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Die AfD gegen alle, alle gegen die AfD: So war der Gillamoos

Einen Tag nach der Wahl in Sachsen-Anhalt war auf dem Volksfest in Niederbayern die Gelegenheit zum Schlagabtausch mit der Konkurrenz. Die heftigsten Angriffe kamen aber von der Wahlsiegerin.

07.09.2026

Bei der AfD herrschte zum Gillamoos nach dem Erfolg in Sachsen-Anhalt ausgelassene Stimmung.Sven Hoppe/dpa

Bei der AfD herrschte zum Gillamoos nach dem Erfolg in Sachsen-Anhalt ausgelassene Stimmung.Sven Hoppe/dpa

© Sven Hoppe/dpa

Triumphgeheul und Häme bei der AfD, Ringen um Kampfgeist und Optimismus bei der CSU: Einen Tag nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt stand bei den politischen Reden auf dem Gillamoos in Niederbayern der Sieg der AfD und die Pleite der CDU im Mittelpunkt der meisten Reden. Die AfD hatte in dem Bundesland mit 43,8 Prozent ein Rekordergebnis erzielt, dagegen wurde die bisher regierende CDU mit 17,2 Prozent abgestraft und musste schwere Verluste hinnehmen.

Euphorie und Häme bei „gefährlichster Partei Deutschlands“

Katrin Ebner-Steiner gab bei der AfD als Eröffnungsrednerin den Ton vor. „Wir sind tatsächlich die gefährlichste Partei Deutschlands“, sagte die Fraktionschefin im bayerischen Landtag, inzwischen auch Vize-Sprecherin der Partei auf Bundesebene. Das gelte mit Blick auf „alle linken Demokratiehasser“, „alle verlogenen Pseudojournalisten“ und „alle Kriegstreiber“. Ihre Partei sei eine neue Volksbewegung. „Die blaue Welle rollt.“ 

Die bayerische AfD-Landtagsfraktionschefin Katrin Ebner-Steiner überzog die politische Konkurrenz mit Häme.Sven Hoppe/dpa

Die bayerische AfD-Landtagsfraktionschefin Katrin Ebner-Steiner überzog die politische Konkurrenz mit Häme.Sven Hoppe/dpa

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Das nächste Ziel sei schon klar: „Wir wollen den ganzen Kuchen“, sagte Ebner-Steiner unter dem Jubel der Besucher. „Merz muss weg, das ist unser großes Ziel.“ Dann werde Politik gemacht „für unser Volk - und nur für unser Volk“. Wie auch andere Rednerinnen und Redner wetterte sie gegen kriminelle Migranten, „Gender-Wahnsinn“ und die Wirtschaftspolitik der Union.

AfD-Bundestagsfraktionsvize Beatrix von Storch betonte, die Konkurrenz könne die AfD jetzt nicht mehr außen vor lassen. Je mehr die anderen Parteien das täten, desto mehr schaufelten sie ihr eigenes Grab.

Nahe der AfD-Kundgebung protestierten einige Gegner der Partei mit Schildern.Sven Hoppe/dpa

Nahe der AfD-Kundgebung protestierten einige Gegner der Partei mit Schildern.Sven Hoppe/dpa

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Doch die AfD erhielt nicht nur Applaus in Abensberg: Am Eingang zum Gelände demonstrierten einige Gegner der Partei. Sie hielten unter anderem Schilder mit Slogans wie „Nazis in die Hölle remigrieren“ in die Höhe.

Söder sieht AfD am Zug – und Dobrindt will liefern

Und die CSU? Parteichef Markus Söder sprach mit Blick auf von Storch und die AfD süffisant von schrägen Vögeln, „teilweise sogar besoffen von ihrem Wahlergebnis“, wurde dann aber ernst. Die AfD habe in Sachsen-Anhalt den Regierungsauftrag bekommen, daher müsse nun abgewartet werden, „was sie daraus machen“, sagte der bayerische Ministerpräsident. Es gehe nicht darum, auf „Biegen und Brechen“ eine „halbe Stimme Mehrheit zu organisieren“. Die AfD solle zeigen, ob sie regieren könne. „Ich habe da Zweifel.“ 

CSU-Chef Markus Söder bekam für seine Rede höflichen Applaus, doch ausgelassen war die Stimmung im Festzelt nicht.Peter Kneffel/dpa

CSU-Chef Markus Söder bekam für seine Rede höflichen Applaus, doch ausgelassen war die Stimmung im Festzelt nicht.Peter Kneffel/dpa

© Peter Kneffel/dpa

„Demokratie muss man ernst nehmen, auch wenn einem das Ergebnis nicht gefällt“, betonte Söder. Als Reaktion auf die Wahl müsse die AfD jetzt endlich inhaltlich gestellt werden. Mit Blick auf Bayern zog Söder aber eine klare Linie: „Gerade höre ich, dass die sagen, sie werden Bayern jetzt übernehmen. Eins verspreche ich euch: Ich werde Bayern nicht der AfD überlassen.“ Der CSU-Chef erntete für seine knapp 35-minütige Rede viel höflichen Beifall, verglichen mit früheren Jahren sprang der sprichwörtliche Funke aber nicht so richtig über.

Wie Söder forderte auch Bundesinnenminister Alexander Dobrindt im CSU-Zelt einen konsequenten Reformkurs im Bund. „Es kommt jetzt entscheidend auf die Union an“, sagte er. Entschieden hätten die Wahl die „Ängste, Sorgen und Frustrationen“ der Menschen. Die Menschen wollten aber Entscheidungen, die Leistungen wieder belohnen. Handwerker wie Selbstständige müssten entlastet werden, die Energiekosten endlich runter.

Söders Worte durfte man durchaus als Ansage für die Arbeit der Koalition verstehen: „Berlin muss einen deutlichen Zacken zulegen, anders kann man es nicht sagen. Weniger Streit, mehr Vernunft, mehr Ergebnisse. Wir sind konstruktiv, aber wir sind nicht blind vor dem, was passiert.“ Die CSU sei zudem kein „Ableger“ oder „Filialist“, der seine Kommandos aus Berlin erhalte. 

Wenig Freude bei Grünen und SPD über Zugewinne

Die Grünen hätten sich eigentlich über ihr mit rund 9 Prozent bisher bestes Ergebnis bei einer Landtagswahl in Sachsen-Anhalt freuen können - taten das angesichts aber der Gesamtlage nur kurz: „Das ist wirklich phänomenal, auch wenn das Gesamtergebnis einen schaudern lässt“, sagte Landtagsfraktionschefin Katharina Schulze. Sie rief dazu auf, die Demokratie zu verteidigen. Es gebe jetzt in Sachsen-Anhalt viele Menschen, die Angst und Sorgen hätten. Ein AfD-Verbotsverfahren müsse „endlich“ kommen.

Rief zum gemeinsamen Kampf für die Demokratie auf: Bayerns Grünen-Landtagsfraktionschefin Katharina Schulze.Daniel Karmann/dpa

Rief zum gemeinsamen Kampf für die Demokratie auf: Bayerns Grünen-Landtagsfraktionschefin Katharina Schulze.Daniel Karmann/dpa

© Daniel Karmann/dpa

Bei der SPD war die Freude über das leichte Plus bei der Landtagswahl auf 9,3 Prozent der Stimmen ebenfalls verhalten. „Uns darf das nicht reichen, das ist zu wenig“, sagte Ex-Arbeitsminister Hubertus Heil. Die SPD müsse besser werden. Die Menschen müssten wieder wissen, wofür die Partei stehe. Zur geplanten Rentenreform sagte Heil, die Rentenkommission habe viele richtige Vorschläge gemacht. Einer Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren erteilte aber auch er eine Absage. Wer 45 Jahre gearbeitet habe, müsse auch in Zukunft mit 65 Jahren in Rente gehen können.

Sachsen-Anhalt? Für Aiwanger kein großes Thema

Einer der wenigen, der sich bei seiner Rede auf dem Volksfest kaum bis wenig mit den Ereignissen in Sachsen-Anhalt aufhielt, war Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger. Im Ergebnis sah er vor allem die Folge widersprüchlicher Politik auf Bundesebene. Er nutzte seine Redezeit für andere Themen und Forderungen wie der Jagd auf den Fischotter, Schelte für die EU wegen des Verbrennerverbots sowie die Abschaffung der Erbschaftsteuer. 

Hatte neben der Wahl in Sachsen-Anhalt auch bei anderen Themen Redebedarf: Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger.Daniel Karmann/dpa

Hatte neben der Wahl in Sachsen-Anhalt auch bei anderen Themen Redebedarf: Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger.Daniel Karmann/dpa

© Daniel Karmann/dpa

Zudem monierte er als regelmäßiger Gast von Fernseh-Talkshows, in die Sendungen seien „die komischen Gestalten“ eingeladen worden, „weil die mehr Unterhaltungswert hatten als der Normalbürger“.

Der Gillamoos in Abensberg gehört zu den größten und ältesten Volksfesten in Niederbayern. Am Volksfestmontag treten dort regelmäßig hochrangige Politiker in mehreren Bierzelten auf, und das nahezu zeitgleich.