Wer in Berlin die Sicherheit von Bäumen im Blick hat
Am Ostersonntag stürzte ein Baum in einem Wald bei Flensburg um und klemmte vier Menschen ein. Wer hat in Berlin die Bäume im Blick? Und wie sieht es in Brandenburger Wäldern aus?
Die Grünämter der Bezirke überprüfen die Bäume.Soeren Stache/dpa
© Soeren Stache/dpa
Immer wieder fallen Bäume um oder große Äste brechen ab - und treffen im schlimmsten Fall sogar Menschen. Erst am Ostersonntag starben drei Menschen in Schleswig-Holstein, als ein Baum bei starken Böen auf eine Gruppe fiel. Wer kümmert sich in Berlin um die Bäume und kontrolliert sie auf ihre Standfestigkeit? Wichtige Aspekte im Überblick.
Wer kontrolliert in Berlin die Bäume?
Im Stadtgebiet überprüfen die Grünämter der Bezirke die Bäume, wie die Sprecherin der Berliner Senatsverwaltung für Umwelt, Petra Nelken, erklärte. „Das findet regelmäßig statt“, sagte sie. In der Hauptstadt kontrollieren die Kräfte etwa Bäume an Straßen, Parkanlagen, Spiel- oder Sportplätzen. Das findet in den meisten Bezirken ein- bis zweimal im Jahr statt. So wird allein im Bezirk Neukölln laut eines Sprechers jeder der mehr als 20.000 Straßenbäume jährlich überprüft. Im Bezirk Mitte sind es den Angaben nach zwei Kontrollen pro Jahr - einmal ohne sowie einmal mit Laub.
In den Wäldern sind die Berliner Forsten zuständig. Wenn in der Nähe von Waldwegen Bäume gezielt gefällt oder Äste weggeräumt werden müssen, können dafür Wege gesperrt werden, so Sprecherin Nelken. Mitten im Wald jedoch dürften die Bäume umfallen. Das gehöre zum natürlichen Lebensweg dazu, erklärte sie. Diese bleiben dann meist auch liegen, da etwa Insekten und Pilze den Baum als Lebensraum nutzen.
Wie standfest sind die Bäume?
„Gesunde Bäume sind in der Regel standfest und widerstandsfähig gegen normalen Wind“, hieß es vom Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg. Allerdings können Faktoren wie etwa die Richtung und Stärke des Windes oder die Vitalität oder Pilzbefall dazu führen, dass Äste abbrechen oder gar ganze Bäume umfallen.
Aufgrund der Trockenheit der vergangenen Jahre seien viele Bäume geschwächt, teilte das Bezirksamt Mitte mit. „Den Bäumen ist eine fehlende Standsicherheit nicht immer anzusehen. Dafür sind regelmäßige Kontrollen erforderlich.“
Wie sehen die Baumarbeiten in der Stadt aus?
Bei den Baumpflegearbeiten werden etwa Fassaden freigeschnitten oder Schäden nach Stürmen und Unfällen beseitigt. Bei Schäden oder potenziellen Gefahren an den Bäumen werden entweder Teile des Baumes entfernt oder der Baum gänzlich gefällt.
Ein Arbeiter sägt einzelne Äste eines Baumes ab. Soeren Stache/dpa
© Soeren Stache/dpa
Wenn etwa Schäden festgestellt werden, die ein sofortiges Handeln nötig machen, werden die betreffenden Bäume umgehend gesperrt und zeitnah beschnitten oder gefällt, wie das Bezirksamt Pankow mitteilte.
Was muss man beachten, wenn man an Bäumen entlangläuft?
Generell reicht es bei Besuchen in Parkanlagen, die Alltagswachsamkeit walten zu lassen. Bei Unwettern sollten Menschen jedoch ihr Verhalten anpassen, da Bäume unvermittelt umstürzen oder Äste herabfallen können. „Parks und Grünanlagen sollten dann gemieden werden“, hieß es vom Bezirksamt Mitte.
Sind in Berlin schon mal Bäume umgefallen?
Vergangenen Sommer haben insbesondere schwere Stürme in den Wäldern schwere Schäden verursacht. Aber auch im Stadtgebiet fielen immer wieder Bäume um und verletzten dabei Menschen. So wurden vor zwei Jahren vier Menschen durch eine umgestürzte Roteiche in Berlin-Friedenau verletzt, darunter zwei Kleinkinder. Demnach wurde bei dem umgestürzten Baum ein Pilzbefall festgestellt.
Vergangenen Sommer haben in Berlin Stürme schwere Schäden verursacht. (Archivbild)Annette Riedl/dpa
© Annette Riedl/dpa
Ein Baumsturz im Berliner Grunewald, in dessen Folge im Oktober 2019 eine Frau starb, hatte lange die Justiz beschäftigt. Der zuständige Revierförster kam wegen des Vorwurfs der fahrlässigen Tötung vor Gericht. Er wurde im Dezember 2022 vom Landgericht Berlin im Berufungsprozess erneut freigesprochen. Auch in dem Fall war der Baum von einem Pilz befallen gewesen.
Wie ist die Lage in Brandenburg?
Am Park Sanssouci in Potsdam weisen feste Warnschilder Spaziergänger auf die Gefahr des Astbruchs hin. In der historischen Anlage sind laut Stiftung Preußische Schlösser und Gärten 80 Prozent der Gehölze als Folge des Klimawandels und der Trockenheit geschädigt. Hunderte Bäume sind bereits abgestorben.
Auch Drohnen sind in den Parkanlagen in Sanssouci, Babelsberg und im Neuen Garten in Potsdam im Einsatz, um den Zustand der Bäume verfolgen zu können, wie ein Sprecher der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berin-Brandenburg sagte. Zur Gefahr für Spaziergänger sagte er, es könne immer wieder passieren, dass Äste abgeworfen werden und Bäume umfallen. „Der Winter war extrem trocken, der Blattaustrieb ist noch schwach.“ Parkbesucher sollten sich auch nicht unter Bäumen aufhalten und auf den Wegen bleiben.
Und wie sieht es in den Wäldern aus?
Waldbesucher müssten mit einem gewissen Risiko leben, sagte der Experte beim Landesbetrieb Forst in Brandenburg, Raimund Engel. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs von 2012 müssten auch Waldbesitzer nicht für waldtypische Gefahren haften - etwa wenn ein Baum im Sturm umfällt. Ein morscher oder abgestorbener Baum oder auch Schlaglöcher auf Wegen seien waldtypische Gefahren, „auf die man sich einstellen muss, wenn man den Wald betritt“, so Engel.
Anders verhalte es sich aber, wenn Sitzbänke oder Schutzhütten aufgestellt werden und zusammenbrächen. Hier müsse dann der Waldbesitzer haften. Engel stellte auch klar, dass der Landesbetrieb den Zustand von Bäumen kontrolliere, aber ein gewisses Gefahrenpotenzial im Wald sich nie ganz ausschließen lasse.
Ein etwa 30 Meter hoher Baum war in einem Waldstück bei Flensburg bei starken Windböen auf eine Gruppe gestürzt. (Archivbild)Daniel Reinhardt/dpa
© Daniel Reinhardt/dpa