Welche Folgen die Rekord-Trockenheit für Bayern hat
Seit 1881 war in Bayern kein Frühjahr so trocken wie das gerade zu Ende gegangene. Vielerorts konnten sich die Menschen über Badewetter freuen. Doch der Wassermangel führt jetzt schon zu Problemen.
Viel Sonne, historisch wenig Regen: Das Wetter im Frühjahr bereitet an einigen Stellen Probleme. (Symbolbild)Karl-Josef Hildenbrand/dpa
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Nur etwa 104 Liter Niederschlag pro Quadratmeter in drei Monaten - das Frühjahr in Bayern war laut Deutschem Wetterdienst (DWD) im Schnitt so trocken wie kein anderes seit Aufzeichnungsbeginn vor mehr als 140 Jahren. Deutlich mehr Sonnenstunden als üblich bescherten vielen Ausflüglern und Urlaubern vor allem Ende Mai bestes Badewetter. Doch viele Menschen im Freistaat sehnen mehr Regen herbei - aus unterschiedlichsten Gründen.
„Extremjahr“ - Bauern bangen um Ernten
Schon Anfang Mai hatten Bayerns Landwirte und Gemüseanbauer Regen herbeigesehnt - inzwischen hat sich die Lage noch verschärft. „Das Jahr 2026 entwickelt sich erneut zu einem Extremjahr für die bayerischen Ackerbauern“, sagte eine Sprecherin des Bauernverbandes. „Viele Landwirte mussten ihre Ernteerwartungen bereits deutlich nach unten korrigieren.“ Für im Frühjahr gesäte Pflanzen wie Mais, Zuckerrüben und Braugerste sei die Lage besonders schwierig. Ihre Wurzelsysteme seien „noch nicht ausreichend entwickelt“.
Besonders während der Rebblüte sind die fränkischen Winzer auf Regen angewiesen. (Symbolbild)Karl-Josef Hildenbrand/dpa
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Auch die fränkischen Winzer sehnen inzwischen mehr Regen herbei: Denn am größten ist der Wasserbedarf bei ihnen rund um die Rebblüte, die inzwischen begonnen hat.
Aufrufe zum Wassersparen
Vor allem Gemeinden, die auf einzelne Trinkwasserquellen angewiesen sind, bekommen die Folgen der Trockenheit schon direkt zum Sommerbeginn zu spüren. In Bad Hindelang im Oberallgäu rief die Gemeinde schon Ende Mai die Bewohner dazu auf, „Wasser sparsamer zu verwenden“. Wegen der andauernden Trockenheit habe die Gemeinde auch mehrere öffentliche Brunnen in dem beliebten Urlaubsort stillgelegt - damit der Friedhof weiter mit Wasser versorgt werden kann.
Wenig Wasser in Flüssen und Seen - Folgen für Touristen
Schon im Winterhalbjahr fielen laut bayerischem Landesamt für Umwelt zu wenig Regen und Schnee. Das trockene Frühjahr tat ein Übriges, sodass an vielen Messstellen an Flüssen und Seen zuletzt Niedrigwasser herrschte. Die Wasserstände am Starnberger See, Chiemsee und Tegernsee wurden Anfang Juni allesamt mit sehr niedrig angegeben.
Das hat auch Auswirkungen auf Ausflügler und Touristen. Die Schiffe auf dem Chiemsee fahren zum Beispiel seit Sonntag die Anleger Seebruck nicht mehr an - weil der Wasserstand zu niedrig ist. Auch Bootsverleiher wie Manfred Eckerl klagen über zu wenig Wasser: Der Einstieg vom Steg werde wegen des Höhenunterschieds zum Boot problematisch.
„Das Rauf- und Runterklettern ist schon schwer. Man braucht eigentlich eine Leiter“, sagte Eckerl dem Bayerischen Rundfunk. Kleinere Bootsverleiher könnten wegen des Niedrigwassers gar nicht mehr rausfahren, auch weil sie sich das Ausbaggern ihrer Häfen nicht leisten können. Das gefährde Existenzen.
Tagelang kämpften Hunderte Einsatzkräfte am Saurüsselkopf gegen einen großen Waldbrand. (Archivbild)Gabriel Neumayr/dpa
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Kampf gegen Waldbrände
Schon im April war das Risiko von Waldbränden in Bayern wegen der Trockenheit so groß, dass an mehreren Orten vorsorglich aus Flugzeugen nach Flammen und Glutnestern Ausschau gehalten wurde. Immer wieder brachen auf kleineren Flächen Brände aus - und am Saurüsselkopf kämpften Hunderte Einsatzkräfte über viele Tage gegen ein Feuer, bei dem es sich laut Bayerns Agrarministerin Michaela Kaniber (CSU) um einen der größten Waldbrände der vergangenen Jahrzehnte handelte. Die jüngsten Niederschläge am Wochenende brachten in diesem Bereich dringend benötigte Entspannung.
Waldbesitzer fürchten Borkenkäfer-Wetter
Eigentlich waren die bayerischen Staatsforsten im April noch davon ausgegangen, dass die Bäume in ihren Wäldern so gut gegen Buchdrucker und Kupferstecher gewappnet sind wie seit Jahren nicht. Doch Anfang Mai schwärmten die Schädlinge bei trockenem Wetter und milden Temperaturen wieder aus - und je weniger Wasser den Bäumen zur Verfügung steht, desto anfälliger sind sie für den Borkenkäfer, der in den vergangenen Jahren zum Teil verheerende Schäden in den Wäldern angerichtet hat.
Der bayerische Bauernverband warnte schon Anfang Mai, dass vielerorts leere Bodenwasserspeicher vor allem Fichten bereits stark zusetzten – die Bäume könnten einen Befall dadurch nur bedingt abwehren: „Damit unterscheidet sich die Lage grundlegend vom Vorjahr.“
Entspannt sich die Lage jetzt?
Diese Woche sollen laut DWD immer wieder Schauer und Gewitter über Bayern ziehen - und neue Niederschläge bringen. Zumindest, was die Waldbrandgefahr angeht, ist in den kommenden Tagen daher nicht mit einer erneuten Verschärfung der Lage zu rechnen.
Um die Folgen der Trockenheit in der Landwirtschaft aufzufangen, wären aber längere, ergiebige Regenfälle nötig. „Starkregen hingegen wäre fatal“, sagte eine Bauernverbandssprecherin. „Die ausgetrockneten Böden könnten die Wassermassen nicht aufnehmen, was zu Erosion führen und den geschwächten Kulturen endgültig den Rest geben würde.“
Auch beim Grundwasser wird es mit einigen wenigen Regenfällen nicht getan sein: Die Grundwasserstände sinken in den Sommermonaten in vielen Bereichen Bayerns laut Landesamt für Umwelt (LfU) üblicherweise weiter ab. Sollten Sommer und Herbst wie schon Winter und Frühjahr weiter zu trocken ausfallen, rechnet das LfU „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ mit einer bayernweit anhaltenden Niedrigwassersituation im Grundwasser.