Weihnachtsmarkt-Anschlag: Weitere Gutachten zu Betroffenen
Der Anschlag auf dem Weihnachtsmarkt kostete sechs Menschen das Leben, mehr als 300 wurden verletzt. Mit der Hilfe von Gutachtern geht das Gericht den psychischen Folgen bei Betroffenen nach.
Justizbeamte führen den Angeklagten in den Gerichtssaal des temporären Gerichtsgebäudes vom Landgericht Magdeburg.Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
© Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
Sie sahen das Auto über den Weihnachtsmarkt fahren, erlebten chaotische Szenen mit Schreien, sahen Verletzte und versuchten zu helfen: Im Prozess zum Anschlag auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt lässt sich das Landgericht Magdeburg weitere psychiatrische Gutachten zu Betroffenen vortragen, die nicht direkt körperlich verletzt worden sind.
Konkret sollen Sachverständige in den Einzelfällen einschätzen, ob das Erlebte auch zu körperlichen Folgen geführt hat. Dem Landgericht soll das bei der Bewertung helfen, ob die Fälle juristisch als Körperverletzung zu werten sind. Die Betroffenen hatten zumeist auch schon als Zeugen vor Gericht ausgesagt.
Angst, Panikattacken, Schlafstörungen
Die Gutachter stellten bei Betroffenen posttraumatische Belastungsstörungen fest, die sich auch körperlich bemerkbar machten, etwa mit Angst und Panikattacken, Herzrasen, Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen oder erhöhter Schreckhaftigkeit. Vielen Betroffenen machten Knall-, Auto- oder Sirenengeräusche zu schaffen. Nahezu alle versuchen inzwischen, Situationen mit großen Menschenmengen zu vermeiden.
Die Tat traf einige Menschen, die schon zuvor aus unterschiedlichen Gründen in psychotherapeutischer Behandlung waren und deren Situation sich nach dem Anschlag erheblich verschlechterte. Andere hatten zuvor nie professionelle Hilfe benötigt.
Gutachten noch über mehrere Verhandlungstage
Der Vortrag weiterer Gutachten wird noch mehrere Verhandlungstage in Anspruch nehmen. Am Donnerstag wird der Prozess fortgesetzt. Insgesamt sind Termine bis in den Juni hinein angesetzt.
In der Folge des Anschlags vom 20. Dezember 2024 starben fünf Frauen und ein neunjähriger Junge. Mehr als 300 Menschen wurden teils schwerst verletzt.
Laut Anklage der Generalstaatsanwaltschaft Naumburg lenkte der damals 50 Jahre alte Taleb Al-Abdulmohsen einen mehr als zwei Tonnen schweren und 340 PS starken Wagen etwa 350 Meter weit über den Weihnachtsmarkt. Er soll mit bis zu 48 Kilometern pro Stunde unterwegs gewesen sein. Die Anklage wirft Taleb Al-Abdulmohsen unter anderem sechsfachen Mord und versuchten Mord in 338 Fällen vor.