Ausstellung in Borken zeigt Trauer-Tattoos
Tattoos als Ausdruck von Trauer: Eine Ausstellung in Borken zeigt, wie Menschen durch Körperkunst eine dauerhafte Verbindung zu verstorbenen Angehörigen herstellen. Die Ausstellung, die bis zum 8. Mai in der Volksbank Westmünsterland läuft, ist Teil des 30-jährigen Bestehens des Ambulanten Hospizdienstes der Caritas Borken.
Bei der Ausstellungseröffnung (von links): Christiane Janneschütz (Ambulanter Hospizdienst, AHD), Andreas Zee (Caritas), Christiane Viet (AHD), Thomas Blanke (Volksbank Westmünsterland), Matthias Brinkmann (Caritas), Joachim Ladermann (Caritas-Rat), Klaudia Tiemeshen (AHD), Marlies Osterkamp (AHD), Jürgen Fellerhoff (Stellv. Bürgermeister) und Beate Dillage-Wiechmann (Bürgerstiftung Aktive Bürger Borken)
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BORKEN. Menschen lassen sich in der Trauer tätowieren. Manchmal sogar Menschen, die Tattoos vorher für sich ablehnten. Ob ein besonderer Schriftzug, ein Symbol, eine Zeichnung, ob Mann oder Frau, jung oder alt: „Das Tattoo ist ein Statement für immer, denn Trauer geht nicht vorbei. Sie verändert sich und sucht nach individuellem Ausdruck. Trauer will gesehen werden.“ So heißt es auf der Website eines bundesweiten Fotoprojekts, von dem eine Auswahl an Aufnahmen noch bis Freitag, 8. Mai, im Foyer der Volksbank Westmünsterland am Butenwall zu sehen sind. Der Anlass dazu ist das 30-jährige Bestehen des Ambulanten Hospizdienstes der Caritas Borken.
Trauernde Eltern brachten Projekt ins Rollen
Die Journalistin Katrin Hartig aus Magdeburg leitet seit Jahren eine Selbsthilfegruppe der Verwaisten Eltern und Trauernden Geschwister e.V.. Mit ihrer Projektpartnerin Stefanie Oeft-Geffarth spürte sie der Vielfalt der Motive nach, warum und wie Menschen auf diese Weise ihre Trauer bekunden. Die seit dem 22. April in Borken zu sehende Wanderausstellung von Oeft-Geffahrts Design-Agentur Convela zeigt Bilder von Menschen und ihre Geschichten dazu, die einen Zugehörigen verloren haben. Um eine besondere Verbindung zu ihm zu schaffen, haben sie sich ein Erinnerungstattoo stechen lassen. Wie die Initiatorin Katrin Hartig, die bei der Ausstellungseröffnung per Videobotschaft zugeschaltet war, berichtete, brachte ein trauerndes Ehepaar das Projekt ins Rollen. Sie suchten nach dem Tod ihres Sohnes nach einer besonderen Verbindung zu ihrem Kind. Als Trauerbegleiterin begegnen ihr in den Begleitungen immer häufiger Menschen, die sich nach dem Verlust eines Angehörigen für ein Tattoo entscheiden.
„Trauer will gesehen werden.“
Aus der Projektbeschreibung
Bei der Eröffnung fanden Matthias Brinkmann (Vorstand der Caritas Borken) und Thomas Blanke (Volksbank Westmünsterland) einfühlsame Worte. Beate Dillage-Wiechmann von der Bürgerstiftung Aktive Bürger Borken überreichte bei dieser Gelegenheit eine Spende von 1000 Euro an den Ambulanten Hospizdienst der Caritas, der von Klaudia Tiemeshen (Leitende Koordinatorin) entgegengenommen wurde. Dieses Geld wird laut Caritas für die Anschaffung von „Hearts in Hands“ verwendet. Dabei handelt es sich um eine spezielle Knetmasse, aus dem man einen Handabdruck wie einen einfachen Händedruck fertigen kann. So ist es möglich, auch nach dem Tod eines nahestehenden Menschen seinen Händedruck zu spüren und somit eine andere Form der bleibenden Erinnerung zu schaffen.
Die Ausstellung ist noch bis Freitag, 8. Mai, im Foyer der Bank während der Öffnungszeiten zu sehen.
Trauernde aus ganz Deutschland wirkten an dem Fotoprojekt mit.
© Oeft-Geffarth