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Waldbrände rücken in den Fokus - Sachsen sieht sich gerüstet

Neue Löschfahrzeuge und Hubschrauber: Sachsen rüstet auf, während in der Böhmischen Schweiz gegen Flammen gekämpft wird. Auch über besseren Schutz für Feuerwehrleute wird diskutiert.

05.05.2026

In der Böhmischen Schweiz sind am Montag zusätzlich Schwerlasthubschrauber für die Löscharbeiten zum Einsatz gekommen. Sebastian Kahnert/dpa

In der Böhmischen Schweiz sind am Montag zusätzlich Schwerlasthubschrauber für die Löscharbeiten zum Einsatz gekommen. Sebastian Kahnert/dpa

© Sebastian Kahnert/dpa

Auch in Sachsens Wäldern wächst mit der jahreszeitbedingten Trockenheit die Gefahr von Bränden. Während im Nationalpark Böhmische Schweiz seit dem Wochenende ein Großaufgebot an Einsatzkräften gegen ein Feuer kämpft, sieht man sich auf sächsischer Seite als gut aufgestellt. Sachsens Innenminister Armin Schuster (CDU) übergab am Montag 15 neue Feuerwehrfahrzeuge an die Landkreise.

Insgesamt hat der Freistaat im Rahmen seines Waldbrandschutzkonzepts „vier geländegängige Kommandowagen, 15 Tanklöschfahrzeuge-Waldbrand und sechs Großtanklöschfahrzeuge“ angeschafft, teilte das Staatsministerium des Innern (SMI) auf dpa-Anfrage mit. 

Zusätzlich seien „Einheiten für die Luftunterstützung im Aufbau“. Aktuell nutze Sachsen Hubschrauber der Landespolizei, die bis zu 300 Liter Wasser transportieren können. Drei neue Maschinen sollen künftig bis zu 800 Kilogramm Lasten in die Luft bringen können, so das Innenministerium. 

Luftunterstützung bei Waldbränden soll verbessert werden

Tschechien hatte für die Bekämpfung des Feuers nahe der sächsischen Grenze bei Jetrichovice Luftunterstützung aus der Slowakei angefordert. Zwei mittelgroße Transporthubschrauber des Typs Sikorsky UH-60 Black Hawk sollten gegen Mittag eintreffen. Mindestens acht Helikopter waren für Wasserabwürfe vorgesehen. Rund 400 Feuerwehrkräfte waren im Einsatz.

Ein Gesuch nach Unterstützung aus Sachsen gab es laut Innenministerium nicht. Nach dem Großbrand im Nationalparkgebiet auf beiden Seiten der Grenze im Jahr 2022 seien aber die Meldeketten aktualisiert worden, so das SMI. Im Rahmen eines EU-Förderprojekts sollen Zusammenarbeit und Informationsaustausch zwischen den Leitstellen beider Länder weiter verbessert werden. Die neuen Kommunikationswege zeigten bereits Wirkung, hieß es.

Nach Feuer in der Gohrischheide: Diskussion um Munitionsräumung

Seit dem Wochenende kämpfen Einsatzkräfte auch im Südwesten Brandenburgs gegen ein Feuer auf einem munitionsbelasteten Gelände. Der Brand auf einem alten Truppenübungsgelände nahe Jüterbog (Landkreis Teltow-Fläming) erfasste rund 150 Hektar, konnte laut Feuerwehr am Montag aber eingedämmt werden. Ähnliche Herausforderungen gab es im vergangenen Jahr in der Gohrischheide im sächsischen Kreis Meißen unweit der Grenze zu Brandenburg.

Das Areal gilt seit Jahren als Problemgebiet. „Wir können nicht überall hinfahren, wo es brennt“, sagte Sachsenforst‑Sprecher Marco Horn. Grund sei die hohe Explosionsgefahr. Das Feuer in der Gohrischheide im vergangenen Sommer sei laut Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Dresden durch Selbstentzündung von Munition im Boden entstanden.

Bessere Ausrüstung und klare Strukturen

Die Frage einer Munitionsräumung wird seit Längerem politisch diskutiert. Das Umweltministerium hatte zuletzt erklärt, einzelne Flächen in der Gohrischheide zum Schutz der Einsatzkräfte von alter Munition befreien zu wollen. Eine vollständige Räumung des rund 2.000 Hektar großen Gebiets lehnte Umweltminister Georg-Ludwig von Breitenbuch (CDU) aus Kostengründen ab. Die Räumung eines Hektars kostet etwa eine Million Euro.

Unterdessen gibt es eine parlamentarische Initiative, Feuerwehrleute bei Waldbränden auf früherem Militärgelände besser zu schützen. Darauf haben sich das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW), CDU und SPD geeinigt. „Wir haben es hier mit einer Realität zu tun, die wir nicht länger ignorieren können: Brände auf munitionsbelasteten Flächen sind Hochrisiko-Einsätze für unsere Feuerwehren“, sagte BSW-Fraktionschef Ronny Kupke in Dresden. 

Feuerwehren sollen besonders robuste Technik bekommen

Entscheidend sei nicht die Illusion vollständiger Sicherheit, sondern die konkrete Handlungsfähigkeit im Ernstfall, so Kupke. „Dieser gemeinsame Antrag steht für einen klaren politischen Kurswechsel: Wir organisieren Sicherheit praktisch – mit besserer Ausstattung, klaren Strukturen und einem realistischen Umgang mit den vorhandenen Risiken.“ In der kommenden Woche soll über den Antrag im Landtag abgestimmt werden. Dafür gibt es allein mit den Stimmen von CDU, SPD und BSW eine Mehrheit.

Konkret sollen Feuerwehrleute etwa besser mit geschützter Löschtechnik ausgerüstet werden und bei ihren Einsätzen ein genaues Lagebild erhalten. Man brauche „Spezialtechnik statt Improvisation“, hieß es. Zugleich wird eine bessere Abstimmung der Behörden und eine verlässliche Finanzierung für die Beräumung angemahnt. Dafür sei im Haushalt eine Position zu verankern, die unabhängig vom wirtschaftlichen Erfolg des Staatsbetriebes Sachsenforst ist.

Zwei Transporthubschrauber des Typs Sikorsky UH-60 Black Hawk mit Löschwasser-Behältern aus der Slowakei beim Landeanflug auf den Flug- und Landeplatz Chribska im Nationalpark Böhmische Schweiz.Sebastian Kahnert/dpa

Zwei Transporthubschrauber des Typs Sikorsky UH-60 Black Hawk mit Löschwasser-Behältern aus der Slowakei beim Landeanflug auf den Flug- und Landeplatz Chribska im Nationalpark Böhmische Schweiz.Sebastian Kahnert/dpa

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Mehr als 400 Feuerwehrleute sowie weitere Kräfte von Polizei, Armee und Rettungsdienst kämpfen in Tschechien gegen den Waldbrand im rund 79 Quadratkilometern großen Nationalpark Böhmische Schweiz.Sebastian Kahnert/dpa

Mehr als 400 Feuerwehrleute sowie weitere Kräfte von Polizei, Armee und Rettungsdienst kämpfen in Tschechien gegen den Waldbrand im rund 79 Quadratkilometern großen Nationalpark Böhmische Schweiz.Sebastian Kahnert/dpa

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