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Wie verbreitet die Große Drüsenameise in Thüringen ist

Mancherorts gilt sie als Plage und Gefahr für die Infrastruktur: Aber wie ist es in Thüringen um die Große Drüsenameise bestellt? Ein Vorkommen ist bekannt – und auch Probleme mit einer anderen Art.

14.10.2026

Bislang ist nur ein Standort bekannt, an dem die Große Drüsenameise, oder „Tapinoma magnum“, in Thüringen nachgewiesen wurde. (Symbolbild)Uli Deck/dpa

Bislang ist nur ein Standort bekannt, an dem die Große Drüsenameise, oder „Tapinoma magnum“, in Thüringen nachgewiesen wurde. (Symbolbild)Uli Deck/dpa

© Uli Deck/dpa

Sie ist winzig, kann aber großen Schaden anrichten und ganz schön nerven: Die Große Drüsenameise kommt inzwischen auch in Thüringen vor. Allerdings hält sich die Sorge um negative Auswirkungen hierzulande in Grenzen, wie das Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz auf dpa-Anfrage mitteilte.

Während Horden der Ameisenart etwa im baden-württembergischen Kehl, schon in Verteilerkästen einmarschierten und das Internet lahmlegten, oder in Karlsruhe sich Bordsteinkanten wegen der darunterliegenden Tunnel der Tiere absenkten, ist die Lage in Thüringen noch überschaubar. Bislang ist laut Landesamt ein einzelner, klar begrenzter Standort mit einem Vorkommen der „Tapinoma magnum“ in einem Siedlungsgebiet in Ost-Erfurt bekannt.

Kenntnisse über weitere bestätigte Vorkommen liegen dem Landesamt demnach bislang nicht vor. „Von einer weiten Verbreitung der Art in Thüringen kann daher aktuell nicht gesprochen werden“, heißt es dort. Zudem seien bislang keine bekannten Schäden durch die Ameisen in Thüringen entstanden. Dennoch: „Das Schadenspotenzial hängt stark vom Standort und von der Größe des Bestands ab. Deshalb beobachten wir die Entwicklung sehr aufmerksam“, erklärte Landesamtssprecher Nils Fröhlich.

Ameisenart über Pflanzen eingeschleppt

Die Große Drüsenameise stammt laut Umweltbundesamt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum. Über Olivenbäume und andere Waren ist sie nach Deutschland eingeschleppt worden und breitet sich aus. Sie hat eine glänzend schwarze Färbung und bildetet Kolonien mit mehreren Königinnen. Ihre unterirdischen Nester verbinden die Tiere mit verzweigten Tunnelsystemen. Statt zu konkurrieren, tauschen sich die einzelnen Nester aus. Auf diese Weise können sogenannte riesige Superkolonien entstehen.

Wohl fühlt sich die Ameisenart auf sandigen Böden und in Siedlungsgebieten. Dort kann sie laut Umweltbundesamt Nester im Boden etwa in der Nähe von Mauern und Fundamenten, unter Pflastersteinen, Gehwegplatten, oder auch Blumenkübeln anlegen. Dringt sie etwa auf der Suche nach Wärme und Nahrung in Gebäude ein, können Fassaden und Elektrik beschädigt werden. Das massenhafte Auftreten werde als starke Belästigung wahrgenommen.

Bedrohung für andere Arten

Per se gesundheitsgefährdend sind die Insekten zwar nicht. Allerdings können sie mit einem Sekret, das sie verspritzen, andere Ameisen töten und sind somit auch eine Bedrohung für heimische Ameisenarten. Bei Menschen kann das Sekret laut Umweltbundesamt zu Hautreizungen führen.

Auch der Fund in Erfurt ist nach Einschätzung des Thüringer Landesamts am ehesten auf eine Einschleppung durch Pflanzen und Erde zurückzuführen. „Der genaue Eintragsweg ist allerdings nicht geklärt“, erklärte Fröhlich.

Grundsätzlich seien weitere Einschleppungen nach Thüringen möglich, zumal sich die Art in Deutschland insgesamt ausbreitet und vor allem in wärmebegünstigten Siedlungsbereichen gute Bedingungen findet. „Wie stark und wie schnell sich die Art in Thüringen tatsächlich ausbreiten wird, lässt sich auf Grundlage eines einzelnen Fundes nicht seriös vorhersagen“, so Fröhlich.

Ausbreitung vorbeugen, verdächtige Funde melden

Um einer weiteren Ausbreitung vorzubeugen, sei es wichtig, dass Erde, Pflanzen und Pflanzenmaterial des betroffenen Geländes nicht an andere Orte gebracht werden. „Da das Vorkommen in Thüringen bislang klein und räumlich begrenzt ist, sind die Chancen für wirksame Maßnahmen besser als bei bereits großflächig etablierten Beständen.“ Im Erfurter Fall seien die zuständigen Stellen informiert worden, die die notwendigen Maßnahmen eingeleitet hätten.

Das Landesamt empfiehlt zudem: Wer eine verdächtige Ameisenkolonie entdeckt, sollte Fotos der Tiere und Nester machen und diese zur fachlichen Bestimmung weiterleiten. „Nicht jede Ameisenbeobachtung ist ein Hinweis auf diese Art, und eine pauschale Bekämpfung ist nicht angezeigt.“

Weitere „Problemameise“ in Jena

Derweil muss sich die Stadtverwaltung Jena mit einer anderen Ameisenart beschäftigen: Die Vergessene Wegameise, oder Lasius neglectus, ist die dortige „Problemameise“, wie es aus dem Rathaus heißt. Erstmals seien im vergangenen Jahr Probleme mit der Art bekanntgeworden. Seitdem gehen zunehmend Meldungen über auffällige Ameisenvorkommen aus verschiedenen Stadtteilen ein. Wie stark die Art verbreitet ist, soll ein Fachgutachten klären. Auf Basis der Ergebnisse können dann passende Maßnahmen ergriffen werden.

Auch die ursprünglich aus Vorderasien stammende Wegameise sei eingeschleppt. Und auch diese Art könne sogenannte Superkolonien bilden, die aus mehreren Hundert Völkern mit Millionen einzelner Tiere bestehen.

Zwar seien die Vergessene Wegameise wie auch die Große Drüsenameise Ameisen nicht unmittelbar für Menschen gefährlich. „Durch ihr massenhaftes Auftreten können sie jedoch sehr lästig werden und außerdem Schäden verursachen – etwa an Straßen und Wegen, Gebäuden oder Stromverteilerkästen“, so die Stadtverwaltung.