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Wohnungswirtschaft warnt: Ohne Ladepunkte kein E-Auto-Boom

Die Bundesregierung will Elektroautos auch den weniger Begüterten mit einem Zuschuss schmackhaft machen. Ohne günstige Lademöglichkeit für Mieter wird das nichts, fürchten Bayerns Wohnungsunternehmen.

11.03.2026

Wer das Elektroauto auf der Straße lädt, zahlt in aller Regel mehr. (Symbolbild)Sven Hoppe/dpa

Wer das Elektroauto auf der Straße lädt, zahlt in aller Regel mehr. (Symbolbild)Sven Hoppe/dpa

© Sven Hoppe/dpa

Der Mangel an Ladepunkten für Mieter ist nach Einschätzung der bayerischen Wohnungsunternehmen ein entscheidendes Hemmnis für den Durchbruch der Elektroautos. Ohne flächendeckende und wirtschaftlich tragfähige Ladeinfrastruktur in Mehrfamilienhäusern werde sich die Elektromobilität nicht durchsetzen, prophezeit der Verband bayerischer Wohnungsunternehmen (VdW). Verbandsdirektor Hans Maier argumentiert, dass der von der Bundesregierung angekündigte E-Auto-Zuschuss für Normal- und weniger Gutverdienende an der Situation nicht viel ändern wird, wenn nicht gleichzeitig Ladepunkte in Mehrfamilienhäusern gefördert werden. 

Eigene Wallbox für Mieter die große Ausnahme 

In der Fachwelt sind die fehlenden Ladepunkte in klassischen Mietshäusern seit Jahren ein Thema. Nach Zahlen der Nationalen Leitstelle Ladeinfrastruktur gibt es in Deutschland 21 Millionen Wohnungen in Mehrfamilienhäusern mit zusammen 8,9 Millionen dazugehörigen Auto-Stellplätzen. Der Gesamtverband der deutschen Wohnungswirtschaft schätzt, dass weniger als zehn Prozent dieser Gebäude mit Wallboxen oder Ladepunkten ausgestattet sind. Das liegt unter anderem an der Technik: So sind Starkstromanschlüsse notwendig, die es in den meisten Tiefgaragen nicht gibt. 

Ohne günstige Lademöglichkeit sind E-Autos weniger attraktiv 

„Elektromobilität entscheidet sich im Alltag und der beginnt vor der Haustür“, sagte VdW-Direktor Maier. Nach Einschätzung der Fachleute des Verbands wäre eine verlässliche Lademöglichkeit für viele Mieterinnen und Mieter die Voraussetzung, um auf ein Elektroauto umzusteigen. Zwar ist in den vergangenen Jahren die Zahl der öffentlichen Ladesäulen in den Städten gestiegen, doch ist das Laden dort in aller Regel teurer als für Einfamilienhausbesitzer, die sich eine private Wallbox installieren, häufig in Kombination mit einer Solaranlage auf dem Dach. 

Immobilienbesitzer stellen die große Mehrheit der E-Auto-Fahrer

„Schnellladen an öffentlichen Säulen ist bequem, aber teuer“, sagte Claudia Maier, die Vorständin der auf die Installation von Ladepunkten spezialisierten Genossenschaft Isarwatt. Die Einschätzungen decken sich mit einer Analyse des Versicherers HUK Coburg, derzufolge über 80 Prozent der privat zugelassenen E-Autos in Deutschland von Immobilienbesitzern gefahren werden. 

Die Bundesregierung will Kauf oder Leasing von E-Autos wieder bezuschussen; abhängig von Einkommen, Kinderzahl und Auto soll es zwischen 1.500 und 6.000 Euro geben. Die Einkommensgrenze soll bei 80.000 Euro jährlichem Haushaltseinkommen liegen, mit Zusatzbonus von bis zu 10.000 Euro für zwei Kinder.