Wochenmarkt ade? „Auf dem Weg, nicht mehr rentabel zu sein“
Regionales Gemüse, Käse zum Probieren und ein Glas Wein in der Sonne: Wochenmärkte bieten genau das. Doch nicht nur fehlendes Personal macht den Betreibern zu schaffen - und führt zu Schließungen.
Standbetreiber haben mit fehlendem Personal und gestiegenen Preisen zu kämpfen. (Symbolbild)Arne Dedert/dpa
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Wochenmärkte in Hessen haben mit fehlendem Personal, höheren Kosten und vielen Regularien zu kämpfen. „Einige Wochenmärkte sind auf dem Weg dorthin, nicht mehr rentabel zu sein, so dass sie geschlossen werden müssen“, sagt Roger Simak, Geschäftsführer des Landesverbandes für Markthandel und Schausteller in Hessen. „Vor der Schließung kommt noch eine Phase, wo Lücken in den Reihen der Stände entstehen. In dieser Phase entscheidet sich, ob der Wochenmarkt weiter bestehen bleibt.“
Ein Hauptproblem sei vor allem fehlendes Personal. Nach einer Hochphase in der Corona-Pandemie habe sich die Personalsituation massiv verschlechtert. „Da mussten einige ihre zweiten oder dritten Stände stilllegen, um eben überhaupt noch einen Stand betreiben zu können, den sie nämlich mit Familienangehörigen selbst betreiben können.“
So habe etwa im Frankfurter Stadtteil Gateway Gardens alles für einen neuen Wochenmarkt bereitgestanden, erinnert sich Simak. „Aber wir haben die Beschicker nicht zusammenbekommen. Deshalb konnten wir den Wochenmarkt letztlich nicht veranstalten.“
Seit mehreren Jahren strukturelle Herausforderungen
Die HFM Managementgesellschaft für Hafen und Markt mbH organisiert Wochen- und Spezialmärkte in Frankfurt und kennt diese Probleme auch. Michael Lorenz, Leiter Markt, schreibt: „Die Marktbeschickerinnen und Marktbeschicker sind überwiegend kleinere, häufig familiengeführte Betriebe, die sich bereits seit mehreren Jahren mit strukturellen Herausforderungen konfrontiert sehen.“ Insbesondere der anhaltende Fachkräftemangel sowie gestiegene Energie- und Beschaffungskosten belasteten die wirtschaftliche Situation vieler Betriebe.
Simak nennt auch noch andere Gründe. Nach dem Anschlag in Magdeburg habe es an einzelnen Standorten polizeiliche Empfehlungen für Einfahrsperren gegeben, erzählt er. „Wenn Sie dann mal schauen, was so was kostet, dann sind Sie mit Auf- und Abbau am Tag bei 1.600 Euro je Zufahrt. Und das ist dann einfach eine Sache, da lohnt sich kein Wochenmarkt mehr.“
„Das ist auch ein Erlebnis, es ist Sozialkontakt“
Demnächst gebe es zudem eine neue DIN-Norm und ein neues Regularium der Berufsgenossenschaft. „Das sind ein paar hundert Seiten, die da zu beachten sind“, sagt er. „Und das sind so Dinge, wo der Wochenmarkt zunehmend auch im Büro stattfindet.“
Dabei sei gerade das Schöne an Wochenmärkten, dass es „nicht nur einen Beschaffungsakt darstellt“, sagt Simak. „Sondern das ist auch ein Erlebnis, es ist Sozialkontakt, es ist Verständigung und es ist eben auch mal rauszukommen von zu Hause.“
Genau darin sieht Lorenz aber auch Chancen: Einzelne Anbieter richteten sich verstärkt hin zu gastronomischen Angeboten aus, „da in diesem Bereich in der Regel stabilere Margen erzielt werden können“. Zahlreiche Betriebe erweiterten demnach in Absprache ihr Sortiment um Speisen und Getränke zum Sofortverzehr oder to go.