WM 2026

WM mit 41? Warum Altstars wie Ronaldo immer länger spielen

Der 41-jährige Cristiano Ronaldo und der 40-jährige Luka Modrić treffen bei der Fußball-WM mit ihren Teams in der K.-o.-Runde aufeinander. Wie ist das in diesem Alter auf diesem Niveau noch möglich?

01.07.2026

Sportmediziner Hans-Georg Predel.-/Deutsche Sporthochschule Köln/dpa

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© -/Deutsche Sporthochschule Köln/dpa

Das WM-Spiel zwischen Portugal und Kroatien wird in Toronto auch zum Duell zweier Altstars: der 41-jährige Cristiano Ronaldo gegen den 40-jährigen Luka Modrić. Die beiden früheren Weltfußballer des Jahres sind auch in diesem Alter noch Kapitäne und Schlüsselspieler ihrer Teams.

Das passt zu der Entwicklung, dass immer mehr Stars wie auch Lionel Messi (39) oder Edin Džeko (40) immer länger Hochleistungssport betreiben. Der Sportmediziner Prof. Dr. Hans-Georg Predel, Leiter des Instituts für Kreislaufforschung und Sportmedizin an der Deutschen Sporthochschule Köln, erklärt dieses Phänomen auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.

Warum können Spitzenfußballer heute so lange ihr Niveau halten?

„Aus physiologischer Sicht nimmt die maximale körperliche Leistungsfähigkeit zwar bereits ab dem dritten bis vierten Lebensjahrzehnt langsam ab. Betroffen sind insbesondere die maximale Sauerstoffaufnahme, die Schnellkraft und die Sprintgeschwindigkeit. Dieser Prozess verläuft jedoch deutlich langsamer als früher angenommen und kann durch konsequentes Training, professionelle Regeneration, optimale Ernährung und eine individualisierte medizinische Betreuung erheblich verlangsamt werden.

Hinzu kommt, dass Spitzenfußball weit mehr ist als reine Athletik. Er basiert auf einem komplexen Zusammenspiel aus Technik, Spielintelligenz, Antizipation, taktischem Verständnis und Erfahrung. Gerade diese Fähigkeiten bleiben über viele Jahre erhalten oder verbessern sich sogar. Ältere Spieler kompensieren daher einen Teil der altersbedingten körperlichen Einbußen durch effizientere Laufwege, bessere Entscheidungen und ein exzellentes Stellungsspiel. Moderne Leistungsdiagnostik und Trainingssteuerung ermöglichen es zudem, Belastungen sehr präzise zu dosieren und Verletzungen vorzubeugen.“

Luka Modric bei der WM.Petr Josek/AP/dpa

Luka Modric bei der WM.Petr Josek/AP/dpa

© Petr Josek/AP/dpa

Was macht Modric, Messi und Ronaldo trotzdem besonders?

„Spieler auf höchstem internationalem Niveau mit 40 Jahren bleiben eine Ausnahme. Sie verfügen meist über eine außergewöhnliche genetische Veranlagung, waren über Jahrzehnte nahezu verletzungsfrei und haben ihren Lebensstil konsequent auf den Leistungssport ausgerichtet.

Grundsätzlich zeigen die wissenschaftlichen Daten jedoch, dass leistungsorientierter Sport bis ins hohe Alter möglich ist. Die Zahl der Master-Athletinnen und Master-Athleten nimmt weltweit kontinuierlich zu, und viele erzielen Leistungen, die vor wenigen Jahrzehnten als unrealistisch galten. Voraussetzung sind ein systematischer Trainingsaufbau, eine ausreichende Regeneration und die Anpassung der Trainingsinhalte an das biologische Alter. Der entscheidende Unterschied besteht allerdings darin, dass sich das Leistungsniveau zwar lange erhalten lässt, die absolute Höchstleistung jedoch altersbedingt nicht vollständig konserviert werden kann.“

Cristiano Ronaldo bei der WM.Rebecca Blackwell/AP/dpa

Cristiano Ronaldo bei der WM.Rebecca Blackwell/AP/dpa

© Rebecca Blackwell/AP/dpa

Warum haben es ältere Fußballer leichter als etwa ältere Schwimmer?

„Fußball gehört zu den sogenannten komplexen Spielsportarten. Der Erfolg hängt nicht ausschließlich von maximaler Geschwindigkeit oder Kraft ab, sondern in hohem Maße auch von Technik, Spielübersicht, taktischem Verständnis, Entscheidungsqualität und Erfahrung. Diese Faktoren gewinnen mit zunehmendem Alter häufig sogar an Bedeutung.

Im Sprint oder über 100 Meter Freistil entscheidet dagegen nahezu ausschließlich die maximale neuromuskuläre Leistungsfähigkeit. Gerade diese nimmt mit zunehmendem Alter vergleichsweise früh ab. Bereits geringe Einbußen bei Explosivkraft oder maximaler Sprintgeschwindigkeit entscheiden dort über Sieg oder Niederlage. Im Fußball können ältere Spieler körperliche Defizite hingegen durch überlegene Spielintelligenz, Antizipation und ökonomischere Bewegungsmuster teilweise kompensieren.“

Sportmediziner Hans-Georg Predel.-/Deutsche Sporthochschule Köln/dpa

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