BZ-Talk: Misstrauen ist vor Betrug der beste Schutz
Enkeltrick, Schockanruf, falsche Polizisten oder Wasserwerker: Es gibt viele Methoden, mit denen Betrüger versuchen, an das Geld ihrer Opfer zu kommen. Kriminalhauptkommissar Christoph Wegener hat am Montagabend BZ-Leser über die Tricks der Täter aufgeklärt. Wir haben seine Warnungen und Schutz-Empfehlungen zusammengefasst.
Christoph Wegener informierte vorwiegend ältere BZ-Leserinnen und Leser über gängige Betrugsmaschen.
© Kauffelt
BORKEN. Es vergeht keine Woche, in der nicht Fälle publik werden, in denen Betrüger vorwiegend ältere Menschen um deren Erspartes betrogen haben. Teilweise sind das zehntausende oder gar hunderttausende Euro. Auch im Kreis Borken meldet die Polizei immer wieder solche Fälle, auch hier sind Menschen um ihr gesamtes Erspartes gebracht worden.
Christoph Wegener kennt die Tricks, mit denen die Betrüger Menschen so massiv unter Druck setzen, dass sie irgendwann zahlen. „Sie werden regelrecht mürbe gemacht“, sagt der Polizeibeamte. Und das, so betont er, nicht etwa weil die Opfer leichtgläubig oder dumm wären, „sondern weil die Täter durch jahrelange Praxis gut sind in dem, was sie tun“. Welche Maschen es gibt und wie man sich davor schützen kann, hat Wegener am Montagabend BZ-Lesern erklärt.
„Die Täter sind einfach gut in dem, was sie machen.“
Christoph Wegener
Schockanrufe sind die aktuell wohl bekannteste, weil aus Tätersicht auch erfolgreichste Masche. Ein Anruf, am anderen Ende eine wimmernde, weinende Stimme, die etwas von Unfall stammelt und um Hilfe bettelt. Die Tochter? Die Enkelin? Dann übernimmt ein vermeintlicher Polizeibeamter, der erklärt, die Tochter habe gerade einen tödlichen Verkehrsunfall verursacht. Sie müsse aber nicht in Untersuchungshaft, wenn Kaution gestellt werde.
Alternativ: Ein angeblicher Polizist oder Mitarbeiter eines Krankenhauses ruft an, die Tochter oder der Sohn seien so schwer verletzt worden, dass eine Not-OP nötig sei. Dafür müsse aber eine Vorauszahlung geleistet werden, sonst fände die Operation nicht statt.
Täter arbeiten mit Druck
„Alles Quatsch“, sagt Christoph Wegener, „eine Kaution in dieser Form gibt es in Deutschland nicht. Und auch eine Vorauszahlung für eine Not-OP gibt es nicht.“ Leider gelinge es den Tätern immer wieder, eine ausgefeilte Geschichte samt Hintergrundgeräuschen aufzutischen, die das Erzählte glaubhaft machen. Und sie üben Druck aus, wenn sie einmal das Gefühl haben, das Opfer wanke.
Ähnlich funktioniert der Enkeltrick. Auch hier geht es darum, einem Familienangehörigen aus einer vermeintlichen finanziellen Notlage zu helfen. Wegener: „Irgendwann kommt immer der Punkt, an dem es ums Geld geht. Spätestens da müssen alle Alarmglocken klingeln.“ Bei den Anrufen säßen die Täter oft in der Türkei und in Polen. „Die sprechen akzentfreies Hochdeutsch, daran kann man sie also nicht erkennen“, sagte der Beamte.
Vermeintlicher Notfall
Falsche Polizisten: Ein vermeintlicher Polizist ruft an und erklärt, man habe gerade Mitglieder einer Einbrecherbande festgenommen. Bei einem sei ein Zettel mit Namen und Anschrift der Angerufenen gefunden worden. Weil zwei Mitglieder der Bande noch auf freiem Fuß seien, bestehe die Gefahr, dass beim Opfer als nächstes eingebrochen werde. Man solle der Polizei daher die Wertsachen und Bargeld aus dem Haus übergeben, um dieses sicher wegzuschließen. Auch hierbei wird massiv Druck ausgeübt, von dutzenden Anrufen wird berichtet, um Opfer mürbe zu machen.
„Wir haben null Interesse an Ihren Wertsachen“, stellt der Polizeibeamte klar. „Niemals würden wir weder danach noch nach Bankinformationen oder ähnlichem fragen.“ Auch hier sei der wirksamste Schutz: „Seien Sie misstrauisch, legen Sie am besten sofort auf.“
Vorsicht an der Haustür
Falscher Wasserwerker: Es klingelt an der Tür und da stehen zwei vermeintliche Mitarbeiter der Stadtwerke. Es gebe einen Wasserrohrbruch und man müsse dringend an den Haupthahn im Haus. „Dabei machen sie zur Not auch richtig Alarm, fordern vehement Einlass, um ein nicht existentes Wasserleck stopfen zu müssen“, schildert Wegener. In so einer vermeintlichen Notlage öffnen viele die Tür - auch unter den Zuhörern am Montag gab es viel Kopfnicken. Im Haus lenkt dann ein Täter die Bewohner ab, der andere sucht nach Wertgegenständen.
Es gibt auch Varianten mit einem angeblichen Schwächeanfall und der Frage, ob man sich kurz setzen könne. Vor ein paar Wochen schilderten Leser so einen Fall in Borken. Oder jemand, der kurz auf die Toilette wolle.
„Sie sind die Chefs an Ihrer Haustür“, mahnte Christoph Wegener. „Sie müssen niemanden hereinlassen. Ein Glas Wasser kann man auch vor der Tür trinken“, sagte er. Gebe jemand gesundheitliche Probleme an, könne man den Notarzt rufen - „aber lassen Sie niemanden ins Haus“, riet er. Hundertprozentige Sicherheit gebe es nie, sagte Wegener. Der Schlüssel für alles sei der gesunde Menschenverstand: „Wenn Ihnen etwas merkwürdig vorkommt, hören Sie auf Ihr Bauchgefühl.“