Borken

BZ-Stadtgespräch: Cohausz-Chef spricht über die Innenstadt

An der Innenstadt scheiden sich in Borken traditionell die Geister: Von Lob bis harter Kritik ist alles dabei. Das Modehaus Cohausz ist ein Magnet für den Einzelhandel in der Stadt. Im zweiten Podcast „BZ-Stadtgespräch“ hat Redakteur Sven Kauffelt mit Geschäftsführer Moritz Schmidt gesprochen. Das volle Gespräch gibt es überall, wo es Podcasts gibt.

24.07.2026

Moritz Schmidt (rechts) im Gespräch mit BZ-Redakteur Sven Kauffelt.

Moritz Schmidt (rechts) im Gespräch mit BZ-Redakteur Sven Kauffelt.

© Lilly Bölker

BORKEN. 45 Minuten lang hat BZ-Redakteur Sven Kauffelt im zweiten Teil der neuen Podcastreihe „BZ-Stadtgespräch“ mit Cohausz-Chef Moritz Schmidt über die Innenstadt und die Herausforderungen eines Modehauses gesprochen. Wir fassen einige Aussagen von Schmidt zusammen:

Moritz Schmidt über eine generelle Öffnung am Sonntag…

Ich glaube, man braucht nicht zwingend mehr Sonntage in Borken. Die vier Verkaufssonntage sind sehr, sehr gut besucht. Grundsätzlich wäre es sinnvoll, die hohen rechtlichen Hürden für verkaufsoffene Sonntage abzubauen. Das sollte vor Ort entschieden werden können. Aber man muss auf der anderen Seite auch aufpassen, dass diese Einmaligkeit eines offenen Sonntags nicht verloren geht. Bei einer häufigeren Öffnung sähe ich die Gefahr einer Übersättigung.

Über durchgehende Öffnungszeiten unter der Woche…

Die Herausforderung, die eine Stadt wie Borken beim Thema einheitliche Öffnungszeiten hat, ist, dass wir viele inhabergeführte Geschäfte haben. Das ist auch das große Glück für unsere Stadt. Das sind dann aber auch viele Einzelkämpfer, für die jede Stunde zusätzlich, sei es ein Sonntag, ein Donnerstagabend oder ein Samstag, auf die eigene Kappe geht. Natürlich würde ich mir eine größere Einheitlichkeit wünschen, aber das muss letztlich jeder individuell entscheiden.

Über verändertes Einkaufsverhalten…

Das hat sich stark geändert. Vor zehn Jahren ging das über die Woche von Montag bis Samstag linear nach oben. Heute kann auch ein Montagmorgen, je nach Abteilung, mal stark sein. Das ist sehr stark anlassbezogen. Nach mehreren warmen Tagen wird es in der Regel voller, weil dann noch ein T-Shirt oder die kurze Hose fehlt. Das Kundenaufkommen ist nicht mehr so gut planbar wie in der Vergangenheit.

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Über die Kundenfrequenz in der Stadt…

Die Frequenzen gehen zurück. Wir haben jetzt in 2025 das erste Jahr nach Corona gehabt, in dem die Frequenzen im Vergleich zum Vorjahr stabil waren. Im Vergleich zu 2019 sieht man aber einen signifikanten Rückgang.

Über die jüngste Entwicklung der Innenstadt…

Unterm Strich sehe ich eine positive Entwicklung, gerade wenn man Borken mit anderen Mittelzentren vergleicht. Wir kriegen häufig Besuch von anderen Modehändlern, die uns dann immer wieder spiegeln, wie schön die Stadt sei und wie gut auch nach wie vor das Angebot ist. Das vergisst man vielleicht manchmal, wenn man das einfach gewohnt ist.

Über die künftige Entwicklung der Innenstadt…

Ich glaube, die Innenstädte werden sich auf einer kleineren Fläche konzentrieren. Das sieht man in Borken schon extrem. Die Kern-Innenstadt zwischen Marktplatz, Mühlenstraße und Vennehof wird so bleiben, denke ich. Es werden nicht mehr Geschäfte, aber die, die sich halten, werden besser. Die Besucher kommen heute und künftig für ein Erlebnis in die Stadt, und da sehe ich Borken sehr, sehr positiv, weil dafür extrem viel getan wird. Wir haben eine tolle Gastronomie-Szene und was an Events in der Stadt angeboten wird, ist extrem gut. Da sind wir wirklich sehr, sehr weit, das weiß ich auch aus dem Kontakt mit anderen Einzelhändlern aus ganz Deutschland.

Über einen funktionierenden Wochenmarkt…

Das hilft dem Einzelhandel auf jeden Fall. Wir merken an unserem neuen Standort in Coesfeld deutlich an diesen Tagen eine höhere Frequenz. Das bringt auch höhere Umsätze. Man darf aber auch nicht vergessen, dass es immer weniger Anbieter gibt. Der Feierabendmarkt hatte vor zehn Jahren ein sehr breites Angebot auch an Lebensmitteln. Aber aus welchen Gründen auch immer wurde das nicht so angenommen. Und warum sollte ich einen Wochenmarkthändler davon überzeugen können, einen funktionierenden Standort für ein Aufbauprojekt hier in Borken aufzugeben.

Über die Ansiedlung bekannter Handelsketten…

Es wird sicherlich nicht einfacher, aber wenn die Voraussetzungen stimmen, glaube ich schon, dass es möglich ist, auch neue Händler oder neue Konzepte hier anzusiedeln. Wenn man die Innenstadt weiterhin so betreibt wie ein vernünftiges Unternehmen und investiert und sich der Zukunft zuwendet, dann funktioniert das auch. Dafür gibt es nicht den einen großen Hebel, das sind viele kleine Schritte so wie jetzt die Bebauung des Mühlenareals oder das neue Parkhaus am Krankenhaus, künftig hoffentlich ein Neubau in der Kapuzinerstraße und der Dritte Ort am Marktplatz. Das sind dann die großen Themen, da merkt man, wow, jetzt hat sich was verändert.

Dieses „BZ-Stadtgespräch“ gibt es als Podcast kostenlos bei Spotify undApple Podcasts . Als Videopodcast gibt es das Gespräch ebenfalls auf der BZ-Homepage sowie auf dem Youtube-Kanal der Borkener Zeitung.

Zur Person

Moritz Schmidt (40) ist gebürtiger Hamburger. Der studierte Betriebswirt hat für die Deutsche Bank in Nürnberg, Frankfurt und Berlin gearbeitet. Dort hat er seine heutige Frau Katharina, geborene Honerbom, kennengelernt. Zusammen ist das Paar im Jahr 2017 nach Borken gezogen, um in das Modehaus ihrer Eltern einzusteigen. Mittlerweile haben Katharina und Moritz Schmidt die Geschäftsführung übernommen und in diesem Jahr ein zweites Modehaus in Coesfeld eröffnet. Das Paar lebt mit zwei Kindern in Borken.