Von Sichtung bis Obduktion: Chronologie zum Ostsee-Buckelwal
Ein Buckelwal verirrt sich in der Ostsee. Über mehr als zwei Monate hält das Schicksal des als „Timmy“ bekannten Meeressäugers die Menschen in Bann. Ein Happy End gibt es für den Meeressäuger nicht.
Die Reise des Buckelwals endete im flachen Wasser vor der dänischen Insel Anholt.Marcus Golejewski/dpa
© Marcus Golejewski/dpa
Anfang März wurde er erstmals in der Ostsee gesehen. Seitdem beschäftigt das Schicksal des Buckelwals viele Menschen. Eine Auswahl der Ereignisse:
Sichtung im Hafen von Wismar
3. März: Der Buckelwal taucht im Hafen von Wismar auf und lockt Schaulustige an die Kaikante. Einsatzkräfte entfernen Netzreste vom Tier, allerdings nicht komplett. Gegen Abend schwimmt der Wal wieder Richtung Ostsee.
4. März: Der Wal wird erneut in der Lübecker Bucht gesehen: vor Brook westlich von Wismar. Meeresschützer der Organisation Sea Shepherd versuchen, noch verbliebene Leinenreste zu entfernen. Das gelingt vom größeren Schiff „Triton“ aus aber nicht.
7. März: Nachdem der Wal vor Scharbeutz gesehen wurde, sucht Sea Shepherd in der Lübecker Bucht erneut nach dem Tier - und findet es gegen Abend vor Boltenhagen. Von einem Schlauchboot aus gelingt es, Netzreste zu entfernen.
10. März: Vor der Küste bei Steinbeck in Nordwestmecklenburg verfängt sich der Wal laut Wasserschutzpolizei in einem Fischernetz. Ein örtlicher Fischer holt das Netz ein, wobei es durchtrennt wird. Das Tier schwimmt das Tier wieder seewärts.
19. März: Am Abend beobachtet Sea Shepherd von der „Triton“ aus, wie der Wal vor Travemünde in die Trave schwimmt.
20. März: Nach einer Sichtung in der Lübecker Bucht bei Haffkrug und Scharbeutz wird Sea Shepherd von der Wasserschutzpolizei verständigt. Der Organisation gelingt es von einem Schlauchboot aus, einen Teil der am Tier verbleibenden Leine zu entfernen. Später schwimmt der Wal weiter mit Netzresten am Körper Richtung offenes Meer.
1. Strandung vor Timmendorfer Strand
23. März: Der Wal wird auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand entdeckt. Er sitzt im flachen Wasser fest. Danach besteht Konsens, dass es sich um einen Buckelwal handelt. Tagelange Rettungsversuche laufen an.
27. März: Der Wal schwimmt weg. Nachdem er sich am Abend des 26. März bereits ein Stück bewegt hat, liegt er am frühen Morgen des 27. März nicht mehr im Uferbereich vor Timmendorfer Strand. Stattdessen schwimmt er in der Lübecker Bucht.
2. Strandung in der Wismarbucht
28. März: Der Wal verharrt auf einer Sandbank in der Wismarbucht südlich der Insel Walfisch.
29. März: Bei steigendem Wasserstand schwimmt der Wal in der Nacht kurzzeitig erneut los, bleibt aber wenige Meter weiter in der Wismarbucht wieder liegen.
30. März: Am späten Abend schwimmt der Wal wieder. Zuvor hatten Experten versucht, das Tier mit Lärm zu animieren. Der Wal wird am Hafen von Wismar gesehen, ist später seewärts Richtung Seebrücke unterwegs.
3. Strandung vor der Insel Poel
31. März: Der Buckelwal wird erneut vor Wismar gesichtet. Später verharrt er erneut in flachem Wasser, diesmal im Kirchsee, einem Teil der Wismarbucht, vor der Insel Poel.
1. April: Die Verantwortlichen geben bekannt, dass es keine weiteren Rettungsversuche geben soll, um dem laut Experten geschwächten Wal Ruhe zu gönnen.
2. April: Ein Vermessungsboot beginnt damit, die Umgebung des Wals zu erkunden, um eine spätere Bergung des Tierkörpers vorzubereiten.
Ergebnisse eines Gutachtens werden vorgestellt
7. April: Die Experten stellen gemeinsam mit Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) Erkenntnisse eines Gutachtens zum Zustand des Wals vor. Das Tier sei „schwerstkrank“, sagt er. Bei einer möglichen Rettungsaktion könne der Wal am Stress sterben.
11. April: Es wird doch ein weiterer Versuch unternommen, den Wal noch einmal zu mobilisieren. Unter Wasser werden Walgesänge abgespielt. Dies bleibt aber ohne Erfolg.
Behörden geben grünes Licht für privaten Rettungsversuch
15. April: Überraschend informiert Backhaus auf einer Pressekonferenz, dass die Behörden das Transportkonzept einer privaten Initiative dulden werden. Demnach soll das Tier lebend in die Nordsee und gegebenenfalls den Atlantik gebracht werden.
Frühere Pläne für Rettungsaktionen hatte die Behörde noch abgelehnt, weil sie Fachleuten zufolge noch mehr Stress und Leid für den Wal bedeutet hätten. Die Experten empfahlen, den Wal in Ruhe sterben zu lassen.
Die Vorbereitungen für den Rettungsversuch laufen
16. April: Die von der Unternehmerin Karin Walter-Mommert und dem Mediamarkt-Gründer Walter Gunz finanzierte Aktion startet. Ein Lkw-Konvoi mit Mobilkränen, Schwimmpontons und Rohren trifft am Hafen von Kirchdorf ein.
17. April: Ein Bagger auf einer schwimmenden Plattform fährt Richtung Wal. Nach der Annäherung durch einen Taucher reagiert der Buckelwal heftig mit starken Bewegungen.
18. April: Tücher auf dem Wal, schwimmende Arbeitsplattform und wohl erste Probespülungen in der Nähe des Tieres. Helfer versuchen erneut, in das Maul des Buckelwals zu schauen, um mögliche Netzreste zu entfernen – ohne Erfolg.
Wal schwimmt plötzlich los - und setzt wieder auf
20. April: Nach drei Wochen schwimmt das Tier morgens von selbst los. Teammitglieder versuchen, es von Booten aus Richtung offene Ostsee zu treiben. Nach zwei Stunden und viel Hin und Her verharrt der Wal aufs Neue im Flachwasser, diesmal am Übergang des Kirchsees zur Wismarbucht.
27. April: Eine sogenannte Barge trifft in Wismar ein. Übers Wochenende war der 50 Meter lange und 13 Meter breite Lastkahn über den Nord-Ostsee-Kanal in Richtung Wismarbucht gebracht worden. Der Wal soll in dem Becken Richtung Nordsee gebracht werden.
28. April: Ein Schlepper hat die Barge mit dem Buckelwal übernommen. Der motorlose Lastkahn mit dem Wal soll auf dem Weg zur Nordsee von dem Schlepper gezogen werden.
30. April: Die Barge mit dem Wal ist auf dem Weg Richtung Nordsee. Experten des Meeresmuseums Stralsund warnen davor, das Tier im Meer abzulassen. Es könnte unmittelbar ertrinken.
Der Wal wird ins Meer freigelassen
2. Mai: Der Buckelwal ist von der Barge in die Nordsee gelassen worden.
3. Mai: Es gibt keine Daten vom Sender, der an dem Tier befestigt worden war. Der Verbleib des Buckelwals ist unklar.
Toter Wal vor dänischer Insel
14. Mai: Ein toter Wal wird vor der dänischen Insel Anholt entdeckt.
16. Mai: Die Seriennummer des Senders bestätigt: Das tote Tier ist der Buckelwal, um dessen Rettung Helfer seit März gerungen hatten.
19. Mai: Die dänischen Behörden wollen den Kadaver des als „Timmy“ bekannten Buckelwals bergen und eine Obduktion ermöglichen.
21. Mai: Erste Transportversuche des Kadavers auf das dänische Festland scheitern
28. Mai: Der tote Wal bleibt nun doch auf der dänischen Insel Anholt und wird direkt am Strand obduziert. Das tote Tier lag rund zwei Wochen im flachen Wasser.
30. Mai: Auf der dänischen Insel Anholt wird der Kadaver an Land gebracht.
4. Juni: Am Strand der dänischen Insel wird der tote Buckelwal öffentlich obduziert. Eine klare Todesursache konnte das Expertenteam bei den Untersuchungen zunächst nicht feststellen. Klar ist aber: Der Wal mit dem männlichen Namen ist wie vermutet ein Weibchen.
9. Juni: Nach der Obduktion und dem Transport von Teilen des Buckelwals auf das Festland werden die Überreste des Tieres in einer dänischen Fabrik verwertet. Manche Knochen des Tieres kommen in die Sammlung des Naturhistorischen Museums in Kopenhagen
11. Juni: Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) will die Ergebnisse der mit Spannung erwarteten Auswertung des Senders am Buckelwal vorstellen.
Nach Wochen der vergeblichen Versuche sollte der Wal in die Nordsee gebracht werden.Philip Dulian/dpa
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Backhaus‘ Umweltministerium duldete die Rettungsversuche.Jens Büttner/dpa
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Von einer Sandbank vor Timmendorfer Strand hatten Helfer das Tier noch befreien können. Ulrich Perrey/dpa
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