Leserbrief zum Weseker Frauen-Entscheid: „Männer: Lasst uns laut sein!“
Leserbrief zum Artikel „Frauen bleiben beim Schießen außen vor“ vom 23. März.
© Denise Müller
Die Mitglieder des Weseker Schützenvereins hätten Geschichte schreiben und auch nicht-Männern die Möglichkeit geben können, Mitglied zu werden. Die Mitgliederversammlung war außergewöhnlich gut besucht – der Wille zu Veränderung war am Ende aber nicht groß genug. Der Weseker Schützenverein bleibt ein reiner Männerclub. Das zeigt zweierlei.
Erstens: Ja, die benötigte Dreiviertelmehrheit für die Mitgliedschaft von Frauen (genauer: aller Menschen) im Schützenverein wurde nicht erreicht. Sie wurde mit 59 Prozent Fürsprecher sogar relativ deutlich verfehlt. Selbstzufrieden entschied ein nicht unwesentlicher Teil der Weseker Vereinsmitglieder (Männer) über die Rechte von Nicht-Männern in ihrem Verein. Mehr als der Hälfte der Weseker Bevölkerung bleibt somit weiterhin die Möglichkeit verwehrt, die große Gemeinschaftsfeier namens Schützenfest gemeinsam und gleichberechtigt vorzubereiten, im Verein zu wählen, gewählt zu werden, zu schießen und damit letztlich auch zu feiern. Es macht wütend, dass diese Abstimmung geschlechtliche Ungleichheit scheinbar legitimiert, und damit noch einmal Dünger auf den Nährboden des Patriarchats gegossen hat. Jeder, der gegen eine Aufnahme von Frauen gestimmt hat, sollte sich klarmachen, dass Patriarchat nicht nur rein männliche Schützenvereine bedeutet.
Zweitens: Gleichzeitig hat sich eine absolute Mehrheit für die Mitgliedschaft nicht-männlicher Mitglieder ausgesprochen. Dieses Ergebnis wurde erarbeitet durch Mobilisierung und Überzeugungsarbeit, was sich auch in der großen Zahl der Anwesenden zeigte. Das macht Hoffnung und Mut, dass da noch mehr geht.
Wie soll es weitergehen? Präsident Georg Dillhage rief schon zu Beginn der Versammlung dazu auf, sich nach der Abstimmung noch in die Augen schauen zu können. Dem Appell würde ich mich anschließen. Gleichzeitig gilt es nun, klare Kante gegen Chauvinismus und patriarchale Strukturen zu zeigen. Ohne ein Stimmrecht für Frauen liegt die Verantwortung bei uns Männern, diese von uns geschaffene Ungerechtigkeit alsbald zu beenden. Entweder wir formieren uns innerhalb der Vereine und sorgen aktiv für Mehrheiten oder wir treten aus diesen Männerclubs aus.
Und Männer: Still sein zählt nicht! Lasst uns laut sein für und gern auch gemeinsam mit Frauen. Lasst uns auf die Straße gehen. Lasst uns mit Freunden und in der Familie über das Thema sprechen – und lasst uns Frauen zuhören! Damit auch Frauen bald den Männern den Vogel zeigen können, den sie abgeschossen haben.