Wie Familienschulzentren in Thüringen funktionieren
Bildungsforscher wissen, dass Eltern großen Einfluss darauf haben, welche Karrieren ihre Kinder einschlagen. Familienschulzentren könnten daraus eine Chance auch für benachteiligte Kinder machen.
Elf Schulen in Thüringen wollen sich zu Familienschulzentren entwickeln. (Symbolbild)Bodo Schackow/dpa
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Weil der Bildungserfolg von jungen Menschen maßgeblich an ihren Eltern hängt, wollen sich mehrere Thüringer Schulen zum Familienschulzentrum weiterentwickeln. Insgesamt elf staatliche Schulen im Freistaat wollten Familienschulzentren werden, sagte eine Sprecherin des Thüringer Bildungsministeriums. Das sind vier Schulen weniger als Ende 2024 als künftige Familienschulzentren angekündigt worden waren.
Bei den Schulen, die demnächst Familienschulzentren sein sollen, handelt es sich um Grundschulen in Nord- und Ostthüringen, darunter sind gleich mehrere Einrichtungen in Gera und eine in Nordhausen.
Was sind Familienschulzentren?
Familienschulzentren versuchen die Bildung von Kindern als gemeinsame Aufgabe von Lehrern, Kindern und insbesondere auch Eltern zu begreifen. „Familienschulzentren steigern den Bildungserfolg von Schülerinnen und Schülern indirekt über die Eltern: Sie stärken Erziehungskompetenz, vermitteln Bildungsbewusstsein und schaffen Netzwerke zu Schulen und Beratungsstellen“, sagt die Sprecherin des Bildungsministeriums.
Dadurch würden Eltern zu aktiven Begleitern der Schullaufbahn ihrer Kinder. Sie sollen durch diese Zentren zum Beispiel angehalten werden, ihren Nachwuchs stärker zu guten schulischen Leistungen zu motivieren oder sich in die Hausaufgabenbetreuung einzubringen.
Familienschulzentren waren – jedenfalls in Thüringen – in der Vergangenheit noch Familiengrundschulzentren genannt worden. Die Umbenennung zu Familienschulzentren soll deutlich machen, dass auch weiterführende Schulen mit grundsätzlich diesem Konzept arbeiten können.
Warum sind solche Zentren wichtig?
Die Arbeit von Familienschulzentren baut auf einem Zusammenhang auf, der durch die Bildungsforschung immer wieder unterstrichen wird: Der soziale Status von Familien und der Bildungshintergrund der Eltern sind wesentliche Faktoren dafür, welche Schul-, Ausbildungs- oder Hochschulabschlüsse ihre Kinder einmal erlangen werden.
Eine vor kurzem vorgestellte Studie des Leibniz-Instituts für Bildungsverläufe hatte diesen Zusammenhang noch einmal gezeigt. Dabei hatten die Forscher zum Beispiel herausgearbeitet, dass vor allem Eltern mit hohem beruflichem Status ihre Kinder schon früh in eine Kindertagesstätte geben. „Kinder aus Familien mit niedrigem Bildungsniveau nehmen vor dem vierten Lebensjahr seltener an frühkindlicher Betreuung teil“, hieß es bei der Vorstellung des Papiers.
Ab wann sollen die elf Familienschulzentren ihre Arbeit aufnehmen?
Das soll mit dem Beginn des neuen Schuljahres passieren. Die entsprechenden Angebote sollen in den einzelnen Schulen nach und nach eingeführt werden. Um die Thüringer Schulen zu solchen Zentren weiterzuentwickeln, sucht das Land derzeit einen Träger, der eine Koordinierungsstelle für das Projekt übernimmt. Spätestens zum 1. Juni soll diese Suche abgeschlossen sein.
Warum machen nun weniger Schulen mit als angekündigt?
Bei einigen der Einrichtungen, die in der Vergangenheit ihr Interesse bekundet hatten, Familienschulzentrum zu werden, habe sich herausgestellt, dass es nicht die nötigen Kapazitäten gebe, dieses Modell anzuwenden, sagt die Sprecherin des Ministeriums.