dpa

Wolfsburg vor Relegation, zwei Absteiger vor offener Zukunft

Für den 1. FC Heidenheim und den FC St. Pauli ist die Reise durch die Bundesliga vorerst beendet. Ihre Abstiege kommen nicht überraschend. Ein anderer Club kann die Saison noch retten.

17.05.2026

Noch eine Chance erspielt: Die Spieler des VfL Wolfsburg.Christian Charisius/dpa

Noch eine Chance erspielt: Die Spieler des VfL Wolfsburg.Christian Charisius/dpa

© Christian Charisius/dpa

Im Abstiegstriell der Fußball-Bundesliga ist der VfL Wolfsburg der Sieger, gewonnen hat der Verein aber noch nichts. Die Niedersachsen müssen die Relegation überstehen, um weiter erstklassig zu sein. Für den 1. FC Heidenheim geht es nach drei, für den FC St. Pauli nach zwei Jahren zurück in Liga zwei. Alle drei Vereine stehen vor spannenden Wochen - auf unterschiedliche Weise.

16. VfL Wolfsburg (29 Punkte/45:69 Tore)

Nur sie durften im Tabellenkeller jubeln: die Spieler des VfL Wolfsburg. Philipp Szyza/dpa

Nur sie durften im Tabellenkeller jubeln: die Spieler des VfL Wolfsburg. Philipp Szyza/dpa

© Philipp Szyza/dpa

Was sagt der Trainer? 

Dieter Hecking: „Wir haben jetzt das Privileg, nach so einer Saison die Relegation spielen zu dürfen. Da gilt es jetzt, den ganzen Fokus darauf auszurichten.“

Was sagen die Spieler?

Kapitän Christian Eriksen: „Wir werden das Spiel sehr ernst nehmen und mit der Überzeugung antreten, dass wir gerade dabei sind, Schwung aufzubauen und Spiele zu gewinnen. Das müssen wir also auch in den nächsten beiden Spielen tun, und dann haben wir einen schönen Urlaub. Aber unser Ziel ist es zunächst einmal, in der Liga zu bleiben.“

Mittelfeldspieler Yannick Gerhardt: „Wir haben dieses Spiel gewonnen und haben noch mal die Chance, zwei Spiele uns für die Bundesliga zu qualifizieren. Und deswegen ist die Stimmung eher positiv. Ich glaube, wenn man die letzten Wochen ansieht, stehen wir schon kompakter da. Der Trainer hat es geschafft, Zuversicht zu verbreiten, Ruhe reinzubringen, und man merkt auch, die Spieler haben wieder mehr Selbstvertrauen.“

Wie geht es weiter?

Die Mission von Trainer Hecking ist noch nicht erfüllt. Er übernahm Anfang März den Posten und schaffte es, eine Mannschaft zu formen. In der Saisonverlängerung kann er in den Spielen am Donnerstag (20.30 Uhr) in Wolfsburg und am Pfingstmontag (20.30 Uhr) beim Zweitliga-Dritten endgültig zum Retter werden. Gegner werden entweder die SV Elversberg, Hannover 96 oder der SC Paderborn sein, die am Sonntag punktgleich um den direkten Aufstieg und die Relegation spielen. 

Bis dahin bleiben alle Zukunftsfragen offen. Auch ob der 61-jährige Hecking Trainer bleibt, möglicherweise auf den offenen Posten des Sport-Geschäftsführers rückt oder Wolfsburg wieder verlässt. Unklar ist auch, was sich alles im Kader ändern wird.

17. 1. FC Heidenheim (26 Punkte/41:72 Tore)

Am Boden: Heidenheim steigt ab.Jan-Philipp Strobel/dpa

Am Boden: Heidenheim steigt ab.Jan-Philipp Strobel/dpa

© Jan-Philipp Strobel/dpa

Was sagt der Trainer?

Frank Schmidt: „Eines kann ich versprechen: Hier ist keiner zufrieden, dass wir abgestiegen sind. Es werden auch noch die Tage kommen, wo wir draufstoßen werden, was wir lange Zeit haben vermissen lassen in dieser Saison. Am Ende haben wir nur 26 Punkte geholt und sind verdient abgestiegen. Trotzdem sage ich: Wenn man nach 26 Spielen 14 Punkte hat, und der Verein so zusammenrückt, mit unseren Fans und die Mannschaft es schafft, noch einmal an sich zu glauben, dann Kompliment und Hut ab.“

Was sagen die Spieler? 

Kapitän Patrick Mainka: „Es tut unfassbar weh. Man hat große Hoffnungen gehabt durch die letzten Wochen. Trotzdem ist es ein ganz komisches Gefühl, weil die Euphorie, das Drumherum, was die Fans da abgeliefert haben, das ist unfassbar. Gefühlt ist man schon wieder im Attacke-Modus. Aber es wird trotzdem auch etwas dauern, weil wir einfach abgestiegen sind.“

Abwehrspieler Jonas Föhrenbach: „Man ist einfach traurig. Die letzten Wochen waren unglaublich. Wir haben eine super Aufholjagd hingelegt. Es dann nicht zu schaffen, das ist ein sehr, sehr unschönes Gefühl.“

Wie geht es weiter?

Sportlich dürfte sich der bevorstehende Umbruch in Grenzen halten: Fast alle Profis außer Außenverteidiger Omar Traoré und Stürmer Stefan Schimmer sowie Leihspieler wie beispielsweise Torwart Diant Ramaj oder Rechtsaußen Eren Dinkci haben Verträge für die 2. Bundesliga. Leistungsträger wie Patrick Mainka wollten sich zunächst nicht klar äußern. Niklas Dorsch wurde - angesprochen auf seine Zukunft - deutlich. „Ich kann doch drei Minuten nach dem Abpfiff nicht über meine Zukunft reden“, sagte der Mittelfeldspieler. „Der Verein ist abgestiegen, hier geht es um Arbeitsplätze. Hier geht es um viel mehr.“

Erfolgscoach Schmidt, der am 17. September sein 20-jähriges Jubiläum feiern wird, will seinen noch bis 2027 gültigen Vertrag indes erfüllen. Der Gesamtetat wird sich jedoch von rund 80 Millionen Euro auf 40 Millionen Euro halbieren.

18. FC St. Pauli (26 Punkte/29:60 Tore)

Abschied von der Bundesliga-Bühne: die Spieler des FC St. Pauli.  Philipp Szyza/dpa

Abschied von der Bundesliga-Bühne: die Spieler des FC St. Pauli. Philipp Szyza/dpa

© Philipp Szyza/dpa

Was sagt der Trainer?

Alexander Blessin: „Letzten Endes muss man dann auch so ehrlich sein, wenn man am 34. Spieltag auf der Position steht, dann ist es einfach, dann muss man das akzeptieren. Und deswegen tut es weh. (...) Es ist jetzt ein bitterer Moment, für den Club, für uns. Es geht trotzdem weiter.“

Was sagen die Spieler?

Kapitän Jackson Irvine bei Sky: „Ich bin einfach total am Boden zerstört und untröstlich, dass dieser Abschnitt unserer Reise nun zu Ende ist. (...) Ich habe gesagt, dass man im Fußball über 90 Minuten hinweg nicht immer das bekommt, was man verdient. Über 34 Spiele hinweg bekommt man meiner Meinung nach aber das, was man verdient. Und 26 Punkte reichen nicht aus, um in dieser Liga zu bleiben.“

Torwart: Nikola Vasilj: „Letztendlich muss man – um ehrlich zu sein – die ganze Saison betrachten. Ja, wir haben heute das Spiel verloren. Aber es hat über die ganze Saison hinweg nicht gereicht. (...) Fünf wunderschöne Jahre – mehr kann ich dazu nicht sagen. Ich werde mich immer an diese schönen Momente erinnern, in denen wir viel erreicht haben. Ich wollte nicht, dass es so endet.“

Wie geht es weiter?

Wie groß der Umbruch im Kader wird, ist noch unklar. Das Bekenntnis von Kapitän Irvine ist aber ein wichtiges Zeichen. Als Identifikationsfigur ist der Australier unverzichtbar. Dagegen wird Torwart Nikola Vasilj den Verein nach fünf Jahren verlassen. Sein Vertrag galt nur für die erste Liga. Die Zukunft von anderen Leistungsträgern wie Hauke Wahl oder Defensiv-Allrounder Eric Smith ist offen. Interessenten soll es angeblich für beide geben. 

Trainer Blessin hat noch einen Vertrag bei den Hamburgern. Unmittelbar nach der Enttäuschung über den Abstieg mochte der 52-Jährige nicht über seine Pläne sprechen. Präsident Oke Göttlich und Sportchef Andreas Bornemann würden ihn dem Anschein nach gern behalten. Zwei Jahre Abstiegskampf haben Blessin aber einiges abverlangt. Sollte er sich entschließen, Hamburg zu verlassen, könnte er bei vielen Bundesliga-Vereinen mit vakanten Trainer-Posten ein Kandidat sein.

Frank Schmidt wird seinen Vertrag erfüllen - trotz des Abstiegs.Jan-Philipp Strobel/dpa

Frank Schmidt wird seinen Vertrag erfüllen - trotz des Abstiegs.Jan-Philipp Strobel/dpa

© Jan-Philipp Strobel/dpa

Trost bei der Familie: St. Paulis Trainer Alexander Blessin. Christian Charisius/dpa

Trost bei der Familie: St. Paulis Trainer Alexander Blessin. Christian Charisius/dpa

© Christian Charisius/dpa