Stadt soll Start ups stärker fördern
Niklas Wolter und David Strauch treten bei der Kommunalwahl für die FDP an. Sie beide wollen in den Rat der Stadt Borken gewählt werden. BZ-Redakteur Peter Berger hat mit den beiden gesprochen. Im BZ-Interview erfahren Sie, was für die beiden liberale Politik ist und welche wirtschaftspolitischen Ideen sie haben.
Niklas Wolter (22, rechts) ist Spitzenkandidat der Borkener FDP, David Strauch (31) steht auf Listenplatz drei.
© Peter Berger
BORKEN. Am 13. September wird ein neuer Stadtrat gewählt, und die Parteien schicken auch neue Gesichter ins Rennen. Die BZ stellt einige davon im Interview vor. BZ-Redakteur Peter Berger hat mit Niklas Wolter (22) und David Strauch (31) gesprochen, die für die FDP antreten.
Die FDP im Borkener Stadtrat hat sich nach Differenzen aufgelöst. Belastet das Ihren Wahlkampf?
Wolter: Nein. Ich bin zwar noch vor den ganzen Streitereien dazugekommen, aber an mir lag’s nicht. Es gab inhaltliche Differenzen zwischen Ortsverband und den beiden Ratsmitgliedern, übrigens auch zwischen den beiden untereinander. Die Auflösung der Fraktion war der beste Schritt, so dass wir jetzt mit liberaler Politik neu starten können.
Was heißt liberale Politik?
Strauch: Die FDP ist nicht die Alte-Männer-Geld-Klimaleugner-Partei, für die sie manche vielleicht halten. Wir haben einen guten Generations-Mix in unserem Team. Ich halte mich für durchaus repräsentativ für FDP-Anliegen. Ich habe mich vor fünf Jahren selbstständig gemacht. Meine Frau und ich erwarten Nachwuchs, wir bauen...
Das heißt, in Kommunalpolitik übersetzt, was?
Strauch: Dass in Borken ausreichend Wohnraum für junge Familien beziehungsweise Paare geschaffen werden muss. Wir hatten es beispielsweise sehr schwer, eine passende Wohnung zu finden. Außerdem könnte es bei der Grundstücksvergabe transparenter zugehen.
Was sind Ihre wirtschaftspolitischen Ideen auf lokaler Ebene?
Wolter: Wir müssen dabei mithelfen, die finanziellen Folgen der Corona-Pandemie insbesondere für die Gastronomie zu mildern. Ich würde weiter als die CDU gehen und die Heilig-Geist-Straße wirklich jeden Abend ab 18 Uhr für die Außengastronomie sperren. Und für Herbst und Winter sind da noch mal extra kreative Ideen gefragt. Eigentlich müssten jetzt ganz schnell ökologisch verträglichere Heizpilze erfunden werden.
Strauch: Vorstellbar ist auch eine stärkere Fokussierung örtlicher Geschäfte auf den Onlinehandel. Das Modell Borken buy ist schon ein guter Ansatz. Ganz wichtig: Wir wollen die Gründerszene noch viel stärker beleben.
Aber es gibt doch schon das Zentrum bei Netgo an der Weseler Straße?
Strauch: Richtig, aber das wird nicht reichen. es gibt in der Stadt ein enormes Potenzial für Geschäftsideen. Wir stellen uns vor, Gründern die teils leerstehende Duesbergschule zur Verfügung zu stellen..
Wolter: Wir schlagen vor, dass sich die Stadt an den Start ups zu zehn Prozent beteiligt und den Gründern dafür die Miete erlässt. Das gibt Sicherheit in der finanziell wackeligen Startphase. Ich bin mir sicher, dass die Stadt dabei ein Plus machen könnte.
Wenn die ehemalige Duesbergschule für Gründer genutzt werden soll, fällt sie als künftiger Gesamtschul-Standort natürlich weg.
Wolter: Genau. Wir sind klar für einen Neubau der Julia-Koppers-Gesamtschule an der Parkstraße. Ich war selber am Berufskolleg, Die Lage nahe der Duesbergstraße ist schon jetzt jeden Morgen verzwickt. Gymnasium, Kindergarten, Grundschule, alles dicht beisammen. Noch mehr wird da nicht gehen.
Auch wenn ein Neubau noch wesentlich teurer wäre?
Wolter: Stimmt, aber Schulen sind für eine Stadt ein ganz wichtiges Aushängeschild, das muss man sich dann auch was kosten lassen. Ein An- oder Umbau würde ja auch etliche Millionen kosten.
Wäre eine autofreie Innenstadt für sie eine Option?
Wolter: Nein. Einerseits dürfte es schwierig werden, abzugrenzen, bis wohin genau eine autofreie Zone reichen soll. Andererseits sollten wir Rücksicht nehmen, die mehr als wir aufs Auto angewiesen sind. Ältere und gehandicapte Menschen zum Beispiel. Oder dadurch die Innenstadt nicht.

© Peter Berger