Kurze Ruhe vor dem nächsten Sturm
Hunderte Feuerwehreinsätze, Sachschäden, aber keine Verletzten – das ist für Borken und Umgebung die vorläufige Bilanz der zweiten Sturmnacht innerhalb von 48 Stunden. Am Wochenende konnten die Feuerwehren eine Verschnaufpause einlegen. Für die Nacht auf Montag gab der Deutsche Wetterdienst erneut Warnungen vor Orkanböen heraus. Die Feuerwehr werde bei Bedarf ihre für solche „Flächenlagen“ gebildeten Strukturen kurzfristig wieder hochfahren, sagte Borkens stellvertretender Wehrleiter Kai Sobbe.
An der Schulstraße in Reken wehte der Sturm einen Blechschuppen auf ein Carport.
© Feuerwehr Reken
Aufräumen nach dem zweiten Orkantief
BORKEN/KREIS. Das Orkantief Zeynep hatte den Borkener Löschzügen von Freitag auf Samstag 65 Einsätze beschert – in der ersten Orkannacht am Mittwoch/Donnerstag waren es lediglich 17. Umgestürzte Bäume, weggewehte Gartenhütten und Carportdächer machten das Gros der Einsätze aus. Auch die anderen Feuerwehren im BZ-Verbreitungsgebiet waren pausenlos unterwegs zur Schadensbeseitigung und Absicherung von Gefahrenstellen.
In Raesfeld (20 Einsätze) beispielsweise entfernten die Wehrleute an der Neustraße mittels Sägen und einer Flex Teile eines Carports. Heftige Böen hatten diese gelöst, so dass sie auf die Straße zu wehen drohten. „An der Straße Westricher Wald hatte ein Autofahrer sehr großes Glück“, berichtete Wehrleiter André Szczesny. Kurz vor seinem Fahrzeug fiel ein massiver Ast auf die Straße, nur durch ein Ausweichmanöver konnte er dem Hindernis ausweichen und landete dabei mit seinem Van im angrenzenden Feld. Der Mann blieb unverletzt.
In Reken (27 Einsätze) eilten die Feuerwehrleute zusätzlich zu den Sturmeinsätzen den Kollegen aus Coesfeld zu Hilfe, die in Lette einen Brand bekämpften.
In Heiden (27 Einsätze) drohte ein Baum auf ein Haus zu stürzen. Die Feuerwehr brachten ihn mittels einer Seilwinde kontrolliert zu Fall.
In Velen (24 Einsätze) handeltes es sich ebenfalls größtenteils um umgestürzte Bäume und herabgefallene Dachziegel. Im Außenbereich fiel teils der Strom aus. Dieses Problem sei aber schnell durch Mitarbeiter der Westnetz behoben worden, so die Feuerwehr.
Mehr Schäden durch Kyrill im Januar 2007
Die Nordwestbahn nahm unterdessen den Betrieb wieder auf. Auf der Strecke Borken-Dorsten-Essen (RE 14) gibt es allerdings eine Einschränkung. Der Abschnitt zwischen Gladbeck-West und Essen-Steele ist gesperrt. Ein Busnotverkehr sei bis beziehungsweise von Essen eingerichtet, teilte das Unternehmen mit.
Die Schäden durch die bisherigen Orkantiefs erreichten zumindest nach erstem Augenschein bei weitem nicht das Ausmaß dessen, was Orkan Kyrill im Januar 2007 angerichtet hat. „Mich haben von den Waldbesitzern keine Hiobsbotschaften erreicht“, sagte Förster Holger Eggert aus Borken am Sonntag. Nach jetzigem Kenntnisstand habe es in den Wäldern keine „flächigen Würfe“ gegeben, sagte er. Gleichwohl wurden durch die beiden Stürme der vergangenen Tage viele einzelne Bäume umgeknickt oder entwurzelt. „Die Wackelkandidaten wurden aussortiert“, verdeutlicht Eggert. Zum Beispiel solche Bäume, die ein schlechtes Wurzelwerk hätten oder deren Stamm geschädigt gewesen sei.
Wälder nicht betreten
Unterdessen machen die Feuerwehren erneut ihre Ausrüstung mitsamt Kettensägen startklar. Aufgrund der aufgeweichten Böden könnten durch einen weiteren Sturm insbesondere die Bäume, die schon beschädigt seien, kippen, erklärt Kai Sobbe.
Der Landesbetrieb Wald und Holz NRW warnte am Sonntag eindringlich davor, die Wälder nach den Stürmen zu betreten. Viele Waldwege seien nicht passierbar. Der Versuch, über den Wegen liegende Äste und Stämme zu überklettern, sei lebensgefährlich. „Ineinander verkeilte Äste und Stämme stehen häufig unter Spannung, die sich spontan oder durch das Überklettern lösen können. Selbst dünne Stämme werden dann zu tödlichen Katapulten“, heißt es in der Pressemitteilung.
© Feuerwehr Reken