dpa

Waschsalons im Wandel: Wie sie heute Kunden locken

Waschsalons sind aus vielen Städten nicht wegzudenken. Doch sie haben sich in den vergangenen Jahrzehnten gewandelt. Mancher Betreiber expandiert.

28.09.2026

Mehrere Waschmaschinen stehen in einer Reihe in einem Waschsalon in der Leipziger Karl-Liebknecht-Straße. Jan Woitas/dpa

Mehrere Waschmaschinen stehen in einer Reihe in einem Waschsalon in der Leipziger Karl-Liebknecht-Straße. Jan Woitas/dpa

© Jan Woitas/dpa

Studenten und Monteure, Großmütter mit Bettwäsche, Friseure mit Handtüchern, Hausmeister mit Arbeitskleidung: In den Leipziger Waschsalons von Marcus Kober treffen ganz unterschiedliche Menschen aufeinander. Eines haben sie gemeinsam: Sie wollen ihre Wäsche schnell erledigen. Maschine beladen, Programm wählen - nach rund einer Stunde soll alles sauber und getrocknet sein.

„Zeit ist der wichtigste Faktor“, erläutert Kober. Das Bild vom Waschsalon als Ort, an dem man lange sitzt und einen Kaffee trinkt, sei veraltet. „Gefragt sind schnelle Maschinen und eine unkomplizierte Bedienung.“ 

Fünf Waschsalons betreibt Kober unter der Marke Snowball in Leipzig, eine Expansion nach Sachsen-Anhalt ist geplant. Ein einfacher Waschgang liege in seinen Salons bei rund fünf Euro. Die Nachfrage steige, erklärt er. Doch warum auf eine eigene Waschmaschine verzichten und den Weg in den Salon auf sich nehmen? Gründe seien unter anderem wenig Platz in der Wohnung, die Kosten für die Anschaffung einer eigenen Maschine und mehr Flexibilität bei Umzügen.

Marcus Kober betreibt fünf Waschsalons in Leipzig und will nun nach Sachsen-Anhalt expandieren. Jan Woitas/dpa

Marcus Kober betreibt fünf Waschsalons in Leipzig und will nun nach Sachsen-Anhalt expandieren. Jan Woitas/dpa

© Jan Woitas/dpa

Große Waschmaschinen für Bettzeug und Co

In Chemnitz erlebt Rosemarie Weidauer Beständigkeit: Ihre Kundschaft sei über die Jahre erstaunlich treu geblieben, berichtet sie. Seit 1991 gibt es ihr Wasch-Center, umgeben von großen Wohnblöcken mitten in der Stadt, mit 21 Waschmaschinen und acht Trocknern. Stammkunden kämen, dazu Laufkundschaft bei Kulturevents oder nahegelegenen Motorradtreffen. 

„Großveranstaltungen machen sich deutlich bemerkbar“, erzählt Weidauer. In Chemnitz mischt sich moderne Technik mit traditionellen Gewohnheiten. „Wir sind Erzgebirgsrand, da wird noch gemangelt und das bieten wir auch an. Ebenso einen Oberhemdendienst.“ Jetzt beginne die „Bettenzeit“ - dafür werden die bis zu 15 Kilogramm fassenden Maschinen besonders gebraucht. Bettwäsche, große Wäschestücke, mehrere Maschinen auf einmal - dafür kommen auch Kunden, die zu Hause zwar eine Waschmaschine haben, mit einer solchen Menge aber an Grenzen stoßen.

Waschsalon als Treff - „Wir reden über alles Mögliche“

Einen festen Waschtag in der Woche hat Peter Krauß. Seine Wohnung liegt wenige Minuten Fußweg vom Chemnitzer Wasch-Center entfernt. Er schätze die Kontakte zu anderen Nutzern, sagt er. „Wir reden über alles Mögliche.“ 

Vor fünf Jahren hat er sich gegen die Anschaffung einer eigenen Maschine entschieden. „Die neuen Geräte gehen schneller kaputt als früher, die Reparatur ist teuer“, sagt Krauß und erzählt von einer langen Tradition beim gemeinschaftlichen Wäschewaschen in Chemnitz. Schon in der DDR habe es in der Stadt das Dienstleistungskombinat „Fix“ gegeben. „Dort konnte man seine Schmutzwäsche abgeben.“ Dagegen sei der klassische SB-Waschsalon in Ostdeutschland vor 1990 weit weniger verbreitet gewesen, ergänzt Rosemarie Weidauer. 

Dank großer Maschinen können Nutzer in Waschsalons auch größere Wäscheberge in kurzer Zeit bewältigen. Jan Woitas/dpa

Dank großer Maschinen können Nutzer in Waschsalons auch größere Wäscheberge in kurzer Zeit bewältigen. Jan Woitas/dpa

© Jan Woitas/dpa

Waschsalons locken neue Kundengruppen 

Im Bautzener Waschsalon von Mark-Archie Lehmann erwarten die Kundschaft inzwischen neueste Technik und individuelle Waschangebote, erläutert der Betreiber. Früher seien vor allem Monteure und Singles gekommen, inzwischen nutzten zunehmend Familien die großen Maschinen. Teppiche, Auflagen von Sonnenliegen sowie Tierdecken gehörten zum Alltag. Dafür stehen Maschinen mit größerem Fassungsvermögen bereit, darunter eine spezielle Maschine für Pferdedecken und Hundesachen. Auch die Ausstattung habe sich weiterentwickelt. Kunden könnten bargeldlos bezahlen, Programme per Touchscreen wählen und Wasch-, Hygiene- oder Imprägniermittel dazubuchen. Eine normale Wäsche inklusive Waschmittel koste rund sechs Euro. 

Laut Lehmann werden Waschsalons auch als praktische Zwischenstation genutzt: Nach dem Urlaub verteilten Familien ihre Wäsche auf mehrere Maschinen, gingen in der Zwischenzeit in die Stadt und fahren anschließend mit sauberer Wäsche weiter. „Zu Hause wären sie mehrere Tage beschäftigt.“ Die Preise seien der Hauptgrund, warum Waschsalons funktionieren: „Wir haben dieselbe Technik wie eine Textilreinigung oder Wäscherei, aber wir sparen die Personalkosten.“ Dadurch sei sein Waschsalon für neue private Kunden, aber auch für Kleingewerbe wie Friseursalons interessant geworden.

Waschsalons bleiben energieintensive Branche

Für die Betreiber bleibt das Geschäft eine Herausforderung, erklärt Marcus Kober. Dazu verweist er auf hohe Kosten für Strom und Gas. Und die Kunden schauen aufs Geld. Weniger von ihnen nutzten Trockner und nähmen stattdessen ihre Wäsche nass wieder mit. Auch die Öffnung an Sonn- und Feiertagen sei für Betreiber schwer zu handhaben, sagt Kober. „Mir wurden hohe Strafen angedroht, wenn ich meine Salons sonntags öffne, in anderen Bundesländern ist das erlaubt. Besonders Pendler und Monteure bräuchten den Sonntag.“

Mancher Betreiber von Waschsalons expandiert und öffnet neue Filialen wie hier in Leipzig. Jan Woitas/dpa

Mancher Betreiber von Waschsalons expandiert und öffnet neue Filialen wie hier in Leipzig. Jan Woitas/dpa

© Jan Woitas/dpa

Die Probleme mit den Öffnungsregeln der Waschsalons seien bekannt, erklärt das Wirtschaftsministerium in Dresden auf Nachfrage. Minister Dirk Panter (SPD) hätten mehrere Zuschriften von Betreibern erreicht. Er wolle sich für eine Änderung und eine „pragmatische Lösung“ einsetzen. „Die ungleich geregelten Öffnungszeiten von Waschsalons und Autowaschstraßen sind nicht mehr lebensnah“, zitiert ihn das Ministerium.

Die Zahl der Unternehmen im Bereich „Wäscherei und chemische Reinigung“ ist in Sachsen zurückgegangen. Laut Statistischem Landesamt gab es 2024 insgesamt 160 Einheiten in diesem Wirtschaftszweig, 2019 waren es 209 und 2014 noch 248. Die Statistik umfasst aber nicht nur Waschsalons, sondern auch klassische Wäschereien und Textilreinigungen. Eine separate Zahl für SB-Waschsalons lässt sich nicht ableiten.

Unternehmer Marcus Kober ärgert, dass Waschsalons in Sachsen sonntags nicht öffnen dürfen.Jan Woitas/dpa

Unternehmer Marcus Kober ärgert, dass Waschsalons in Sachsen sonntags nicht öffnen dürfen.Jan Woitas/dpa

© Jan Woitas/dpa