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Warum der Klimawandel den Sojaanbau in Sachsen stärkt

Sojabohnen trotzen Hitze und Trockenheit besser als viele heimische Pflanzen. Immer mehr sächsische Betriebe setzen auf sie. Die Nachfrage nach Tofuprodukten steigt, aber es gibt auch Probleme.

14.07.2026

Klimawandel stärkt Sojaanbau – Nachfrage in Sachsen wächst. (Symbolbild)Julian Stratenschulte/dpa

Klimawandel stärkt Sojaanbau – Nachfrage in Sachsen wächst. (Symbolbild)Julian Stratenschulte/dpa

© Julian Stratenschulte/dpa

Längere Hitzeperioden und schlimme Trockenphasen - sächsische Landwirte sind im Zuge der Klimakrise mit mehr herausfordernden Witterungsverhältnissen konfrontiert. Sie suchen eine Frucht, die widerstandsfähiger ist als heimische Kulturen. Immer mehr Landwirte setzen auf die Sojabohne.

„Sie ist einer der Gewinner des Klimawandels. Diese Frucht hat Zukunft“, meint Torsten Krawczyk, Präsident des sächsischen Landesbauernverbandes. Nach Verbandsangaben ist die Anbaufläche im Freistaat mit 2.600 Hektar im Vergleich zum Jahr 2025 um 40 Prozent gestiegen. Noch aber sind Sojabohnen ein Nischenprodukt.

Sojabohne ist hitzeverträglich und trotzt der Frühjahrs-Trockenheit

„Es ist keine Wunderfrucht und braucht auch zur richtigen Zeit Wasser, aber sie ist hitzeverträglich“, sagte Stefan Hesse, Landwirt aus Malschwitz in der Oberlausitz. Der Betrieb ist auf Ackerbau spezialisiert und produziert Getreide, Ölsaaten, Hülsenfrüchte und Kartoffeln. Seit sieben Jahren baut Hesse auf etwa 20 Hektar Sojabohnen an - und ist zufrieden.

Der Sojaanbau mache etwa zehn Prozent in seinem Betrieb aus, erläutert der 43-Jährige. Ein Vorteil der Hülsenfrucht sei, dass sie später als die Erbse oder der Raps blühe und reife. „Frühjahrs-Trockenheit, wie sie in den vergangenen Jahren oft der Fall war, macht ihr weniger aus.“. Sojabohnen brauchten erst ab Juli viel Wasser und dann gebe es im Durchschnitt wieder mehr Niederschläge.

„So ist es für mich eine günstige Risikoverteilung auf mehrere Früchte. Eine der drei Pflanzen wird für einen guten Ertrag sorgen“, sagte Hesse. Zudem sind die Preise für Sojabohnen seinen Angaben zufolge stabil und wegen des deutlich höheren Proteingehalts etwa doppelt so hoch wie bei Erbsen.

Weitere Hülsenfrüchte gewinnen an Bedeutung

Immer mehr Betriebe setzten wegen deren hoher Trockenheitstoleranz und Resilienz gegenüber Hitzestress auf Soja und Sonnenblumen, erläuterte der landwirtschaftliche Unternehmensberater Frederik Vielhauer. Weitere Kulturen, die im Zuge des Klimawandels an Bedeutung gewinnen könnten, sind demnach Faserhanf, Sorghum-Hirse sowie Kichererbsen und Lupinen. Auch Quinoa und Amarant gelten als Kulturen, die unter wärmeren und trockeneren Bedingungen perspektivisch interessanter werden könnten.

Hülsenfrüchte binden in einer Gemeinschaft mit speziellen Knöllchenbakterien mit ihren Wurzeln Stickstoff - was den Bedarf an mineralischem Stickstoffdünger vermindert. Auch Folgekulturen wie Weizen profitieren noch von dem im Boden verbleibenden Stickstoff. Die Herausforderung beim Anbau der Sojabohne liegt Landwirt Hesse zufolge darin, dass sie als nicht einheimische Kultur die nützlichen Bakterien braucht. Diese müssten vor der Aussaat aufgesprüht werden, erklärte der 43-Jährige.

Deutschland europaweit noch mit Nachholbedarf

130.800 Tonnen Sojabohnen ernteten die deutschen Landwirtinnen und Landwirte nach Angaben des Bundesinformationszentrums Landwirtschaft (BZL) im Jahr 2025 auf einer Anbaufläche von 43.300 Hektar. Das ist dreimal so viel wie im Jahr 2016. Größter Sojaerzeuger in Europa ist Italien mit einer Anbaufläche von rund 309.000 Hektar vor Serbien (207.000 Hektar), Frankreich (150.000 Hektar) und Rumänien (130.000 Hektar).

Soja wird als eine Eiweißquelle für Nutztiere in Form von Sojaschrot vermarktet. Deutschland deckt laut dem Bundesinformationszentrum Landwirtschaft bisher nur etwa drei Prozent des hiesigen Bedarfs ab, der weitaus größte Anteil wird importiert. 

Weltweit gehen nur etwa sieben Prozent der Sojaproduktion in die direkte Lebensmittelverarbeitung, wie es hieß. In Deutschland sei dieser Anteil etwas höher. Sojaprodukte wie Tofu, Sojadrinks oder Fleischersatzprodukte, die im Einzelhandel erhältlich sind, stammen demnach häufig aus Deutschland oder anderen europäischen Ländern.

Stark gestiegene Nachfrage nach Tofu

Seit Jahren berichtet der Handel von einer gestiegenen Nachfrage nach Tofu. Bei Rewe hat sich die Nachfrage in den vergangenen drei bis vier Jahren nach eigenen Angaben verdoppelt. 2025 habe der Absatz rund 30 Prozent über dem Vorjahr gelegen.

Tofu habe sich als Lebensmittel etabliert, passe gut zur deutschen Küche und sei universell einsetzbar, sagte Gunther Hirschfelder, Ernährungsforscher der Universität Regensburg. „Viele Menschen versuchen besser zu leben und ihrem Körper etwas Gutes zu tun.“ Tofu genieße einen besseren Ruf als andere Alternativprodukte und sei vergleichsweise preiswert.

Engpässe bei der Produktion - manche Artikel nicht immer verfügbar

Dabei gibt es seit diesem Frühsommer Kapazitätsengpässe bei einzelnen Herstellern. Im Einzelfall könne es vorkommen, dass bestimmte Artikel vorübergehend nicht verfügbar seien, hieß es von Lebensmittelgeschäften.

Der große Tofu-Hersteller Taifun schreibt auf seiner Internetseite: „Leider konnten wir zuletzt nicht alle Produkte in der nachgefragten Menge zur Verfügung stellen.“ Vorübergehende Produktionsprobleme hätten eine stark reduzierte Naturtofu-Menge verursacht, die Basis aller Produkte sei. In der Folge seien Lagerbestände deutlich zurückgegangen, im Einzelhandel seien Produkte deshalb teilweise „nicht so gut verfügbar“.

Bei einigen Produkten hat Taifun die Herstellung vorerst eingestellt, um die Produktion zu stabilisieren. Das Unternehmen erweitert zudem seine Produktionskapazitäten, um die Versorgung zu sichern. Am Standort in Freiburg wird in diesem Jahr eine neue Tofu-Anlage und ein Soja-Silo gebaut. Tofu wird aus Sojabohnen hergestellt.