Wirtschaft schrumpft 2025 - Ruf nach Kurswechsel
Bundesweit wächst das Bruttoinlandsprodukt leicht, anders in Rheinland-Pfalz. Der Unternehmerverband sieht die Politik in der Pflicht und äußert vorsichtige Hoffnung.
Die in Rheinland-Pfalz so wichtige Chemische Industrie hat zu kämpfen. (Archivfoto)Uwe Anspach/dpa
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Die Wirtschaft in Rheinland-Pfalz ist 2025 gegen den Bundestrend geschrumpft. Vorläufigen Berechnungen nach habe das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt gegenüber dem Vorjahr um 0,5 Prozent abgenommen, teilte das Statistische Landesamt in Bad Ems mit. Noch schwächere Entwicklungen gab es deutschlandweit nur im Saarland und in Baden-Württemberg. Im Bundesdurchschnitt stieg die Summe aller produzierten Waren und Dienstleistungen dagegen um 0,2 Prozent.
Einen erheblichen Anteil am Rückgang in Rheinland-Pfalz hatte die Industrie, sie macht in dem Bundesland ein Fünftel der gesamten wirtschaftlichen Leistung aus. Die preisbereinigte Bruttowertschöpfung sank im Verarbeitenden Gewerbe um 1,4 Prozent. Sieben der zehn umsatzstärksten Branchen mussten Umsatzrückgänge hinnehmen, darunter die energieintensive Chemische Industrie, die in Rheinland-Pfalz eine große Rolle spielt. Ein Umsatzplus verzeichneten dagegen die Pharmaindustrie sowie der Auto- und Maschinenbau.
Unternehmerverband sieht strukturelles Problem am Standort
Die Landesvereinigung der Unternehmerverbände (LVU) sprach sich auch angesichts der laufenden Regierungsbildung nach der Landtagswahl für einen wirtschaftspolitischen Kurswechsel aus. Hauptgeschäftsführer Karsten Tacke sagte: „Die anhaltende wirtschaftliche Schwäche, die vor allem die industrielle Basis im Land weiter hart trifft, ist kein kurzfristiger Dämpfer, sondern ein strukturelles Problem am Standort.“
Die Unternehmen bräuchten dringend wieder bessere Standortbedingungen, vor allem durch niedrigere Energiekosten, schnellere Genehmigungsverfahren und Bürokratieabbau. Schnellere Genehmigungen sind laut LVU vor allem bei Infrastruktur- und Industrieprojekten nötig. Beim Bürokratieabbau sollten dem Verband zufolge etwa Nachweis- sowie Berichtspflichten und Genehmigungsverfahren vereinfacht werden.
Hoffnung machen der LVU leicht positive Signale aus dem laufenden Jahr. Die Industrie startete erstmals nach drei Jahren mit rückläufiger Entwicklung mit einem Januar-Umsatzplus in ein neues Jahr. Das zeige, Rheinland-Pfalz habe das Potenzial für Wachstum – wenn die Rahmenbedingungen stimmten. „Jetzt kommt es auf die Umsetzung an“, betonte Tacke.
Die anhaltende wirtschaftliche Schwäche sei kein kurzfristiger Dämpfer, sondern ein strukturelles Problem am Standort, sagt Tacke, Hauptgeschäftsführer der Landesvereinigung Unternehmerverbände Rheinland-Pfalz. (Archivfoto)Jörg Halisch/dpa
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