dpa

Warum Katholiken am Sonntag wählen gehen dürfen

Ein bisschen Demokratie gibt es auch für die Mitglieder der katholischen Kirche – wenn es um die Pfarrgemeinderäte geht. Eine aktuell wichtige Frage dabei: Wie hältst du’s mit der AfD?

26.02.2026

Katholikinnen und Katholiken in Bayern wählen am Sonntag neue Pfarrgemeinderäte. (Symbolbild)Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Katholikinnen und Katholiken in Bayern wählen am Sonntag neue Pfarrgemeinderäte. (Symbolbild)Karl-Josef Hildenbrand/dpa

© Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Bischöfe ernennt der Vatikan, wer wo Pfarrer wird, bestimmt der Bischof. Und viele Dinge sind sowieso unveränderlich. Mit Demokratie hat die katholische Kirche nicht viel am Hut. Alle vier Jahre dürfen die Gläubigen aber doch wählen. Es geht am Sonntag (1. März) um die Pfarrgemeinderäte. Und, so versichern es die Verantwortlichen, diese Laiengremien sind für mehr zuständig als fürs Kuchenbacken und Grillen am Gemeindefest.

„Die Pfarrgemeinderäte sind eigentlich schon jetzt echte synodale Räte, weil in ihnen die durch die Pfarrgemeinderatswahlen demokratisch legitimierten Repräsentanten der Gläubigen mit den Pfarrern und pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zusammenarbeiten“, sagt Christian Gärtner, Chef des Landeskomitees der Katholiken in Bayern.

2024 veröffentlichten die Bischöfe deutliche Worte

„Wenn die Pfarrgemeinderäte ihre Aufgaben ernst nehmen, können sie bei fast allen Dingen, die das Leben der Kirche vor Ort betreffen, mitentscheiden.“ Eine Ausnahme seien finanzielle Belange – darum kümmern sich die Kirchenverwaltungen. Auch sie werden gewählt.

Besonders heikel: Es ist die erste Wahl, nachdem die deutschen Bischöfe 2024 ein Papier veröffentlicht haben, in dem sie sich gegen völkischen Nationalismus stellen und die AfD klar benennen. Außerdem schrieben sie, dass die Verbreitung rechtsextremer Parolen – „dazu gehören insbesondere Rassismus und Antisemitismus“ – unvereinbar ist mit einem haupt- oder ehrenamtlichen Dienst in der Kirche. Dürfen Kandidierende für den Pfarrgemeinderat also aktiv gefragt werden: „Wie hältst du’s mit der AfD?“

„Machen keine Gesinnungsschnüffelei“

Michael Wolf, Vorsitzender des Diözesenrats in Würzburg, sagte kürzlich: „Wir machen keine Gesinnungsschnüffelei. Aber wenn sich jemand klar gegen das christliche Menschenbild äußert, dann haben wir eine Möglichkeit, um zu reagieren.“ Das Papier der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) gebe hier Orientierung.

Das Landeskomitee stehe hinter der Erklärung der Bischöfe, sagt Gärtner. Man ermutige Wählerinnen und Wähler, Kandidierende zu unterstützen, die für Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenwürde eintreten. Das gelte nicht nur für die Pfarrgemeinderatswahl, sondern auch für die Kommunalwahl eine Woche später.

Die Herausforderungen der Kirche

„Das aktuelle Wahlprogramm der AfD in Sachsen-Anhalt zeigt eindeutig, dass die AfD die kirchenfeindlichste Partei in Deutschland ist und die Arbeit von Kirche und Caritas massiv behindern und sogar aktiv bekämpfen würde, wenn sie an einer Regierung beteiligt wäre, vor allem durch die einseitige Abschaffung der Staatskirchenleistungen und die Einstellung des staatlichen Kirchensteuereinzugs“, obwohl dies eventuell sogar gegen das Grundgesetz verstoßen würde, betont Gärtner.

Im Kontext der Pfarrgemeinderatswahlen habe es vereinzelte Anfragen aus den Gemeinden gegeben, wie zu verfahren sei bei möglichen Kandidaturen von AfD-Mitgliedern.

Die katholische Kirche in Deutschland steht seit Jahren vor großen Herausforderungen, die Zahl der Mitglieder sinkt und damit auch der finanzielle Spielraum. Auf den Priestermangel reagieren viele Diözesen, indem sie größere Einheiten schaffen und ein Seelsorger für viele Pfarreien verantwortlich ist.

Ohne Frauen geht nichts im Laiengremium

Und auch wenn Frauen keine Priesterinnen in der katholischen Kirche werden dürfen und das Diakonat der Frau bislang im Vatikan nicht nachdrücklich forciert wird – im Pfarrgemeinderat läuft ohne sie nichts: Es engagierten sich überwiegend Frauen, sagt Landeskomitee-Chef Gärtner.

Nach den bisherigen Informationen aus den Bistümern habe man auch genügend Interessierte gefunden, so dass in fast allen Gemeinden genügend Kandidatinnen und Kandidaten bereitstehen. Vor vier Jahren lag die Wahlbeteiligung laut Landeskomitee bayernweit bei 12,75 Prozent. Das war ein Rückgang von 4,78 Prozentpunkten im Vergleich zu 2018. Gewählt wurden 24.411 Mitglieder in die Pfarrgemeinderäte: 16.452 Frauen und 7.959 Männer.

Die Grundlagen für Pfarrgemeinderäte in der katholischen Kirche wurden im Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) geschaffen.