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Was im Fall Scarlett belegt ist – und was nicht

Mehr als 640 Hinweise, aber keine Spur: Warum Scarletts Verschwinden im Südschwarzwald auch nach sechs Jahren so viele Fragen offenlässt.

16.09.2026

Vieles im Vermisstenfall Scarlett ist nicht belegt.Bernd Weißbrod/dpa

Vieles im Vermisstenfall Scarlett ist nicht belegt.Bernd Weißbrod/dpa

© Bernd Weißbrod/dpa

Sechs Jahre nach dem Verschwinden der Wanderin Scarlett Salice im Südschwarzwald gibt es einen neuen Suchansatz - und zugleich viel Skepsis. Ein privater Verein berichtet von einer Hundesuche im Wehratal, außerdem prüft die Polizei einen gefundenen Reißverschluss. Das Verschwinden der jungen Frau bleibt rätselhaft. Wenig ist sicher, vieles bleibt im Unklaren.

Was wir wissen 

- Scarlett Salice wollte am 10. September 2020 zur letzten Etappe ihrer Wanderung auf dem Schluchtensteig zwischen Todtmoos und Wehr aufbrechen. Sie stammt aus Bad Lippspringe (Ostwestfalen) und war damals 26 Jahre alt.

- Sie war alleine auf der rund 120 Kilometer langen Route von Stühlingen nach Wehr (Kreis Waldshut) unterwegs. Familie und Freunde hielt sie mit WhatsApp-Nachrichten auf dem Laufenden.

- Scarlett wurde an dem 10. September zuletzt nachweislich auf den Aufnahmen der Überwachungskamera eines Supermarkts in Todtmoos gesehen. Sie trug dabei unter anderem ihren roten Trekking-Rucksack und Wanderschuhe. 

- Bis 10.48 Uhr bestand noch Kontakt über WhatsApp und Videotelefonie; danach war die junge Frau nicht mehr zu erreichen und es verliert sich ihre Spur.

- Weil die erfahrene und gut durchtrainierte Scarlett nicht wie verabredet bei einer Freundin ankam, wurde sie als vermisst gemeldet.

- Eine großangelegte Suche unter anderem mit Polizei, Bergwacht, Feuerwehr, Hubschraubern, Drohnen und Hundestaffeln blieb ohne Ergebnis.

- Der Fall war Thema bei der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“ - auch dieser Versuch blieb erfolglos.

- Das Todesermittlungsverfahren wurde zweieinhalb Jahre nach dem Verschwinden eingestellt, weil es laut Polizei keine Hinweise auf eine Straftat gab. Der Vermisstenfall bleibt offen.

- Laut Polizei gehen weiterhin regelmäßig Hinweise ein. Im Schnitt sind es drei bis vier pro Monat, insgesamt mehr als 640.

- Der private Verein „Finderwille“ suchte am Wochenende mit rund einem Dutzend Spürhunden und berichtet, die Tiere hätten im Bereich des Wildensteinfelsens mehrfach angeschlagen - auf beiden Zugangswegen jeweils vor und hinter dem Wildensteinfelsen, der allerdings abseits des Schluchtensteigs liegt.

- Die Polizei äußert sich skeptisch zur Aussagekraft solcher Hunde-Hinweise nach so langer Zeit. Ein Polizeisprecher sagte, dass ihre speziell ausgebildeten Diensthunde nach so langer Zeit keinen Verwesungsgeruch mehr wahrnehmen könnten.

- Die Polizei untersucht einen gefundenen Reißverschluss: Die Kriminaltechnik prüft, ob er Teil von Scarletts Rucksacks sein könnte. Helfer beschafften einen identischen roten Rucksack als Vergleichsobjekt und übergaben ihn der Polizei. Öffentlich belegt ist bislang kein Fund von einem Gegenstand Scarletts.

- Das Gebiet um den markanten Wildensteinfelsen ist schwer zugänglich, teils nahezu alpin und geprägt von Felsstürzen und Rutschungen. Frühere Pfade sind zugewuchert, teils ist Kletterausrüstung nötig.

- Vor drei Jahren hat ForstBW in dem Gebiet am Felsen intensiv gearbeitet und etwa Bäume kontrolliert, um die Straße unterhalb zu sichern. Bei diesem Einsatz war Mitarbeitenden nach Angaben des Revierförsters nichts aufgefallen.

Was wir nicht wissen

- Seit dem Besuch im Supermarkt ist unklar, was Scarlett unternahm: Blieb sie auf der Route und wanderte Richtung Wehr, dem Etappenziel? Bog sie ab, um auf den Wildensteinfelsen zu steigen? Oder brach sie unterwegs die Wanderung ab, weil sie sich vielleicht verletzte?

- Völlig unklar ist, ob Scarlett etwa beim Wandern abgestürzt ist oder Opfer eines Verbrechens wurde. Es gibt laut Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft keine konkreten Hinweise auf eine Straftat oder einen Unfall.

- Eine Spur führt zu einem Parkplatz bei Wehr. Dort will eine Zeugin Scarlett bei einer Rast gesehen haben - unter anderem soll sie auf oder an einem Stein gesessen haben. Gesicherte Hinweise darauf hat die Polizei nicht. 

- Unklar ist noch, ob der gefundene Reißverschluss zu Scarletts Ausrüstung gehört. Laut Polizei soll es Wochen dauern, bis das Untersuchungsergebnis vorliegt. Sollte der Reißverschluss zum Rucksack Scarletts passen, will die Polizei die Suche wieder aufnehmen. 

- Nicht klar ist auch, worauf die Suchhunde des Vereins reagiert haben und ob eine solche Reaktion nach sechs Jahren verlässlich ist.

Zuletzt war die junge Frau auf den Aufnahmen einer Überwachungskamera eines Supermarkts in Todtmoos zu sehen.Bernd Weißbrod/dpa

Zuletzt war die junge Frau auf den Aufnahmen einer Überwachungskamera eines Supermarkts in Todtmoos zu sehen.Bernd Weißbrod/dpa

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Am Tag ihres Verschwindens wollte sie zur letzten Etappe ihrer Wanderung auf dem Schluchtensteig aufbrechen.Bernd Weißbrod/dpa

Am Tag ihres Verschwindens wollte sie zur letzten Etappe ihrer Wanderung auf dem Schluchtensteig aufbrechen.Bernd Weißbrod/dpa

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