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Weinlese in Sachsen geht so früh wie nie zu Ende

Die Weinlese im Freistaat endet früher als im Vorjahr. Es könnte in diesem Jahr sogar Eiswein geben.

08.10.2026

In Sachsen geht die Weinlese zu Ende. (Archivbild) Katharina Kausche/dpa

In Sachsen geht die Weinlese zu Ende. (Archivbild) Katharina Kausche/dpa

© Katharina Kausche/dpa

Die Weinlese in Sachsen geht langsam zu Ende. Auf dem Staatsweingut Schloss Wackerbarth in Radebeul ist die Hauptlese Ende der Woche aller Voraussicht nach abgeschlossen - und damit zwei Wochen früher als im vergangenen Jahr. „Aktuell lesen wir noch selektiv per Hand die Trauben“, so Sprecher Martin Junge - etwa für den Spätburgunder- und Blaufränkisch-Reben sowie die letzten Riesling-Trauben.

Weinbauverband: Weinlese immer früher

Der Weinbauverband stuft die diesjährige Ernte als früheste Lese seit Beginn der Aufzeichnungen ein. „Der Großteil der Betriebe ist Ende September mit der Lese durch gewesen“, sagte der Vorstandsvorsitzende Felix Hößelbarth. 

Nach seiner Beobachtung verschiebt sich der Vegetationszyklus immer weiter nach vorn. Als er vor 18 Jahren im Weinbau in Sachsen begonnen habe, sei die Lese Ende Oktober zu Ende gegangen: „Es hat sich in nicht mal 20 Jahren vier Wochen nach vorne verschoben.“

Auf den Flächen von Schloss Wackerbarth werden seit dem 20. August die weißen und roten Trauben gelesen. Mit Qualität und Erntemenge zeigte sich das Weingut zufrieden. Die Erntemenge liegt demnach auf einem ähnlichen Niveau wie im langjährigen Durchschnitt. 

Das Weinjahr sei geprägt gewesen von einem Sommer mit langanhaltender Trockenheit und Hitze. Erfahrungen aus vorigen trockenen Jahren habe bei der Bewirtschaftung geholfen, so Junge. So wurden etwa Junganlagen gezielt bewässert, der Boden wurde entsprechend bearbeitet. 

Wetter hat mitgespielt während der Ernte

Während der Ernte habe das Wetter mitgespielt, so Junge von Schloss Wackerbarth. Das Weingut freue sich über gesunde Trauben mit guten Mostgewichten, hieß es. „Dank warmer Tage und kühler Nächte blieb die Säure in unseren Trauben gut erhalten.“ 

Auch Winzer Karl Friedrich Aust vom gleichnamigen Weingut in Radebeul spricht von einem „traumhaften Herbst“. Etwa zehn Prozent mehr Trauben als im Vorjahr wurden auf seinen Anbauflächen gelesen. Das liege auch daran, dass einige Junganlagen das erste Mal Erträge gebracht hätten. Die Qualität sei hervorragend, nun gehe es darum, die Weine im Keller behutsam auszubauen.

Sachsenweit geringere Mengen als im Vorjahr 

Der 2026er Jahrgang sei von der Qualität top, bestätigte auch Hößelbarth vom Weinbauverband. „Gesunde, reife, aromatische Trauben“ hätten die Winzer aus den Weinbergen holen können. 

Gemessen an der Menge sei es für sächsische Verhältnisse aber eher eine mittlere Ernte, sagte der Verbandschef. Die Winzer werden demnach ungefähr 2,3 Millionen bis 2,5 Millionen Liter Wein produzieren. Das seien etwa 20 Prozent weniger als im sehr guten Jahr 2025 mit rund 2,9 Millionen Liter. „Kleine Quantität, dafür aber gute Qualität“, bilanzierte Hößelbarth.

Klimawandel als Chance? 

Für das Weinland Sachsen könnte der Klimawandel für die Erzeugung von erstklassigen Weinen und für eine Erweiterung des Anbaugebietes von Vorteil sein, sagte Winzer Aust. Zum einen können neue Rebsorten angebaut werden, zum anderen gebe es etwa Rotweine von einer Qualität, die früher undenkbar gewesen wäre. Etwa 30 Prozent seiner Weine seien mittlerweile Rotweine. 

Viele Winzer seien zeitgleich Gastgeber, betonte Aust. Ein Besuch bei den zahlreichen Besenschänken und Weingütern lohne daher vor allem im „goldenen Herbst.“ Aust verwies auf steigende Gästezahlen und Besucher etwa aus Australien, Kanada und Amerika. 

Weinkonsum geht zurück

Die Weinbranche verspürt in Sachsen ebenso wie bundesweit eine Kaufzurückhaltung der Menschen. „Es gibt einen generellen Rückgang beim Weinkonsum“, berichtete Verbandschef Hößelbarth. Zudem griffen die Menschen eher zu günstigeren Anbietern. 

Eine Ausnahme seien allerdings Veranstaltungen. „Alles, was es an Weinfesten gibt, an Veranstaltungen - dort wird nach wie vor nicht aufs Geld geschaut, dort wird konsumiert“, sagte Hößelbarth. Für die sächsischen Winzer bedeute dies, dass der Direktabsatz möglichst ausgebaut werden sollte.

Klappt es wieder mit dem Eiswein?

In diesem Jahr könnte es auch mal wieder Eiswein geben: Auf einer Fläche von rund 2.000 Quadratmetern an rund 1.000 Traminer-Rebstöcken sind bei Schloss Wackerbarth die Trauben noch nicht gelesen. „Nun hoffen wir darauf, dass Petrus uns in den kommenden Wochen gewogen ist, damit wir diese Trauben als Eiswein ernten können“, so Junge. 

Eiswein gilt bei Weinkennern als Rarität. Für seine Herstellung ist Kälte von mindestens minus sieben Grad die Voraussetzung. Die gefrorenen Trauben werden geborgen und umgehend ausgepresst. Das Ergebnis ist ein hochwertiger, edelsüßer Wein.

Wein auf rund 500 Hektar Fläche

Von den 13 deutschen Weinregionen ist das Weinanbaugebiet Sachsen eines der kleinsten. Die Weinregion erstreckt sich an der Elbe von Pirna über Dresden, Radebeul und Meißen bis Diesbar-Seußlitz nordwestlich von Meißen. 

In Sachsen wird auf etwa 500 Hektar Wein angebaut - hauptsächlich Weißwein. Knapp 20 Prozent der Fläche sind Rotweinen vorbehalten. Die Hauptrebsorten sind Müller-Thurgau, Riesling, Weißburgunder, Grauburgunder, Traminer, Spätburgunder und Dornfelder.