Gaststätte Sicking droht der Abriss
Die Gaststätte Sicking ist Borkens wohl ältester Gastronomie-Standort mit dem schönsten Biergarten der Stadt. Nun will der Eigentümer verkaufen, die Gaststätte steht vor dem Aus und das Gebäude vor dem Abriss.
Die Gaststätte Sicking wird verkauft. Stand jetzt geht das Grundstück an einen Bauinvestor mit der Option, dort Wohnungen zu bauen.
© Sven Kauffelt
BORKEN. Borkens ältester Gaststätte droht zum Jahresende das Aus. Aller Voraussicht nach wird die Gaststätte Sicking an der Raesfelder Straße an einen Investoren verkauft mit der Option, das Gebäude mittelfristig abzureißen und dort Wohnungen zu errichten. Der Eigentümer und langjährige Betreiber Horst Corzillius bestätigt Gespräche mit potenziellen Käufern. „Bis zum Jahresende fällt wahrscheinlich eine Entscheidung“, kündigt er an.
Gerüchte über einen Verkauf gibt es schon länger. Zuletzt sah es aber so aus, als ob Corzillius’ Exfrau und heutige Pächterin Dagmar Butenweg zusammen mit ihrem Lebensgefährten Peter Reining die Gaststätte kaufen und weiterbetreiben würde. Noch Mitte Oktober war auf der Facebookseite der Kneipe Optimistisches zu lesen: „Mit neuen Ideen und neuer Kraft wollen wir im Jahr 2022 durchstarten.“ Eine entsprechende Kauf-Absprache bestätigen beide Seiten. In der vergangenen Woche ist diese aber kurz vor der Unterschrift noch geplatzt. Der Pachtvertrag von Dagmar Butenweg läuft zum Jahresende aus.
Genossenschaftsmodell kommt nicht zustande
Auch eine zweite Option, die den Weiterbetrieb der Gaststätte zum Ziel gehabt hätte, ist vom Tisch. Mitglieder von zwei langjährigen Stammtischen hatten sich vor rund drei Wochen zusammengetan mit dem Ziel, Sicking zu kaufen und weiterzubetreiben. Die Mittel hätte man zusammenbekommen, sagt einer der Initiatoren. Die Gruppe bestand vorwiegend aus ehemaligen und aktiven Unternehmern und Selbstständigen. Ziel sei ein Genossenschaftsmodell gewesen, das aber in der Kürze der Zeit schwierig umzusetzen gewesen wäre. Hinzu sei gekommen, dass man aufgrund der Vereinbarung zwischen Eigentümer und Pächterin Abstand von dem Engagement genommen habe, sagen zwei der Initiatoren, die ihre Namen nicht in der Zeitung lesen wollten.
„An Sicking hängt mein Herz und natürlich würde es mich freuen, wenn die Gaststätte weiter betrieben würde“, sagt Horst Corzillius im BZ-Gespräch. „Aber ich habe auch nichts zu verschenken. Der Verkaufserlös ist meine Altersvorsorge“, so der 70-Jährige. Er sei überrascht gewesen, wie viele Interessenten sich in den vergangenen Monaten bei ihm wegen des Grundstückes gemeldet hätten und wie hoch die Angebote gewesen seien. Corzillius, früher auch im Neutor als Wirt aktiv, hat die Gaststätte Sicking seit 1988 betrieben, vor acht Jahren hat er sie gekauft.
Abriss wäre „eine große Sünde“
„Ich weiß nicht, ob es jetzt noch weitergeht“, sagt Dagmar Butenweg. Sie sei fest entschlossen gewesen, die Gaststätte weiterzubetreiben und auch davon ausgegangen, dass der Kauf über die Bühne gehe. „Da bin ich schon sehr enttäuscht“, gesteht sie.
Letzte Option für Pils und die legendären Krüstchen in den nächsten Jahren ist eine Übergangsfrist. „Wir hoffen, dass der Käufer die künftige Nutzung überdenkt und die Gaststätte stehen lässt, wenigstens für ein paar Jahre“, sagen die verhinderten Genossenschaftsgründer. Mit dem Gedanken an einen Abriss des Gebäudes und dem Aus für Borkens schönsten Biergarten will sich keiner der Stammgäste anfreunden. Auch die Pächterin mag nicht daran denken. „Das wäre eine große Sünde“, sagt Dagmar Butenweg.

© Sven Kauffelt