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Weniger Vorbereitungszeit: Sorge um Qualität in Kitas

Weniger Vor- und Nachbereitungszeit in Kitas sorgt für Kritik: Fachkräfte berichten von steigender Belastung und fehlender Zeit für Teamsitzungen und Konzepte.

30.08.2026

Wegen sinkender Kinderzahlen drohen Einschnitte bei den Kindertagesstätten auch in Sachsen (Archivbild). Sebastian Kahnert/dpa

Wegen sinkender Kinderzahlen drohen Einschnitte bei den Kindertagesstätten auch in Sachsen (Archivbild). Sebastian Kahnert/dpa

© Sebastian Kahnert/dpa

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) warnt vor einer Kürzung der Vor- und Nachbereitungszeit des Kita-Personals. Hintergrund ist der Rückgang der Kinderzahlen in den Kindertagesstätten des Freistaates. Nach dem derzeitigen Stufenmodell hat eine Fachkraft bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von mindestens 34 Stunden Anspruch auf zwei Stunden Zeit für Vor- und Nachbereitung. Das trifft auf mehr als die Hälfte der Erzieherinnen und Erzieher zu. Bei mindestens 22 Stunden Wochenarbeitszeit ist es eine Stunde, bei weniger gibt es diese Möglichkeit gar nicht.

GEW: Belastung des Personals steigt, Qualität der Betreuung sinkt 

„Es gibt nun ganz viele Fachkräfte, die durch den Rückgang der Kinderzahlen in reduzierter Teilzeit arbeiten müssen. Damit sinken auch die Stunden für die Vor- und Nachbereitungszeit oder fallen ganz weg“, erklärte GEW-Chef Burkhard Naumann. Er hält das für fatal, weil damit nicht nur die Belastung der Kolleginnen und Kollegen steigt, sondern auch die Qualität der Betreuung sinkt. Bislang habe man Teamsitzungen, Elternarbeit oder auch die Beantwortung von E-Mails in der Vor- und Nachbereitungszeit erledigen können. Jetzt müsse das bei einem Wegfall während der Betreuungszeit geschehen. 

Burkhard Naumann, Vorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in Sachsen, warnt vor einer Kürzung und einem Wegfall der Vor- und Nachbereitungszeit in Kindertagesstätten (Archivbild). Robert Michael/dpa

Burkhard Naumann, Vorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in Sachsen, warnt vor einer Kürzung und einem Wegfall der Vor- und Nachbereitungszeit in Kindertagesstätten (Archivbild). Robert Michael/dpa

© Robert Michael/dpa

„Das ist gerade eines der Hauptprobleme in den Kitas“, sagte Naumann der Deutschen Presse-Agentur und verwies auf entsprechende Rückmeldungen aus den Einrichtungen. „Wann sollen die Leute dort eigentlich noch ihre Teamsitzung machen und Konzepte schreiben?“ Am Ende fehle Zeit für die unmittelbare Arbeit mit den Kindern. Gleiches gelte für die Aufgabe, den neuen sächsischen Erziehungs- und Bildungsplan umzusetzen. Er soll zwar zum 1. Januar 2027 in Kraft treten, doch seine Überführung in die Praxis sei in der Kürze der Zeit und bei der Belastung der Fachkräfte nicht umsetzbar. 

GEW zweifelt an Umsetzung des Erziehungs- und Bildungsplanes

„Wir sehen da ein massives Problem. Der Plan mag wunderschön sein, doch wenn er mangels Zeit und Ressourcen in der Schublade bleibt, bringt er nichts. Wann sollen sich die Erzieherinnen und Erzieher damit beschäftigen?“, fragte der Gewerkschafter. Zu den Qualitätskriterien einer Kita gehöre, die Betreuung nicht nur abzudecken, sondern tatsächlich in der Arbeit mit den Kindern.

Ostdeutsche Belange bei Kita-Gesetz des Bundes wenig beachtet

Naumann äußerte sich auch zu den Kita-Plänen des Bundes. Konkret geht es um den Entwurf des Kita-Startchancen- und Qualitätsentwicklungsgesetzes. Er legt unter anderem den Fokus auf frühkindliche Bildung, Sprachtests für alle Vierjährigen und eine Förderung auf Basis sozialer Faktoren. Der GEW-Chef sieht jedoch die besonderen Belange der Kindertagesstätten in Ostdeutschland mit zurückgehenden Kinderzahlen zu wenig berücksichtigt. Kitas im Osten hätten in der Regel weniger Schließtage, längere Öffnungszeiten und bei Kindern unter drei Jahren bereits die höchsten Betreuungsquoten bundesweit. 

Ostdeutschland droht Abwanderung von Kita-Personal

Parallel zum drohenden Abbau der Strukturen verschärfe sich damit der Wettbewerb um qualifiziertes Fachpersonal, betonte Naumann. Es drohe eine Abwanderung aus dem Osten in den Westen. Dabei sei die Betreuungsrelation in ostdeutschen Kindertagesstätten schon heute schlechter. Sie beschreibt, wie viele Kinder eine Fachkraft tatsächlich betreut. In sächsischen Krippen sind es 5,4 Kinder pro Erzieherin, in den Kindergärten 11,3. Sachsen habe damit im Bundesvergleich den vorletzten Platz. Die Experten der Bertelsmann Stiftung empfehlen eine Betreuungsrelation von 1 zu 3 beziehungsweise 1 zu 7,5. 

Geld nach einem Sozialindex zu verteilen - also dort mehr Mittel auszugeben, wo der Personalbedarf aufgrund der sozialen Konstellation höher ist - ist nach Ansicht von Burkhard Naumann richtig: „Aber nur, wenn man das Geld bei anderen Einrichtungen nicht kürzt.“ Wenn der Bund den Sozialindex wolle, müsse er auch die zusätzlichen Mittel dafür bereitstellen.