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Waldbrandgefahr - so sind die Ost-Länder vorbereitet

Großfeuer haben Feuerwehren vergangenes Jahr gefordert. Vielerorts wurde nachgebessert. Experten warnen zugleich: Im Schatten der Brände richten Hitze und Dürre ungleich größere Schäden an.

16.03.2026

In Thüringen wütete im Sommer 2025 auf der Saalfelder Höhe das bis dahin größte Feuer der aktuellen Waldbrandstatistik. (Archivbild)Daniel Vogl/dpa

In Thüringen wütete im Sommer 2025 auf der Saalfelder Höhe das bis dahin größte Feuer der aktuellen Waldbrandstatistik. (Archivbild)Daniel Vogl/dpa

© Daniel Vogl/dpa

In Thüringen kämpften Einsatzkräfte im Sommer 2025 gegen ein Feuer in einem bis dahin ungekannten Ausmaß, zeitweise war der Katastrophenfall ausgerufen worden. In der sächsischen Gohrischheide waren Feuerwehrleute zur gleichen Zeit wegen alter Munition im Boden teils chancenlos, rund drei Viertel des Gebietes sollen betroffen gewesen sein. Im Harz waren 2024 Bundeswehr-Hubschrauber im Dauereinsatz, bis heute wird über eine Millionensumme für den Einsatz gestritten. Nun beginnt erneut die Waldbrandsaison, Forstleute sprechen von der ersten Hochrisikophase des Jahres. Wie sind die Regionen nach den Großfeuern auf künftige Brände vorbereitet?

Wie ist die Lage zu Beginn der Waldbrandsaison?

Seit dem 1. März veröffentlichen die Forstverwaltungen in Sachsen, Sachsen‑Anhalt und Thüringen wieder täglich Waldbrandgefahrenstufen. Einige Regionen hatten bereits Stufe drei für mittlere und lokal Stufe vier für hohe Gefahr erreicht, ehe Niederschläge die Lage wieder entspannten. Forstexperten verweisen darauf, dass im Frühjahr erstmals höheres Waldbrandrisiko vorherrscht: Es wird wärmer. Pflanzen und Bäume sind vielerorts noch nicht aus dem Winterschlaf erwacht. Bei Sonne und Wind kann ein Brand schnell ausbrechen - meist ausgelöst durch unvorsichtige Waldbesucher. 

Nach Einschätzung des Hydrologen Andreas Marx vom Leipziger Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung wird die bisherige Trockenheit eher im Sommer zum Problem: Erst wenn sich über Monate hinweg Trockenheit aufbauen kann, verstärkt sie das Risiko, dass sich Feuer schnell ausbreiten und schlechter löschen lassen.

Thüringen: Löschwasserversorgung verbessert

Tanklöschfahrzeuge mussten bei dem Großfeuer in Thüringen im Sommer 2025 teils weite Wege fahren, was zunächst Löscharbeiten erschwerte. Kilometerlange Schlauchleitungen kamen zum Einsatz. Landwirte halfen mit ihren Fahrzeugen. Im Landratsamt Saalfeld-Rudolstadt sieht man sich aber gut aufgestellt: Der Kreis verweist auf Anschaffungen in den vergangenen Jahren, darunter Faltbehälter mit bis zu 30.000 Litern Wasser sowie geländegängige Pick-ups mit Waldbrandmodulen.

Thüringens Innenministerium beschafft im laufenden Jahr sechs Großtanklöschfahrzeuge mit jeweils 10.000 Litern Wasservolumen für den Katastrophenschutz, heißt es auf Anfrage. Drei der Fahrzeuge sind im Januar bereits an die Kreise Hildburghausen, Kyffhäuser und Sonneberg übergeben worden. Bis 2030 sollen 16 weitere Tanklöschfahrzeuge mit einem Löschwasservolumen von 3.000 Litern beauftragt werden, heißt es weiter.

Gohrischheide: Gut ausgerüstet, trotzdem verwundbar

Die munitionsbelastete Gohrischheide ist seit Jahren als Problemgebiet bekannt: „Wir können nicht überall hinfahren, wo es brennt“, beschreibt Sachsenforst‑Sprecher Marco Horn die Lage. Politisch rückt seitdem die Frage in den Mittelpunkt, ob Munitionsflächen zumindest teilweise geräumt werden können. Die Idee eines gepanzerten unbemannten Löschfahrzeugs sei zudem nach wie vor Teil einer laufenden „Risikoanalyse“ heißt es aus dem Landratsamt in Meißen. Ein neues Großtanklöschfahrzeug mit 10.000 Liter Wasservolumen wurde zudem in Priestewitz in zentraler Lage zur Erreichbarkeit mehrerer Naturschutzgebiete stationiert, heißt es weiter.

Laut Innenministerium sind bis Ende 2025 vier geländegängige Kommandowagen, 15 „Tanklöschfahrzeuge-Waldbrand“ und sechs Großtanklöschfahrzeuge angeschafft worden. Perspektivisch sollen zudem drei neue Hubschrauber der Landespolizei einsatzbereit sein, die deutlich mehr als die bisher möglichen 300 Liter Wasser transportieren können. 

Harz: „Erstschlagstrategie“ nach teuren Lehrjahren

Im Harz gab es 2025 zwar kein einzelnes Extremfeuer, dafür aber eine Serie von Waldbränden. Beim Brockenbrand 2024 waren tagelang Bundeswehr‑Helikopter zum Transport von Löschwasser im Einsatz. „Ich denke, dass wir unser Lehrgeld bezahlt haben“, sagt Kai‑Uwe Lohse, Kreisbrandmeister im Landkreis Harz. Seit April 2023 setzt der Kreis ein Löschflugzeug ein, das bei Waldbränden konsequent für eine „Erstschlagstrategie“ genutzt werde, um eine Ausbreitung früh einzudämmen. Inzwischen setzt man auf ein Kamerasystem und Rauchmelder entlang der Brockenbahn, ergänzt durch eine Drohne. Im Grenzgebiet zu Brandenburg werde länderübergreifend ein kameragestütztes Waldbrandfrüherkennungssystem genutzt, erklärt das Landwirtschaftsministerium auf Anfrage. 

Die finanzielle Lehre aus 2024 wirkt weiter: Für den Bundeswehr‑Einsatz liegt eine Rechnung über mehr als eine Million Euro vor, die Stadt Wernigerode und das Land beschäftigen sich weiterhin mit der Frage, wer welchen Anteil trägt. Zugleich investiert das Land 2026 nach eigenen Angaben insgesamt 20 Millionen Euro in den Brandschutz. Das Geld wird landesweit nach Bedarf verteilt, erklärt das Innenministerium in Magdeburg. Geplant seien auch neue Löschfahrzeuge, „die speziell für die Bekämpfung von Vegetationsbränden angepasst sind“. 

Wie groß ist das Thema Waldbrand im Vergleich zum Baumsterben?

Hydrologe Andreas Marx vom UFZ mahnt zur Einordnung: „In Deutschland brennen in einem schlimmen Waldbrandjahr um die 4.000 Hektar Wald.“ Einzelne Ausnahmen können darüber liegen. Dem gegenüber stehen seit 2018 kumulierte Verlustflächen durch hitze‑ und dürrebedingtes Baumsterben in einer Größenordnung von mehreren Hunderttausend Hektar, je nach Schätzung und Methode. „Wenn man das einordnet, sehen Sie, da ist ein ziemlich großer Faktor dazwischen.“ Während Waldbrände spektakuläre Bilder lieferten und medial sehr präsent seien, vollziehe sich der weitaus größere Teil der Waldverluste still, so der Experte.

In Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt haben Feuerwehren im vergangenen Jahr zahlreiche Waldbrände bekämpfen müssen. (Archivbild)Daniel Vogl/dpa

In Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt haben Feuerwehren im vergangenen Jahr zahlreiche Waldbrände bekämpfen müssen. (Archivbild)Daniel Vogl/dpa

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Das Frühjahr ist aus Sicht von Forstexperten die erste Hochrisikophase für Waldbrände - meist ausgelöst durch unvorsichtige Waldbesucher. (Archivbild)picture alliance/dpa

Das Frühjahr ist aus Sicht von Forstexperten die erste Hochrisikophase für Waldbrände - meist ausgelöst durch unvorsichtige Waldbesucher. (Archivbild)picture alliance/dpa

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