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Warum manche Firmen in Sachsen-Anhalt Zölle gut wegstecken

Die US-Zollpolitik sorgt auch in Sachsen-Anhalt für Unsicherheit. Doch einige Unternehmen kommen bislang überraschend gut durch den Handelskonflikt. Warum sind manche Firmen widerstandsfähiger?

26.05.2026

Die US-Zollpolitik sorgt bei vielen exportorientierten Firmen im Land weiter für Unsicherheit. (Archivbild)Mark Schiefelbein/AP/dpa

Die US-Zollpolitik sorgt bei vielen exportorientierten Firmen im Land weiter für Unsicherheit. (Archivbild)Mark Schiefelbein/AP/dpa

© Mark Schiefelbein/AP/dpa

Trotz weiter hoher US-Zölle können einige Unternehmen aus Sachsen-Anhalt ihre Geschäfte in den Vereinigten Staaten bislang stabil halten. Wie die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) auf Anfrage mitteilte, profitieren vor allem Firmen mit spezialisierten Produkten davon, dass ihre Waren in den USA nur schwer ersetzbar sind.

Ein Beispiel dafür ist das Schraubenwerk Zerbst. Nach Angaben von Geschäftsführer Eckhard Schmidt blieb das USA-Geschäft des Unternehmens trotz der höheren Zölle bislang konstant. Rund acht Prozent des Umsatzes erzielt der Hersteller von Spezialschrauben in den USA. Die zusätzlichen Kosten würden vor allem von den Kunden in den Vereinigten Staaten getragen. Eine wichtige Rolle spiele dabei, dass die Bauteile spezialisiert und schwer ersetzbar seien.

Unsicherheit trotz Zolldeal

Spezialisierte Produkte helfen manchen Unternehmen aus Sachsen-Anhalt, trotz hoher US-Zölle stabile Geschäfte zu halten. (Archivbild) Jacquelyn Martin/AP/dpa

Spezialisierte Produkte helfen manchen Unternehmen aus Sachsen-Anhalt, trotz hoher US-Zölle stabile Geschäfte zu halten. (Archivbild) Jacquelyn Martin/AP/dpa

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Die Lage bleibt dennoch angespannt. Die Europäische Union und die USA hatten sich bereits im vergangenen Jahr grundsätzlich auf eine Obergrenze von 15 Prozent für die meisten EU-Exporte in die Vereinigten Staaten verständigt. Vertreter von EU-Kommission, Europaparlament und Mitgliedstaaten einigten sich nun darauf, wie die Zusagen aus dem sogenannten Turnberry-Deal umgesetzt werden sollen.

Gerade für exportorientierte Unternehmen in Sachsen-Anhalt sorgt die US-Zollpolitik weiter für Verunsicherung. „Die unberechenbare Zollpolitik der USA sorgt für erhebliche Verunsicherungen bei unseren US-aktiven Unternehmen“, sagte Birgit Stodtko, Geschäftsführerin International der IHK Halle-Dessau.

Besonders betroffen seien chemische und pharmazeutische Erzeugnisse sowie Maschinen und Metallerzeugnisse. Auch für Automobilzulieferer bleibe die Lage wegen möglicher weiterer US-Zölle angespannt.

Manche Unternehmen profitieren sogar

Gleichzeitig zeigt sich in Sachsen-Anhalt bislang ein differenziertes Bild. „Bundesweit sind die Exporte in die USA 2025 drastisch eingebrochen. In Sachsen-Anhalt gab es diese Entwicklung glücklicherweise nicht“, erklärte Stodtko.

Nicht alle Unternehmen leiden gleichermaßen unter den Zöllen. Nach Angaben der IHK können einzelne Firmen ihre Geschäfte in den USA trotz höherer Abgaben nicht nur stabil halten, sondern sogar ausbauen. Der Süßwarenhersteller Halloren profitiere etwa davon, dass Schweizer Konkurrenten teilweise noch höhere Zölle zahlen müssten. Auch Merz Pharma in Dessau und Bayer in Bitterfeld werden von der Kammer als Beispiele für stabile US-Geschäfte genannt.

Merz Pharma in Dessau zählt nach Angaben der IHK zu Unternehmen mit stabilem USA-Geschäft trotz der Zollpolitik. (Archivbild) Jan Woitas/dpa

Merz Pharma in Dessau zählt nach Angaben der IHK zu Unternehmen mit stabilem USA-Geschäft trotz der Zollpolitik. (Archivbild) Jan Woitas/dpa

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Feste Lieferketten als Vorteil

Die DIHK sieht die Gründe für stabile Exporte vor allem in langjährigen Geschäftsbeziehungen und festen Lieferketten. „Wer auf spezialisierte Maschinen, Vorprodukte oder Hightech „Made in Germany“ angewiesen ist, kann nicht einfach umsteigen“, erklärte DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier.

Besonders deutlich zeige sich das im Maschinenbau, bei Automobilzulieferern sowie in der Chemie- und Pharmabranche. Viele deutsche Anbieter seien fest in bestehende Lieferketten eingebunden. Noch trügen diese Strukturen die Exporte.

Nach Angaben von IHK und DIHK geben viele Unternehmen die zusätzlichen Kosten inzwischen weiter. „Knapp drei Viertel der Unternehmen geben an, sie ganz oder teilweise an ihre US-Kunden weiterzureichen“, erklärte Treier. Damit trügen letztlich vor allem amerikanische Importeure und Verbraucher die Kosten der Zollpolitik.

Wie es weitergeht

Gleichzeitig warnen die Wirtschaftsverbände vor den Folgen dauerhaft hoher Zölle. „Die Hochzollpolitik der USA hat bereits großen Flurschaden in der deutschen Außenwirtschaft angerichtet“, erklärte Treier. Dauerhaft hohe oder weiter steigende Zölle könnten die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Produkte zunehmend schwächen.

Wie sich der Handelskonflikt weiter entwickelt, bleibt offen. Die Einigung von EU-Parlament und Mitgliedstaaten zur Umsetzung des Zolldeals muss noch vom Ministerrat und vom Plenum des Europaparlaments bestätigt werden. Zudem behält sich die EU vor, Zugeständnisse wieder auszusetzen, falls die USA weitere Zölle verhängen oder Vereinbarungen nicht einhalten.

Der Süßwarenhersteller Halloren profitiert laut IHK teilweise davon, dass Schweizer Konkurrenten höhere Zölle zahlen müssen. (Archivbild) Jan Woitas/dpa

Der Süßwarenhersteller Halloren profitiert laut IHK teilweise davon, dass Schweizer Konkurrenten höhere Zölle zahlen müssen. (Archivbild) Jan Woitas/dpa

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