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Wo die Tourismusbranche Potenzial in Rheinland-Pfalz sieht

Konkrete Tipps für eine Wanderung per Chatbot - und Homeoffice aus dem Camper in der Pfalz statt von Bali. Worin die Tourismusbranche in Rheinland-Pfalz Zukunftspotenzial sieht.

15.04.2026

Ein Trullo steht in den Weinbergen. Wanderwege und Wein gehören zu den Attraktionen in Rheinland-Pfalz. (Archivbild)Andreas Arnold/dpa

Ein Trullo steht in den Weinbergen. Wanderwege und Wein gehören zu den Attraktionen in Rheinland-Pfalz. (Archivbild)Andreas Arnold/dpa

© Andreas Arnold/dpa

Die Tourismusbranche in Rheinland-Pfalz rechnet nach einem erfolgreichen 2025 und einem guten Ostergeschäft mit einem starken Jahr - trotz steigender Kosten und Fachkräftemangels. „Der Zufall schreibt die besten Geschichten“ lautet der Titel der Kampagne der Tourismus GmbH für das laufende Jahr. „Denn oft sind es gerade die kleinen unerwarteten Wendungen, die ein Reiseerlebnis besonders machen“, sagte der Geschäftsführer der Rheinland-Pfalz Touristik GmbH, Stefan Zindler, in Mainz laut Mitteilung. Ein Überblick:

Gute Ausgangslage

„2025 war das beste Tourismusjahr in Rheinland-Pfalz seit dem Spitzen- und Vor-Corona-Jahr 2019“, sagte die scheidende Wirtschaftsministerin Daniela Schmitt (FDP) laut Mitteilung. Die Investitionen in Marketing, Qualität, Innovation und Digitalisierung zahlten sich aus. Rund 33 Millionen Euro waren im Doppelhaushalt 2025/26 für Tourismus eingeplant - zehn Millionen Euro mehr als im vorangegangenen Doppelhaushalt. 

Rund 8,9 Millionen Gäste kamen dem Statistischen Landesamt zufolge 2025 nach Rheinland-Pfalz, wie Schmitt sagte. Das waren 2,1 Prozent mehr als 2024. Die Zahl der Übernachtungen stieg um 1,2 Prozent auf 22,6 Millionen. Mehr als vier Fünftel der Gäste kamen aus dem Inland. Eine Besonderheit: Die Übernachtungen auf Campingplätzen seien im Jahresvergleich um 13 Prozent auf 3,5 Millionen gestiegen. 

„Die Osterferien in diesem Jahr, die traditionell als Saisonauftakt gelten, sind in unseren touristischen Regionen sehr gut verlaufen und mit Blick auf die aktuelle Buchungslage schauen wir sehr zuversichtlich auf das übrige Tourismusjahr 2026“, sagte der Geschäftsführer der Eifel Tourismus GmbH, Wolfgang Reh, ohne Zahlen zu nennen. Die Buchungen im ersten Quartal lägen auch über dem Vorjahreswert. 

Entschleunigung in der Natur 

Rheinland-Pfalz verfüge über das perfekte Angebot auf die wachsende Nachfrage nach Entschleunigung in der Natur, sagte Ministerin Schmitt. Naturnahe Aktivitäten wie Wandern oder Radfahren seien weiterhin die beliebtesten Urlaubsaktivitäten im Bundesland. „Bei uns gibt es Ruhe, Natur, frische Luft und die nötige Portion Kultur gepaart mit hervorragenden Weinen und regionalen Spezialitäten.“

Wellness und Prävention seien vor allem im Herbst und Winter gefragt und etablierten sich immer besser, sagte Zindler. Erlebnis-Führungen etwa an Mosel oder Ahr würden ebenfalls immer mehr gebucht. 

Arbeit und Erholung: „Es muss nicht immer Bali sein“

Dies komme auch denen zugute, die mobiles Arbeiten mit Freizeit verbinden wollten, sagte Schmitt. „Es muss nicht immer Bali sein, auch Rheinland-Pfalz besitzt tolle Orte, um Arbeiten und Erholung zu verbinden“, sagte die Ministerin. Die Arbeitswelt verändere sich stark, „Workation“ (aus Work/Arbeit und Vacation/Ferien) nehme zu und auch in Rheinland-Pfalz arbeiteten Menschen aus dem Hotelzimmer oder dem Camper. 

Chatbot mit fundierten Tipps

KI gehöre inzwischen zum Fundament des Tourismusmanagements, betonte Zindler. „Künstliche Intelligenz hilft dabei, unseren digitalen touristischen Wissensschatz stetig weiter in Wert zu setzen.“ Der Tourenplaner Rheinland-Pfalz erhalte im Mai einen neuen mehrsprachigen Chatbot, der auch fundierte Einschätzungen abgebe, etwa ob eine Tour für Familien oder nur geübte Wanderer geeignet sei und wie sich die aktuellen Wetterbedingungen auswirkten. „Man geht da richtig in den Dialog.“ 

Digitale Buchungen seien inzwischen Pflicht, sagte Reh. Nachholbedarf gebe es aber vor allem noch beim Camping und in der Gastronomie. 

Städtereisen

Trier, Mainz, Koblenz: Die Städte seien für viele Besucher ein Eingangsportal zum ländlichen Raum mit Weinbergen, Rad- und Wanderwegen, sagte der Geschäftsführer der Trier Tourismus und Marketing GmbH, Yannick Jaeckert. Geschätzt würden die kurzen Wege zwischen Stadt und Umland. 

Wachstumsfelder 

Geschäftstourismus, Tagungen/Veranstaltungen/Messen sowie die Ansprache jüngerer Menschen sollen ausgebaut werden. Beim Auslandsmarketing liege Rheinland-Pfalz bundesweit auf dem 6. Platz und setzte dabei vor allem auf umliegende Länder, sagte Zindler. 2026 werde damit begonnen, den dänischen Markt aktiv zu bewerben.

Unsichere Weltlage 

Die schwierige geopolitische Lage, Preissteigerungen bei Pauschalreisen und Kerosin-Knappheit böten für den Standort ebenfalls eine große Chance, sagte Schmitt. In Rheinland-Pfalz lasse sich sicher Urlaub machen und dies komme auch dem Trend nach mehreren kürzeren Auszeiten entgegen.

Bei Koblenz wacht sie über Stadt und Fluss: die Festung Ehrenbreitstein. Städtetourismus ist ein Schwerpunkt in Rheinland-Pfalz. (Archivbild)Thomas Frey/dpa/dpa-tmn

Bei Koblenz wacht sie über Stadt und Fluss: die Festung Ehrenbreitstein. Städtetourismus ist ein Schwerpunkt in Rheinland-Pfalz. (Archivbild)Thomas Frey/dpa/dpa-tmn

© Thomas Frey/dpa/dpa-tmn

Spaziergänger genießen die Aussicht auf dem Loreleyplateau. Wandern gehört zu den beliebtesten Freizeitaktivitäten für Touristen in Rheinland-Pfalz. (Archivbild)Thomas Frey/dpa/dpa-tmn

Spaziergänger genießen die Aussicht auf dem Loreleyplateau. Wandern gehört zu den beliebtesten Freizeitaktivitäten für Touristen in Rheinland-Pfalz. (Archivbild)Thomas Frey/dpa/dpa-tmn

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Die Porta Nigra in Trier - ein beliebtes Ziel für Touristen. (Archivbild)Harald Tittel/dpa

Die Porta Nigra in Trier - ein beliebtes Ziel für Touristen. (Archivbild)Harald Tittel/dpa

© Harald Tittel/dpa