Wenn Bauprojekte zur Wahlkampfbühne werden
Ein Kommentar von BZ-Redakteur Sven Kauffelt zur Flut an Einweihungen und Spatenstichen kurz vor der Kommunalwahl.
Der Samstagskommentar
© Schmidt
Dass öffentliche Bauprojekte pünktlich fertig werden, ist alles andere als die Regel. Meistens muss man ein paar Wochen, nicht selten auch ein paar Monate oben drauf rechnen. Eine Ausnahme von dieser Regel gilt wundersamerweise alle fünf Jahre. Wenn nämlich die Wahlen für Landrats- und Bürgermeisterwahlen anstehen, reiht sich Einweihung an Einweihung. Dann werden rote Bändchen im Akkord durchgeschnitten, reiht sich Spatenstich an Spatenstich.
In diesen Tagen fällt das besonders auf: neues Projekt der Wohnbau, Einweihung des Kunstrasenplatzes an der Neumühlenschule, zuletzt ein Radweg in Weseke und die Hundefreilaufzone, morgen die Einweihung eines neuen Kindergartens, am Montag folgt der frisch umgestaltete Schulhof – Bürgermeisterin, Landrat und Ratsmitglieder sind bei diesen Terminen nicht weit. Das kann man als politische Folklore abtun, hat aber einen faden Beigeschmack.
Denn hier werden öffentlich finanzierte Bauprojekte für Wahlkampfzwecke genutzt. Um nichts anderes geht es dabei ja. Denn natürlich ist es kein Zufall, dass all diese Projekte just zwei Wochen vor der Wahl fertig oder begonnen werden. Es gehört selbstredend dazu, dass man mit dem wirbt, was man erreicht hat, wenn man seinen Job weitermachen will. Die Fülle an Terminen führt diesen Gedanken aber ad absurdum. In den Wochen nach dem 13. September wird seltsamerweise kein größeres Projekt eingeweiht.

© Schmidt