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Werder vor Leipzig: Boniface-Kilos und Rückhalt für Fritz

In Bremen ist die Angst vor einem erneuten Abstieg groß. Die überraschende Trainingsrückkehr von Boniface erfreut Trainer Thioune. Der in die Kritik geratene Sportchef Fritz bekommt Rückendeckung.

02.04.2026

Trainer Daniel Thioune von Werder Bremen. (Archivbild)Andreas Gora/dpa

Trainer Daniel Thioune von Werder Bremen. (Archivbild)Andreas Gora/dpa

© Andreas Gora/dpa

Daniel Thioune hat um Nachsicht mit dem überraschend ins Mannschaftstraining zurückgekehrten Victor Boniface gebeten. „Wir hätten uns natürlich auch gewünscht, dass er körperlich in einer besseren Verfassung ist“, wurde der 51 Jahre alte Coach von Werder Bremen zitiert. Der von Bayer 04 Leverkusen ausgeliehene Angreifer gilt als Fehlverpflichtung an der Weser.

„Wir sollten nicht den Fehler machen, ihn auf das zu reduzieren, was wir sehen, sondern wir sollten es vielleicht auch mal hervorheben, dass er die Bereitschaft signalisiert hat, wieder für uns Fußball spielen zu wollen“, sagte Thioune über den Nigerianer, der nach seiner individuellen Einheit zum Wochenbeginn schon wieder anteilig beim Mannschaftstraining mitmischt. „Uns war klar, dass er nicht in dem körperlichen Zustand sein kann, wie man es vielleicht auch erwarten dürfte“, sagte Thioune. 

Thioune freut sich auf „Kräftemessen“ mit RB

Werder verspricht sich von dem bislang enttäuschenden Angreifer keine großen Leistungsexplosionen, sondern eher eine Hilfe als Joker-Option im Abstiegskampf. Thioune schielt auf die Qualitäten von Boniface im Strafraum und mache sich keine Gedanken darüber, „ob er jetzt vielleicht das eine oder andere Kilo zu viel herumschleppt“.

Für das von Thioune ausgerufene „Kräftemessen“ mit Champions-League-Kandidat RB Leipzig steht Boniface noch nicht wieder zur Verfügung. Durch das Saison-Aus für Keke Topp (Kreuzbandriss) ist der Bedarf in der Offensive groß. Der zuletzt angeschlagene Angreifer Jovan Milosevic kann am Wochenende möglicherweise wieder für wenige Minuten mitwirken - mehr aber auch nicht. 

Victor Boniface ist anteilig zurück im Mannschaftstraining. (Archivbild)Carmen Jaspersen/dpa

Victor Boniface ist anteilig zurück im Mannschaftstraining. (Archivbild)Carmen Jaspersen/dpa

© Carmen Jaspersen/dpa

Filbry mit Rückendeckung für Fritz

Die Bremer kämpfen um den Verbleib in der Fußball-Bundesliga. Einige bislang nicht erfolgreiche Transfers wie der Boniface werden Profifußball-Geschäftsführer Clemens Fritz angelastet. 

Fans hatten vor einigen Monaten eine digitale Petition gestartet, die eine außerordentliche Mitgliederversammlung zur Bewertung der Amtsführung von Fritz zum Ziel hatte. Ein Antrag auf Einberufung braucht eine Mindestanzahl an Stimmen. Die überwiegend anonymisierte Online-Unterschriftensammlung ersetze jedoch nicht das satzungsgemäße Verfahren und bildet keine Grundlage für eine Einberufung, teilte der Club zuletzt mit.

Werder Bremens Vorsitzender der Geschäftsführung, Klaus Filbry (l), und Profifußball-Geschäftsführer Clemens Fritz. (Archivbild)---/dpa

Werder Bremens Vorsitzender der Geschäftsführung, Klaus Filbry (l), und Profifußball-Geschäftsführer Clemens Fritz. (Archivbild)---/dpa

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Werder-Boss Klaus Filbry stärkte Fritz erneut den Rücken. „Er ist meiner Meinung nach der richtige Mann an der richtigen Position, der die richtigen Schlüsse aus den Fehlern gezogen hat“, sagte der 59-Jährige der „Bild“. 

Weiter führte er aus: „Ich halte sehr viel von ihm, wir arbeiten sehr eng und gut zusammen. Er hat Fehler offen eingeräumt, Lösungsvorschläge präsentiert und viel reflektiert.“

Angst vor Abstieg groß

An der Weser ist die Angst vor einem erneuten Abstieg wie 2021 groß. Allerdings sagte Filbry, dass die Konsequenzen weniger folgenschwer als damals wären. „Ein möglicher Abstieg wäre finanziell nicht mit dem von vor fünf Jahren vergleichbar. Damals kam nämlich noch Corona hinzu. Wir müssten zwar Mindereinnahmen von 45 bis 50 Mio. Euro hinnehmen, würden die Auflagen der DFL aber problemlos erfüllen. Und wir wären immer noch so handlungsfähig, dass ein direkter Aufstieg möglich wäre. Trotzdem: Wir wollen die Klasse unbedingt halten“, sagte Filbry. 

Vor der Länderspielpause feierten die Bremer ein erkämpftes 1:0 bei Konkurrent Wolfsburg. Der Abstand des Tabellen-14. auf den Relegationsrang beträgt vier Punkte. Am Wochenende erwartet die Norddeutschen eine große Herausforderung mit dem Viertplatzierten Leipzig. Zudem kehrt Ex-Trainer Ole Werner zum ersten Mal ins Weserstadion zurück. 

Der seit Anfang Februar an der Weser beschäftigte Nach-Nachfolger von Werner, Thioune, feierte zuletzt drei Siege aus vier Partien. Filbry lobte den neuen Coach: „Er hat eine klare Ansprache und es geschafft, in die Köpfe der Spieler zu kommen. Ich sehe ihn auch perspektivisch bei Werder Bremen.“ Ob dies auch in der 2. Liga gelte, antwortete der Werder-Boss der „Bild“: „Ich gehe vom Erstliga-Verbleib aus. Dann wird er unser Trainer sein.“