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Neue Regeln, alte Probleme: Das ist zum Schulstart wichtig

Gut sechs Wochen hatten die Schülerinnen und Schüler im Südwesten Sommerferien, jetzt geht es bald wieder zurück ins Klassenzimmer. Was ändert sich zum neuen Schuljahr und welche Baustellen bleiben?

10.09.2026

Am Montag kehrt in den Klassenzimmern in Baden-Württemberg wieder Leben ein – dann startet das neue Schuljahr. (Archivbild)Marijan Murat/dpa

Am Montag kehrt in den Klassenzimmern in Baden-Württemberg wieder Leben ein – dann startet das neue Schuljahr. (Archivbild)Marijan Murat/dpa

© Marijan Murat/dpa

Für rund 1,5 Millionen Schülerinnen und Schüler und gut 140.000 Lehrkräfte gehen die Sommerferien zu Ende – am Montag müssen sie wieder zurück ins Klassenzimmer. Was ist zum Start ins neue Schuljahr wichtig? Ein Überblick über die größten Neuerungen und weiter bestehende Baustellen.

Anspruch auf Ganztagsbetreuung greift

Die größte Änderung im Vergleich zum Vorjahr betrifft die laut Schätzungen rund 110.000 Erstklässlerinnen und Erstklässler an den Grundschulen im Land. Sie – und ihre Eltern – haben ab diesem Jahr einen Rechtsanspruch auf eine ganztägige Betreuung. Mindestens acht Stunden sieht das entsprechende Gesetz vor. Der Anspruch gilt auch in den Ferien, mit Ausnahme von 20 Werktagen, an denen die Betreuung geschlossen sein darf. Gehen die Kinder auf keine Ganztagsschule, dann sind für die Nachmittagsbetreuung die Kommunen zuständig. Wie hoch Angebot und Nachfrage sind, ist noch nicht klar – Zahlen gibt es dazu bislang keine.

Die Bildungsgewerkschaft GEW sieht allerdings Nachbesserungsbedarf bei den Standards für die Betreuung. Es fehlten verbindliche Qualitätsstandards, monierte Landeschefin Monika Stein.

Juniorklassen starten

In der vergangenen Legislaturperiode hatte Grün-Schwarz einen millionenschweren Ausbau der Sprachförderung auf den Weg gebracht. Nun startet mit den Juniorklassen ein weiteres Element des Pakets zum neuen Schuljahr. Die Juniorklassen sind laut Kultusministerium ein der Grundschule vorgeschaltetes verpflichtendes Schuljahr für Kinder, die nicht ausreichend Deutsch sprechen oder andere Defizite bei ihrer Entwicklung haben. Die Politik erhofft sich von dem Modell, dass weniger Kinder in den Grundschulen starten, die eigentlich nicht dafür bereit sind. 

Zum neuen Schuljahr starten laut Ministerium rund 4.000 Kinder in etwa 280 solcher Klassen. Deren Zahl soll bis zum Schuljahr 2028/2029 auf landesweit 832 steigen, sodass das Angebot flächendeckend verfügbar ist. Dann wird der Besuch der Juniorklasse auch verpflichtend. Bis dahin entscheiden die Eltern, ob sie der Empfehlung folgen, dass ihr Kind eine Juniorklasse besuchen sollte.

Hitzefrei-Regeln werden überarbeitet

Bei der Hitzewelle im Sommer mussten Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte in den Klassenzimmern teils schwer schwitzen. Kultusminister Andreas Jung (CDU) kündigte deswegen schon Ende Juni an, die Regeln für Hitzefrei an den Schulen im Land überarbeiten zu wollen. Nach seiner Vorstellung sollen die Regeln auch verbindlicher werden. Schulen sollten etwa ab einer bestimmten Temperatur nicht nur Hitzefrei geben können, sondern sie sollten es dann auch tun. Zudem solle die ausschlaggebende Temperatur nicht mehr auf dem Schulhof, sondern im Klassenzimmer gemessen werden.

Wenn es im Sommer wieder heiß wird in den Klassenzimmern, sollen nach Willen des Ministeriums klarere Regeln gelten. (Archivbild)Bernd Weißbrod/dpa

Wenn es im Sommer wieder heiß wird in den Klassenzimmern, sollen nach Willen des Ministeriums klarere Regeln gelten. (Archivbild)Bernd Weißbrod/dpa

© Bernd Weißbrod/dpa

Ziel sei, dass bis zum nächsten Sommer landesweit mehr Klarheit und Verbindlichkeit geschaffen werde, sagte ein Ministeriumssprecher. Im Herbst sollten Schüler, Eltern, Ausbildungsbetriebe und Kommunen an den Überlegungen des Ministeriums beteiligt werden, hieß es. 

Lehrerversorgung

Fehlende Lehrkräfte bleiben auch in diesem Jahr ein Thema. Wenige Tage vor Beginn des neuen Schuljahrs in Baden-Württemberg sind nach Angaben des Kultusministeriums noch Hunderte Lehrerstellen nicht besetzt. Über alle Schularten hinweg seien noch 426 Stellen offen, sagte Kultusminister Andreas Jung (CDU) in Stuttgart. Man komme mit der Einstellung gut voran, habe dennoch aber eine angespannte Versorgung, so Jung. Probleme gebe es sowohl in einzelnen Regionen als auch im Bereich der Sonderpädagogik. Man sei im Ministerium aber zuversichtlich, dass die noch offenen Stellen bis zum Ende der Einstellungsphase im Oktober besetzt sein werden.

Im Vergleich zum vergangenen Jahr sind die Lücken an den Schulen zum Start allerdings deutlich kleiner. 2025 waren laut Kultusministerium kurz vor Schulstart noch 1.159 Stellen unbesetzt. Grund dafür war, dass kurz vor den Sommerferien bekannt wurde, dass 1.440 Lehrerstellen wegen eines Softwarefehlers wohl über Jahre unbemerkt unbesetzt blieben. Sie wurden dann zum neuen Schuljahr alle auf einen Schlag ausgeschrieben.

Kultusminister Andreas Jung (CDU) sieht die Unterrichtsversorgung in einigen Bereich als angespannt an. Bernd Weißbrod/dpa

Kultusminister Andreas Jung (CDU) sieht die Unterrichtsversorgung in einigen Bereich als angespannt an. Bernd Weißbrod/dpa

© Bernd Weißbrod/dpa

Sinkende Schülerleistungen

Auch die Leistungen der Schülerinnen und Schüler sind seit Jahren ein Dauerthema. Regelmäßig bescheinigen Studien einen weiteren Rückgang der Kompetenzen – erst vor wenigen Tagen die Pisa-Studie, bei der deutsche Schüler so schlecht abschnitten wie noch nie. Wie man diesen Trend umkehren kann, dürfte auch im neuen Schuljahr eine wichtige Frage bleiben. 

Jung macht vor allem der Rückgang der Bildungsgerechtigkeit Bauchschmerzen. „Es stellt sich die Frage, ob wir bei der Erfassung von Sprach- und Entwicklungsständen noch früher ansetzen und noch stärker kindgerecht fördern können als bislang im Schnitt mit 4,3 Jahren“, sagte Jung vor wenigen Tagen. In den ersten Jahren würden entscheidende Weichen gestellt. 

GEW-Chefin Stein sagte dagegen, das frühere Erfassen des Sprachstands alleine helfe nicht weiter. „Wenn ich Bedarfe feststelle durch irgendwelche Erfassungen, dann muss ich die richtigen Maßnahmen zur Verfügung stellen, dass das, was an Mangel oder Förderbedarf aufgefallen ist, auch aufgefangen werden kann.“ 

Der Philologenverband, der die Gymnasiallehrer im Land vertritt, warnte davor, die Debatte auf zurückgehende Basiskompetenzen zu verengen. Diese ließen sich in Test gut abbilden. Nicht gut abbilden ließen sich etwa kritisches Denken oder musische Bildung, sagte Vorstandsmitglied Cord Santelmann. Diese Dinge, um die es am Gymnasium auch gehe, würden bei den Erhebungen ausgeblendet.