Leserbrief: „Unerhört, die Rhein-Ruhr-Bahn alleine an den Pranger zu stellen“
Leserbrief zum BZ-Artikel „VRR kritisiert RE 14-Betreiber deutlich“ in der Ausgabe vom 19. August 2026:
© Werschkull
„Ich schreibe diesen Leserbrief, weil in der Borkener Zeitung mittlerweile im wöchentlichen Rhythmus Artikel zum mutmaßlichen Versagen der Rhein-Ruhr-Bahn erscheinen. Dass der VRR dabei öffentlich die Betriebsqualität des Betreibers anprangert und die Kreisverwaltung lediglich beim Verbund nachhakt, ist an Scheinheiligkeit kaum zu übertreffen.
Es ist schlichtweg unerhört, hier die Rhein-Ruhr-Bahn alleine als Hauptverantwortliche an den Pranger zu stellen und damit dreist von der eigenen Schuld und dem eigenen Unvermögen abzulenken. Sowohl der VRR als Aufgabenträger als auch die Kreispolitik als Verbandsmitglied wussten seit der Übergangsvergabe genau, welche Risiken der Betrieb mit über 20 Jahre alten Dieseltriebwagen der Baureihe Talent birgt. Man wollte vor dem geplanten Umstieg auf Akku-Züge schlicht kein Geld mehr in eine moderne Diesel-Flotte investieren.
Dass veraltete Klimaanlagen und anfällige Antriebe bei sommerlichen Temperaturen kollabieren, ist keine Überraschung, sondern das direkte Resultat dieser Geiz-ist-Geil-Entscheidung auf Verschleiß. Weil sich die Auslieferung der neuen Batterie-Züge nun auch noch bis 2029 verzögert, müssen die Fahrgäste dieses Altmaterial noch drei Jahre länger ertragen.
Anstatt dem Betreiber wirksam zu helfen oder echte Alternativen zu schaffen, flüchtet man sich in zahnlose Krisengespräche. Der Grund liegt auf der Hand: Der VRR steckt in einer selbstverschuldeten Zwickmühle. Er kann die Rhein-Ruhr-Bahn juristisch kaum belangen, weil er ihr die störanfällige Altflotte im Vertrag selbst vorgegeben hat.
Und die Kreisverwaltung Borken zieht sich bequem auf die Position der nicht zuständigen Aufsicht zurück, anstatt als Stimme der heimischen Pendler im Verband massiv Druck auszuüben. Das jahrelange Schweigen zur mangelhaften Übergangsplanung rächt sich nun. Wer billig gebraucht bestellt und bei der Umstellung den Zeitpuffer verplant, hat am Ende keine Handhabe mehr. Das Nachsehen haben die Pendler, die dieses politische Aussitzen täglich auf dem Bahnsteig ausbaden müssen.“