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Vor Bahnstrecken-Sanierung: Stendal sorgt sich um Fachkräfte

Die geplante Streckensanierung der Bahn zwischen Berlin und Lehrte lässt den Pendler-Alltag in Stendal aus den Fugen geraten. Insbesondere das Krankenhaus schlägt Alarm.

17.09.2026

Der Oberarzt der Kardiologie am Johanniter-Krankenhaus, Udo Zacharzowsky, erklärt die Situation aus Sicht des Klinikums und der Ärzte. Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Der Oberarzt der Kardiologie am Johanniter-Krankenhaus, Udo Zacharzowsky, erklärt die Situation aus Sicht des Klinikums und der Ärzte. Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

© Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Streckensanierungspläne der Deutschen Bahn stoßen in Stendal auf erheblichen Protest - unter anderem schlägt das Krankenhaus Alarm, weil pendelnde Fachkräfte künftig viel längere Anfahrtszeiten haben. „Wir sind auf diese Ost-West-Verbindung extrem angewiesen, weil viele Menschen nach Berlin und zurück pendeln, das Gleiche nach Wolfburg und Hannover“, sagte Stendals Oberbürgermeister Bastian Sieler. Man werde mit den Plänen der Bahn bis Ende 2027 mindestens komplett abgeschnitten. „Wir verlieren hier wirklich eine Reihe von Menschen, die entweder sagen, sie müssen ihren Arbeitsplatz wechseln oder wegziehen.“

Die Bahn plant eine sogenannte Generalsanierung der Strecke Berlin-Lehrte, damit ist die Sperrung verbunden. Ab dem 2. Oktober bis Dezember 2027 werden sämtliche Fernzüge zwischen Berlin und Hannover über Braunschweig und Magdeburg umgeleitet. Laut einer Bahn-Sprecherin sind Optionen für Halte von Fernverkehrszügen in Stendal derzeit noch in Prüfung.

Deutlich längere Anfahrtszeiten für pendelnde Fachkräfte 

Laut Udo Zacharzowsky, Oberarzt der Kardiologie im Johanniter-Krankenhaus Stendal, pendeln 88 Prozent der Chef-, Ober- und Fachärzte in der Klinik für Kardiologie aus Berlin oder Wolfsburg nach Stendal. Wenn sich eine Fahrtzeit von bisher einer halben Stunde von Spandau aus auf zwei Stunden verlängere und das am Ende vier Stunden Fahrtzeit am Tag bedeute, „dann ist absehbar, dass das nicht mehr vereinbar ist mit Beruf und Familie und Privatleben“. 

Bürger protestieren mit Plakaten vor dem Hauptbahnhof Stendal gegen die Pläne der Deutschen Bahn.Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Bürger protestieren mit Plakaten vor dem Hauptbahnhof Stendal gegen die Pläne der Deutschen Bahn.Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

© Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Zacharzowsky erklärte weiter: „Wir sind der einzige Schwerpunktversorger hier in der Altmark, wir sind quasi der Anlaufpunkt für die kleinen Grundversorger, beispielsweise das Krankenhaus Seehausen oder Gardelegen. Wir nehmen die Infarkte 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche und wir versorgen die Herzklappen.“ - „All das könnte möglicherweise ins Rutschen geraten.“ Bei 14 Monaten sei es nicht abzusehen, aber zu erwarten, dass man beispielsweise keinen weiteren Nachwuchs gewinnen kann. Er forderte die Bahn zu einem Dialog auf.

Der Stendaler Landrat Patrick Puhlmann sagte: „Wenn hier wirklich Kardiologen und andere Spezialisten nicht mehr zum Krankenhaus kommen oder neue Ärzte nicht gewonnen werden können, dann ist hier das zentrale Krankenhaus für die ganze Altmark auf einmal in richtigen Schwierigkeiten.“

Die Strecke Berlin-Lehrte soll generalsaniert werden und wird dafür gesperrt. (Symbolbild)Armin Weigel/dpa

Die Strecke Berlin-Lehrte soll generalsaniert werden und wird dafür gesperrt. (Symbolbild)Armin Weigel/dpa

© Armin Weigel/dpa

Das sagt die Deutsche Bahn

Eine Sprecherin der Deutschen Bahn erklärte: „Wir bedauern sehr, dass die umfangreichen Bauarbeiten zu Einschränkungen und längeren Fahrzeiten führen. Leider ist insbesondere die Erneuerung der Festen Fahrbahn westlich und östlich von Stendal alternativlos.“ Während der Bauarbeiten zwischen Hannover und Berlin fahren die Fernzüge den Angaben zufolge ab Oktober eine Umleitung über Braunschweig und Magdeburg. Optionen für Halte von Fernverkehrszügen in Stendal würden noch geprüft. 

Für den Nahverkehr gelte zunächst: Vom 2. Oktober bis zum 12. Dezember seien Stendal und Rathenow in und aus Richtung Berlin mit zwei Expressbuslinien X1 (Stendal - Genthin) mit Anschluss an den RE1 und X4 (Stendal - Rathenow - Nauen) mit Anschluss an den RE8 und RE2 erreichbar. „Die Fahrzeit im Regionalverkehr beträgt dann rund 60 Minuten länger“, so die DB-Sprecherin. Das Konzept ab dem Fahrplanwechsel Mitte Dezember werde derzeit mit der Nahverkehrsgesellschaft Sachsen-Anhalt und dem Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg abgestimmt.

Mit den Generalsanierungen will die Deutsche Bahn bis Mitte der 30er Jahre mehr als 40 stark ausgelastete Streckenkorridore umfassend sanieren und damit wieder für mehr Zuverlässigkeit im Netz sorgen.