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Warum mehr Kinder im Südwesten eine ADHS-Diagnose bekommen

Immer mehr junge Menschen bekommen im Südwesten eine ADHS-Diagnose. Woran das liegt - und warum Experten das gar nicht mal so negativ bewerten.

10.10.2026

Kinder mit ADHS können sich oft schlechter konzentrieren. (Symbolbild)Julian Stratenschulte/dpa

Kinder mit ADHS können sich oft schlechter konzentrieren. (Symbolbild)Julian Stratenschulte/dpa

© Julian Stratenschulte/dpa

Sie können sich teils schwer konzentrieren, sind hibbelig und impulsiv: Mehr Kinder in Baden-Württemberg sind zuletzt mit der psychischen Erkrankung ADHS diagnostiziert worden. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl der Neudiagnosen im Südwesten einer Auswertung der Krankenkasse DAK zufolge im Jahr 2024 um 11 Prozent an. Besonders Mädchen bekamen die Diagnose häufiger gestellt. Bei ihnen stieg die Zahl der Neudiagnosen sogar um 16 Prozent. 

Insgesamt wurden im Südwesten 2024 nach DAK-Angaben 5,3 Prozent aller Kinder und Jugendlichen zwischen 3 und 17 Jahre wegen einer ADHS-Diagnose medizinisch versorgt. Damit liegt der Südwesten ziemlich genau im bundesweiten Durchschnitt (5,23 Prozent). 

ADHS ist eine Aufmerksamkeitsdefizitstörung mit Hyperaktivität. Klassische Symptome sind nach Angaben der DAK eine leichte Ablenkbarkeit und anhaltende Konzentrationsprobleme, eine motorische Unruhe und ein übermäßiger Bewegungsdrang sowie eine Tendenz zu vorschnellem Handeln sowie einer geringen Frustrationstoleranz. Die Krankheit tritt demnach typischerweise im frühen Kindesalter auf und kann zu deutlichen Beeinträchtigungen in der Schule, in der Familie oder in anderen sozialen Situationen führen.

Experte: Mehr Diagnosen heißt nicht gleich mehr ADHS

Der Anstieg der Neudiagnosen ist nach Einschätzung von Experten aber nicht zwingend auf mehr Erkrankungen zurückzuführen. „Ärzte
sind heute sensibler, schauen genauer hin und denken früher an“, sagte Jan Steffen Jürgensen, medizinischer Vorstand am Klinikum Stuttgart. Je früher man mit der Behandlung beginne, desto besser könnten Betroffene lernen, mit der Erkrankung umzugehen. „Das Behandlungsspektrum ist heute viel breiter und medikamentöse Ansätze nicht vorrangig.“

Für die DAK-Sonderanalyse im Rahmen des Kinder- und Jugendreports untersuchte ein Wissenschaftsteam des Beratungs- und Datenanalyseunternehmens Vandage und der Universität Bielefeld Abrechnungsdaten von rund 86.800 Kindern und Jugendlichen bis einschließlich 17 Jahren, die bei der DAK-Gesundheit in Baden-Württemberg versichert sind.