Warum Hessen so eine hohe Storchendichte hat
In Hessen ist die Storchendichte besonders hoch. Warum ist das so? Wo sind besonders viele Tiere? Und was kann für die Störche gefährlich werden?
In Hessen ist die Storchendichte besonders hoch. (Archivbild)Boris Roessler/dpa
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Hessen liegt bei der Storchendichte deutschlandweit vorne. Zugleich brüteten in dieser Saison laut dem Naturschutzbund Nabu so viele Weißstörche wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen in Deutschland. Mit 15.000 Brutpaaren werde in diesem Jahr bundesweit gerechnet, hieß es unlängst.
Wie steht es um die aktuelle Storchenpopulation in Hessen?
Zahlen für Hessen gebe es für das laufende Jahr noch nicht. „Aber wenn wir wieder eine Bestandszunahme von fünf bis zehn Prozent haben, gehen wir auf die 1.700 Brutpaare zu“, sagt Bernd Petri vom Nabu-Hessen. Zum Vergleich: Im Jahr 2025 gab es hessenweit 1.563 Brutpaare.
Im Landkreis Gießen wurden den Angaben zufolge bereits aktuelle Zahlen erhoben - und zuletzt 93 Brutpaare gezählt, nach 66 im Jahr 2025. Von den 93 Paaren würde etwa die Hälfte auf Bäumen brüten, gut 30 auf Nisthilfen und sechs auf Jagd-Hochsitzen, sagt Petri.
Weißstörche brüten den Naturschützern zufolge in allen Bundesländern. Die meisten Paare gab es im vergangenen Jahr in Niedersachsen (2.737) und Baden-Württemberg (2.602). Die höchste Storchendichte hat laut Petri allerdings Hessen - gemeinsam mit Baden-Württemberg.
Kreis Groß-Gerau bei Storchendichte vorne
So zählt etwa der Kreis Groß-Gerau 90 Storchenpaare je 100 Quadratkilometer. In dem südhessischen Landkreis lebten im vergangenen Jahr die meisten Brutpaare (406), gefolgt vom Wetteraukreis (243) und dem Main-Kinzig-Kreis (184).
Der Kreis Groß-Gerau mit dem hessischen Ried ist bei Störchen beliebt. (Archivbild)Boris Roessler/dpa
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„Der Kreis Groß-Gerau mit dem hessischen Ried ist deshalb interessant, weil er am Rhein liegt“, erklärt Petri. Dort gebe es sehr viele Schutzgebiete und Feuchtlebensräume. Zudem könnten die Störche viel Futter finden, da es eine besiedelte Gegend sei. So gebe es etwa eine große Mülldeponie und Bioabfallanlagen, das sind quasi „Fast-Food-Stellen“, an denen sich Störche bedienten.
Der Experte betont aber auch, dass der Abfall eine große Gefahr bergen könne: Eine der häufigsten Todesursachen der Störche in Deutschland und Hessen sei, dass sie Plastik, Gummi oder Silikon schluckten. „Deshalb sterben mittlerweile relativ viele Störche bei uns, sie verhungern bei vollem Magen. Der Magen ist aber nicht voll mit Würmern, Insekten und Mäusen, sondern voll mit Abfall.“
Manche Störche überwintern in Hessen
„Zahlreiche künstliche Nisthilfen haben sicherlich dazu beigetragen, dass Hessen für die Tiere ein attraktiver Brutstandort geworden ist“, sagt auch Jörg Nitsch, Vorsitzender des BUND Hessen. Zugleich verändere der Klimawandel das Zugverhalten der Störche. „Mildere Winter führen dazu, dass sie sogar oft auch in Hessen überwintern oder zum Überwintern nur noch bis nach Spanien und Portugal fliegen.“
Manche Störche bleiben inzwischen sogar ganzjährig in Hessen. (Archivbild)Boris Roessler/dpa
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Ein weiterer Faktor sei, dass die Störche sich immer besser an die veränderten Lebensbedingungen in Deutschland und Hessen anpassten, etwa indem sie neue Nahrungsquellen wie Mülldeponien nutzten. „Wir wünschen uns jedoch, dass diese positive Entwicklung nicht nur von künstlichen Nisthilfen oder Mülldeponien abhängt“, sagt Nitsch. Entscheidend sei, natürliche Lebensräume wie Feuchtwiesen und Naturschutzgebiete wiederherzustellen oder zu erhalten. „Davon profitiert nicht nur diese Art, sondern auch zahlreiche weitere heimische Tiere und Pflanzen.“