuhlfahrer

Das Projekt Heide-Rikscha kann über eine Leader-Förderung als Kleinprojekt den Kauf einer Rollstuhl-Rikscha finanzieren. Ende Juli soll das Gefährt geliefert werden. Außerdem wurde für die Rikschas dank Spenden jetzt auch eine Garage errichtet.

30.06.2026

Vergangene Woche haben die Heide-Rikscha-Fahrer das neue Gefährt schon einmal bei der niederländischen Firma Van Raam getestet.

Vergangene Woche haben die Heide-Rikscha-Fahrer das neue Gefährt schon einmal bei der niederländischen Firma Van Raam getestet.

© pd

HEIDEN. Tatsächlich hatten die Heide-Rikschas ja erst beim Maibökendag im April ihre offizielle Jungfernfahrt. Doch seit der Premiere hat sich das ganze Projekt zu einem Erfolgsmodell gemausert. Seit Freitag gibt es für die Rikschas jetzt auch eine Garage, die auf dem Parkplatz neben dem Pfarrhaus errichtet wurde. Und in einem Monat bekommt das Duo Nachwuchs. Dann wird zusätzlich eine Rollstuhl-Rikscha durch Heiden rollen.

Bislang hatte die Gemeindeverwaltung bei der Unterbringung der Rikschas ausgeholfen. Doch der Unterstand in einer Garage der alten Gaststätte Ebbing-Busch war von Anfang an nur als Provisorium gedacht, berichtet Ludger Soppe, Initiator des Projekts. Dort gibt es nämlich keinen Strom mehr. Für die Fahrer bedeute das: Sie mussten die Rikschas abholen und die Akkus zu Hause laden, um dann wieder zu ihrem Bestimmungsort zu fahren, dem Seniorenheim St. Josef.

Alternative gesucht

Das war natürlich aufwendig, berichtet Soppe, schließlich seien die Fahrer täglich unterwegs. Das Team sei also auf der Suche gewesen nach einer Alternative, möglichst in der Nähe zum Pflegeheim. Schließlich kam in der Gruppe die Idee auf, eine Fertiggarage zu bauen. Doch auch die musste zum einen finanziert werden, zum anderen benötigte man natürlich erst mal einen Standort.

Viel Unterstützung gab es seitens der Kolpingsfamilie Heiden, unter deren Regie das Projekt Heide-Rikscha auch läuft, berichtet Heiner Buß. Schon vor dem Maibökendag habe man die Fühler nach einem Grundstück ausgestreckt und wurde über die Kirchengemeinde St. Georg fündig. Auf dem Parkplatz am Pastoratsweg Ecke Am Sportzentrum wurde ein Stück für die Fertiggarage abgezwackt. Am Freitag wurde das Modul aufgestellt. Die Kosten von 8000 Euro habe man über Spenden und Sponsoren finanziert, erklärt Soppe.

Die Heide-Rickscha-Fahrer Paul Buß (von links), Ludger Soppe, Heiner Buß, Wolfgang Lensing und Christoph Harke mit der Einrichtungsleiterin Irmhild Scheffner (2. von links) vor der neuen Rikscha-Garage.

Die Heide-Rickscha-Fahrer Paul Buß (von links), Ludger Soppe, Heiner Buß, Wolfgang Lensing und Christoph Harke mit der Einrichtungsleiterin Irmhild Scheffner (2. von links) vor der neuen Rikscha-Garage.

© Pingel

Natürlich hat die Gruppe selbst auch die Ärmel hochgekrempelt. Die Fläche musste vorbereitet, das Pflaster aufgenommen und planiert werden. Außerdem wurde vom Pfarrhaus bis zur Garage ein Stromkabel verlegt, erläutert Buß. Denn die Garage soll noch einen Stromanschluss bekommen, um dort die Akkus direkt aufladen zu können. Diese Arbeiten sollen jetzt noch erledigt werden. Die Gruppe hofft dafür auch noch auf Spenden, ergänzt Soppe.

Platz bietet die Garage für vier Rikschas. Und tatsächlich kommt Rikscha Nummer drei dort bald unter. Die Gruppe kann sich den Wunsch nach einer Rollstuhl-Rikscha erfüllen. Finanziert wird diese über die Kleinprojekte-Förderung, verwaltet von der Leaderregion Hohe Mark. Knapp 15.900 Euro wird das Gefährt des niederländischen Herstellers Van Raam kosten. Mit 78 Prozent wird die Rikscha aus dem Topf der Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes (GAK) gefördert, den Rest muss die Kolpingsfamilie aus eigener Kraft aufbringen, also noch rund 3500 Euro. Ende Juli soll das Gefährt geliefert werden.

Die Rikschas bringen ein ganz anderes Fahrgefühl mit sich. Die Fahrer werden darauf noch eine Einweisung erhalten.

Die Rikschas bringen ein ganz anderes Fahrgefühl mit sich. Die Fahrer werden darauf noch eine Einweisung erhalten.

© pd

Das ist viel Geld, aber es wird von den Bewohnern des St.-Josef-Hauses heiß ersehnt. Auf dieser neuen Rikscha kann man natürlich einen Rollstuhl befördern. Und bislang war diese Gruppe der Heimbewohner von den Rikscha-Fahrten „ausgeschlossen“. Von den 81 Bewohnern seien das immer hin 15 bis 20 Personen, für die die „normalen“ Rikschas nicht zugänglich waren, sagt Einrichtungsleiterin Irmhild Scheffner. Und das habe auch für Enttäuschungen gesorgt. Sie habe jetzt einem Bewohner, der im Rollstuhl sitzt, erzählt, dass die Gruppe bald auch über eine entsprechende Rikscha verfügt. „Der Mann ist vor Freude in Tränen ausgebrochen“, erzählt Scheffner.

Das Heide-Rikscha-Angebot wird im Pflegeheim ungemein gut angenommen. In den drei Wohnbereichen werde morgens entschieden, wer mitfahren darf. In der Regel gebe es feste Routen, aber davon wird auch schon mal abgewichen, wenn es die Fahrgäste wünschen, erzählt Heiner Buß. Von montags bis freitags ist man immer von 15 bis 17 Uhr unterwegs, natürlich nicht bei einer „Backofen-Hitze“ wie in der vergangenen Woche.

„Der Mann ist vor Freude in Tränen ausgebrochen.“


Irmhild Scheffner

Es ist eine Win-win-Situation, erzählt die Heide-Rikscha-Gruppe. Denn nicht nur die Bewohner des Pflegeheims freuen sich über die Ausfahrten, auch die über 40 Fahrer, die inzwischen unterwegs sind, sind mit Feuereifer dabei. Sollte es mal einen Ausfall geben, gibt es binnen einer halben Stunde Ersatz, sagt Wolfgang Lensing. Mit der dritten Rikscha habe man nun auch die Möglichkeit, mehr Fahrer einzusetzen, ergänzt Soppe. Es habe aber auch schon Anwärter gegeben, die mit den Rikschas gar nicht fahren konnten, erklärt Christoph Harke. Es sei schon eine ziemliche Umgewöhnung zu einem normalen Fahrrad.

Nach so vielen Erweiterungen soll das Projekt in diesem Jahr erst einmal normal weiterlaufen. Trotzdem besteht langfristig der Wunsch, noch eine vierte Rikscha anzuschaffen, sagt Soppe. Und man könne sich auch vorstellen, die Fahrten auch für andere Einrichtungen anzubieten. Gerade die Rollstuhl-Rikscha würde sich zum Beispiel für das Wohnhaus der Lebenshilfe anbieten.