Vom Überleben der kleinen Kinos
Steigende Kosten und Streaming-Dienste setzen den kleinen unabhängigen Kinos in Hessen zu. Wie Betreiber um ihr Publikum kämpfen – und warum staatliche Hilfe für sie so wichtig ist.
Dem Kino-Betreiber Christian Dämgen machen steigende Einkaufspreise für Getränke, Popcornmais und Nachos zu schaffen. Andrea Löbbecke/dpa
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Wer in Bad Schwalbach Lust auf einen gemütlichen Kinoabend hat - der muss nicht ins rund 20 Kilometer entfernte Wiesbaden fahren. In dem Taunus-Städtchen gibt es noch ein kleines unabhängiges Kino. Betreiber Christian Dämgen stürzte sich 2016 in das Wagnis, die Kinotradition in dem Kurort fortzusetzen, nachdem der Vorhang für die letzte Vorstellung einige Jahre zuvor gefallen war. Allerdings kämpft der Kino-Chef mit erheblichen Herausforderungen.
Der Kino-Betreiber Christian Dämgen kritisiert die seiner Meinung nach zu starren Vorgaben der Filmverleiher etwa bei den Laufzeiten.Andrea Löbbecke/dpa
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Insbesondere machen ihm steigende Einkaufspreise zu schaffen, für Strom und Gas, aber auch für Getränke, Popcornmais und Nachos. „Diese Kosten werden gefühlt permanent erhöht“, sagt Dämgen. „Als kleines Kino können und wollen wir diese Preissteigerungen nicht bei jeder Anpassung vollständig an unsere Gäste weitergeben.“
Als zentrales Problem nennt Dämgen auch die durchschnittliche Qualität aktueller Kinofilme. „Betrachtet man die letzten zehn Jahre, fällt es vielen schwerer, herausragende und nachhaltig erinnerbare Filme zu benennen als etwa bei den Kinojahrzehnten der 1980er und 1990er Jahre.“ Diese Entwicklung beeinflusse die Attraktivität des Kinos insgesamt und stelle speziell kleine Häuser vor Herausforderungen.
Im vergangenen Jahr gab es an 66 Orten in Hessen ein Kino - darunter das Bambi/Camera in Bad Schwalbach.Andrea Löbbecke/dpa
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„Wenn Besucher Eintritt, Gastronomie und den gesamten Aufwand eines Kinobesuchs zusammenrechnen und den Film im Nachhinein als lediglich mittelmäßig wahrnehmen, wirkt sich das unmittelbar auf die Entscheidung für den nächsten Kinobesuch aus“, erklärt Dämgen. In solchen Fällen wichen wohl einige künftig eher auf Streaming-Angebote aus.
Ein zentrales strukturelles Problem für kleine Kinos seien zu starre Vorgaben der Filmverleiher etwa bei den Laufzeiten, ergänzt der Kino-Betreiber. Neustarts müssen in der Regel über mehrere Wochen im Vollprogramm gespielt werden. „In dieser Zeit sind wir faktisch gebunden und können kaum Abwechslung oder alternative Angebote einbauen.“
Weniger Kinos in Hessen
Die Zahl der Kinos ist in Hessen insgesamt leicht gesunken. Seit 2014 wurden bis zum vergangenen Jahr landesweit 15 Kinos geschlossen, wie das Kulturministerium auf eine parlamentarische Anfrage der FDP-Landtagsfraktion mitteilte. Da es Neueröffnungen gab, sank demnach die Gesamtzahl in dem Zeitraum von 109 auf 100 Häuser. Von den Schließungen waren laut Ministerium 13 Kommunen betroffen, darunter eher kleinere.
„In Kinos können Filme ihre Kraft bestmöglich entfalten“ - bekräftigt das hessische Kulturministerium.Andrea Löbbecke/dpa
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„Veränderte Seh- und Mediengewohnheiten sowie steigende Kostenbelastungen stellen für viele Kinos eine erhebliche Herausforderung dar“, bilanziert das Ministerium. Es sei Ziel der Landesregierung, die Kinoförderung für alle Kinos, insbesondere im ländlichen Raum, zu stärken. Problematisch sei, dass die Förderung des Bundes über das „Zukunftsprogramm Kino“ ausgelaufen sei. Dadurch seien die Fördertöpfe des Landes schneller leer, weniger Projekte profitierten.
„In Kinos können Filme ihre Kraft bestmöglich entfalten. Sie sind Orte der Kreativität, des kulturellen Erlebnisses und des Austauschs“, ergänzt das Ministerium. Im vergangenen Jahr gab es an 66 Orten in Hessen ein Kino - zehn Jahre zuvor waren es noch 71 Kommunen gewesen.
Das besondere Kinoflair kann Streaming nicht ersetzen
Das Kino im Kreml Kulturhaus in Zollhaus im Rhein-Lahn-Kreis liegt direkt an der hessisch-rheinland-pfälzischen Grenze. „Die steigenden Energiekosten stellen aktuell eine der größten Herausforderungen für uns dar“, sagt der Geschäftsführer Björn Völker. Auch Streaming-Dienste wirkten sich spürbar auf das Geschäft aus, da viele Filme schon früh digital verfügbar seien. „Gleichzeitig schätzen unsere Stammkunden unser kleines, gemütliches Programmkino und kommen gezielt wegen des besonderen Kinoflairs zu uns.“
Staatliche Unterstützung enorm wichtig
Das Kino im Kreml erreichte 2025 wieder das Besucherniveau von vor der Corona-Pandemie, wie Völker berichtet. „Das zeigt, dass das Interesse an Kinobesuchen nach wie vor groß ist, auch wenn sich die Gewohnheiten einzelner Zuschauergruppen verändert haben.“ Um kleine Kinos dauerhaft zu erhalten, sei staatliche oder kommunale Unterstützung „sehr relevant“, bekräftigt der Geschäftsführer. Ohne diese Finanzspritzen könnten viele Projekte und Investitionen nicht gestemmt werden.
„Förderprogramme sind für kleine Kinos essenziell“, bekräftigt auch Kino-Betreiber Dämgen. „Ohne diese Unterstützung wäre die wirtschaftliche Tragfähigkeit vieler Häuser langfristig gefährdet.“