Borken

Der Feierabendmarkt bleibt wohl auf dem Marktplatz

Eigentlich vorübergehend soll der Feierabendmarkt auf dem Marktplatz stattfinden. Die Tendenz geht aber klar dahin, dass Borkens Event-Markt am Donnerstagnachmittag dauerhaft in die Mitte zieht. Die Markthändler erhoffen sich dort mehr Frequenz für ihre Verkaufsstände.

18.10.2022

Der Feierabendmarkt bleibt wohl auf dem Marktplatz

© Sven Kauffelt

Zukunft des Wochenmarktes in Borken

BORKEN. Seit sechs Jahren gibt es den Feierabendmarkt in Borken und er hat sich als Anlaufpunkt für das Glas Wein auf dem Kirchplatz am Donnerstagnachmittag längst etabliert. Vor zwei Wochen sind die Händler umgezogen. Offiziell wegen anstehender Pflasterarbeiten rund um die Kirche. Doch es zeichnet sich ab, dass aus der vorübergehenden eine Dauerlösung wird.

Lisa Stegger von der Wirtschaftsförderung im Rathaus tritt auf die Bremse: „Das ist eine vorübergehende Lösung für die Zeit der Bauarbeiten.“ Aber: „Danach werden wir gemeinsam mit den Händlern ein Resümee ziehen und entscheiden.“ Vor allem die klassischen Markthändler mit Käse, Brot und Fleisch erhoffen sich auf dem Marktplatz bessere Verkaufszahlen. Denn daran hapert es von Beginn an: Der Feierabendmarkt ist als Ausgehtermin etabliert, als Einkaufsgelegenheit bleibt er weit hinter anderen Märkten der Region zurück.

Wochenmarkt ist überschaubar

Hinter dem regulären Borkener Wochenmarkt allerdings nicht. Da ist meist noch weniger los. „Es sind hauptsächlich Stammkunden, die einkaufen“, sagt Jörg Bödder. Sein Stand mit Obst und Gemüse ist mittlerweile nur noch donnerstagsvormittags hier, den Dienstag und Samstag hat er gestrichen. Zu wenig Kundschaft. Neben Bödder stehen donnerstags noch Fischhändler de Jong und Imbiss Südholt auf dem Markt. Beide zielen auf hungrige Kunden zum Mittagstisch ab.

Donnerstagsvormittags gibt es auf dem Markt nur noch drei Stände: Gemüse, Fisch und einen Imbiss.

Donnerstagsvormittags gibt es auf dem Markt nur noch drei Stände: Gemüse, Fisch und einen Imbiss.

© Sven Kauffelt

Den „Traum“, den Wochenmarkt zu beleben, habe die Wirtschaftsförderung weiterhin, sagt Lisa Stegger. „Aber es ist unheimlich schwierig, Händler dafür zu finden“, erklärt sie. „Denen fehlt auch Personal, und wer einen gutgehenden Markt hat, der wechselt auch nicht.“ Ein Konzept zur Belebung hat die Stadt aktuell nicht.

Bramers: Bessere Perspektiven

„Der Wochenmarkt hat einen Knacks gekriegt, als hier eine Baustelle nach der anderen war“, sagt Stefan Bramers, der mit mediterraner Feinkost unter anderem auf dem Feierabendmarkt steht. Mit dem sei er vom Umsatz her „eigentlich zufrieden“, wenngleich er im Vergleich zu den Anfangsjahren „immer mehr zu einer reinen Ess- und Trinkmeile geworden“ sei. Er geht davon aus, dass der Marktplatz mehr als eine Übergangslösung ist: „Für die nächste Zeit sehe ich hier bessere Perspektiven. Da sind wir uns unter den Markthändlern einig. Das mag sich ändern, wenn die Butenstadt fertiggestellt ist.“ Die Markthändler versprechen sich davon mehr Laufkundschaft.

Tobias Berger fürchtet das auch. Der Inhaber der Genuss-Werkstatt an der Mühlenstraße weiß, dass die Markthändler dafür plädieren, mit dem Feierabendmarkt dauerhaft auf den Marktplatz umzuziehen. Er könne das nachvollziehen, sagt Berger, „für uns wäre das aber sehr schade, weil der Feierabendmarkt bei uns immer zusätzliche Frequenz gebracht hat“.

Dem Markt fehlt ein Konzept

Kommentar von Sven Kauffelt Unabhängig von der Frage des Standortes braucht es Ideen für den Borkener Wochenmarkt. Der fristet seit Jahren ein so tristes Dasein, dass es für eine Kreisstadt inmitten einer landwirtschaftlich führenden Region peinlich ist. Konzepte in Reken, Ramsdorf oder Vreden zeigen, dass es geht und dass es sich lohnt. Denn wir reden in Borken seit Jahren über die Belebung der Innenstadt und als Vorbilder dienen immer wieder Städte, die sich durch funktionierende Wochenmärkte auszeichnen. Das eine hat mit dem anderen unmittelbar zu tun: Kaum etwas belebt eine Innenstadt so nachhaltig wie ein Wochenmarkt. Zur Wahrheit gehört natürlich auch: Die Wiederbelebung ist schwierig. Denn was soll einen Marktbeschicker dazu bewegen, seinen gut frequentierten Standplatz anderswo aufzugeben, um dafür nach Borken zu kommen? Das geht nur mit einem langen Atem und einem durchdachten und durchgehaltenen Konzept: Musik, Präsentationsmöglichkeiten für Vereine, die Einbeziehung von Geschäften und Cafés drumherum, zur Not mit einer Anschub-Finanzspritze für die Händler. Borken müsste doch mehr schaffen als drei Marktstände.

Der Feierabendmarkt bleibt wohl auf dem Marktplatz

© Sven Kauffelt