Wer ist Hendrik Holt? Ein Ermittler berichtet
Der Windkraftbetrüger ist auf der Flucht, seitdem er von einem Gefängnisausgang nicht zurückkehrte. Ein Ermittler begleitet ihn schon mehrere Jahre.
Entspannt oder angespannt? Hendrik Holt ist auf der Flucht. (Archivbild)Friso Gentsch/dpa
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Der Windkraftbetrüger Hendrik Holt hält seit seiner Flucht aus dem Gefängnis vor mehr als einer Woche wieder Ermittler und Medien auf Trab. Seit Tagen geht es darum, wo sich der Flüchtige aufhält. Holt kehrte Ende August von einem genehmigten Ausgang nicht mehr in die Justizvollzugsanstalt in Berlin zurück. Doch: Wer ist der Mensch hinter dem Betrüger?
Der Osnabrücker Oberstaatsanwalt Nils Leimbrock kann dazu ein bisschen berichten. Er hat Hendrik Holt bereits einmal ins Gefängnis gebracht und ist auch nun wieder der leitende Ermittler bei der Fahndung nach ihm. Holt sei für ihn ein durchaus intelligenter Mann, sagt Leimbrock. Er habe ein gutes Gespür dafür, was sein Gegenüber hören wolle, und könne sodann exakt das abliefern.
Der Oberstaatsanwalt betont, er sei kein Psychologe. Aber der Ermittler ist überzeugt, dass der Flüchtige „Gefallen an dem Licht der Öffentlichkeit gefunden“ hat. Ein Umstand, der laut Leimbrock zur erneuten Ergreifung Holts führen könnte.
Nach Freigang nicht zurückgekehrt
Holt teilte einen Tag nach seiner Flucht Ende August sein Verschwinden den Behörden per Mail mit. Oberstaatsanwalt Leimbrock sagt dazu jetzt: „Seine Abschiedsnachricht war kein direkter Fehdehandschuh. Aber motivationsmindernd war seine Nachricht sicherlich auch nicht.“
In Berlin war der Straftäter seit Oktober 2024 im offenen Vollzug. Nach ihm wird nun weltweit mit einem Europäischen Haftbefehl gefahndet. Nach jüngsten Angaben der Staatsanwaltschaft Osnabrück gibt es inzwischen „Erkenntnisse“ - doch nähere Angaben machen die Ermittler nicht.
Doku über Flüchtigen
Der aus dem emsländischen Haselünne stammende Holt wurde 2022 vom Landgericht Osnabrück zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von fast neun Jahren verurteilt. Es ging um bandenmäßigen Betrug, Bestechung und Urkundenfälschung.
Holt, über den es auch eine ARD-Doku gibt („Holt - Der Windkraft-Schwindler“), hatte unter anderem angeblich existierende Windparks an ausländische Stromkonzerne verkauft, die es in Wahrheit gar nicht gab. Zudem hatte er ausländische Diplomaten bestochen, um sich mit einem Diplomatenpass gegen deutsche Strafverfolger immun zu machen.
Der Osnabrücker Oberstaatsanwalt Nils Leimbrock ist der leitende Ermittler im Fall Hendrik Holt. (Handoutbild)Swaantje Hehmann/Staatsanwaltschaft Osnabrück/dpa
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„Absurde Ereignisse“
Überhaupt sei der Fall Holt gespickt mit „Ereignissen, die an Absurdität nicht zu überbieten waren“, sagt Oberstaatsanwalt Leimbrock. So sei Holt unter anderem auch Sponsor der Münchener Sicherheitskonferenz gewesen und habe ungehinderten Zugang zur Hochpolitik gehabt.
Die Fahndung nach Holt habe sich Anfang 2020 - vor dessen Festnahme und Verurteilung - zeitweise fast wie im Film angefühlt. Leimbrock erinnert sich: „Seinerzeit glich das Vorgehen gegen den dauerhaft reisenden Hendrik Holt der Jagd nach einem Phantom, das mal hier und mal sodann sofort wieder dort ist. Der erfolgreiche Zugriff vom 17. April 2020 war auch nicht der erste Versuch, ihm habhaft zu werden.“