dpa

Weniger Montage: Handwerk profitiert von Heimatnähe

Früher mussten sächsische Handwerksbetriebe ihre Leute häufig „auf Montage“ schicken. Doch die Aufträge fernab des Firmensitzes sind stark zurückgegangen.

27.08.2026

Das sächsische Handwerk erzielt den Großteil seiner Umsätze in einem Umkreis von 50 Kilometern vom Firmensitz entfernt. (Symbolbild)Robert Michael/dpa

Das sächsische Handwerk erzielt den Großteil seiner Umsätze in einem Umkreis von 50 Kilometern vom Firmensitz entfernt. (Symbolbild)Robert Michael/dpa

© Robert Michael/dpa

Sachsens Handwerksbetriebe erwirtschaften den Großteil ihres Umsatzes in heimischen Gefilden. Nach Angaben des Handwerkstages werden knapp 85 Prozent der Umsätze in einem Umkreis von 50 Kilometern erzielt. Das sei eine deutliche Verschiebung im Vergleich zum Jahr 2013. Da waren es nur 67,6 Prozent. Aufträge aus dem Ausland spielen mit 0,8 Prozent so gut wie keine Rolle. 

Arbeit „auf Montage“ wird weniger 

„Früher mussten die Unternehmen auch Aufträge in ferneren Regionen annehmen, um ihre Kapazitäten auszulasten und wirtschaftlich zu überleben – Stichwort Montage. Heute ist das immer seltener der Fall“, betonte Andreas Brzezinski, Sprecher des Geschäftsführerkollegiums des Sächsischen Handwerkstages. Nur noch 4,5 Prozent der Umsätze im Gesamthandwerk würden in einem Umkreis ab 150 Kilometern und mehr erlöst. 

Im Werben um Fachkräfte sei das ein Vorteil für die Betriebe, machte Brzezinski geltend. „Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie spielt im Handwerk eine zunehmend wichtige Rolle. Da ist es positiv, wenn man wegen der Montagearbeit nicht eine Woche von zu Hause getrennt ist.“ 

Immer mehr private Auftraggeber 

Nach Angaben des Handwerkstages gab es in den vergangenen Jahren auch eine Verschiebung bei der Umsatzverteilung. Hauptabnehmer von handwerklichen Leistungen sind demnach private Auftraggeber, mit denen die Betriebe im Jahr 2025 gut 61 Prozent ihrer Umsätze erzielten. 2013 waren es nur 40,6 Prozent. Öffentliche Auftraggeber haben weiter an Boden verloren. Ihr Anteil liegt aktuell bei nur 7,4 Prozent (2013: 13,8 Prozent). 

Handwerkstag kritisiert Vergabepolitik der öffentlichen Hand 

„Das ist auch ein Ergebnis einer fehlgeleiteten Vergabepolitik der öffentlichen Hand, wo fast immer der billigste Anbieter den Auftrag erhalten hat. Das hat die Unternehmen mürbe gemacht“, kommentierte Brzezinski die Zahlen. Besonders in ländlichen Regionen, die vor großen demografischen Herausforderungen stünden, wirke sich die Verschiebung in Richtung Privatkunden nachteilig aus. „Viele Betriebe fragen sich, ob ihr Geschäftsmodell in zehn Jahren bei einer immer älter werdenden Gesellschaft noch trägt.“ 

Handwerk hofft auf Aufträge aus dem Sondervermögen des Bundes 

Mit dem Sondervermögen müssten die Kommunen gegenhalten und in den kommenden Jahren erhebliche Investitionen anschieben, erklärte Brzezinski: „Die Erwartung der Handwerksbetriebe ist, dass sie mit auskömmlichen Preisen zum Zuge kommen. In Form von Wertschöpfung, Gewerbesteuern und Spenden für Vereine und Feste fließe das Geld in die Regionen wieder zurück. 

Der Sächsische Handwerkstag vertritt mehr als 54.000 Handwerksbetriebe, in denen etwa 280.000 Menschen beschäftigt sind. Sie erwirtschafteten im vergangenen Jahr einen Umsatz von knapp 36 Milliarden Euro.