WM 2026

Vom Taschengeld zur Weltbühne: Penso pfeift deutsches Spiel

Für Tori Penso war die Schiedsrichterei lange nur eine Leidenschaft am Wochenende. Wie sie im Job an der Pfeife Karriere machte und oft Geschichte schrieb.

25.06.2026

Tori Penso leitete das Spiel zwischen Tschechien und Südafrika. (Archivbild)Mike Stewart/AP/dpa

Tori Penso leitete das Spiel zwischen Tschechien und Südafrika. (Archivbild)Mike Stewart/AP/dpa

© Mike Stewart/AP/dpa

Die Geschichte begann mit dem Wunsch nach etwas mehr Taschengeld. Tori Penso war 12 oder 13 Jahre alt und ihre Mutter riet ihr, sich als Schiedsrichterin bei Jugendspielen etwas dazuzuverdienen. Fast drei Jahrzehnte später wird Penso in New York heute (22.00 Uhr/ARD und MagentaTV) das deutsche WM-Spiel gegen Ecuador leiten.

Der Ausgangspunkt dafür war nicht nur der Rat der Mutter, sondern das WM-Finale im selben Jahr. 1999 besiegten die US-Frauen China, Brandi Chastain zog sich nach ihrem verwandelten Elfmeter das Trikot vom Leib, fiel auf die Knie - und schuf ein heute ikonisches Bild. „Es war das erste Mal, dass ich eine Frau als Athletin wahrgenommen habe. Es veränderte mein ganzes Weltbild“, sagte Penso.

Leidenschaft am Wochenende

Die Schiedsrichterei wurde zur Leidenschaft der US-Amerikanerin, mit dem Geld kaufte sie sich ihr erstes Auto. Und lernte fürs Leben. „Schnelle Entscheidungen zu treffen, den Mut zu haben, vor schreienden Eltern auf dem Feld zu sein - das hat mir viele Fähigkeiten verschafft“, sagte Penso.

An Wochenenden leitete sie Spiele, von Montag bis Freitag arbeitete sie im Marketing einer Werbeagentur. „Es gab keine hauptberuflichen Schiedsrichterinnen in den USA. Deshalb hatte ich das nie als Beruf in Erwägung gezogen“, erinnerte sich Penso.

Karriereschwung ab 2020

Doch das änderte sich. Durch ein olympisches Programm kam sie im Schiedsrichterwesen beruflich voran, privat lernte sie ihren späteren Mann Chris kennen - natürlich ist er auch Schiedsrichter.

Tori Penso war auch bei der WM der Frauen im Einsatz, pfiff das Finale. (Archivbild)Abbie Parr/AP/dpa

Tori Penso war auch bei der WM der Frauen im Einsatz, pfiff das Finale. (Archivbild)Abbie Parr/AP/dpa

© Abbie Parr/AP/dpa

In diesem Jahrzehnt nahm Pensos Karriere Fahrt auf. 2020 leitete sie als erste Frau ein Spiel in der US-Profiliga MLS, 2023 wurde sie erste Schiedsrichterin bei einem WM-Finale, als Spanien England besiegte. Informiert wurde sie darüber von Schiedsrichter-Legende Pierluigi Collina. An den Moment erinnert sie sich noch genau. „Ich schmolz dahin“, sagte Penso.

Am vergangenen Donnerstag leitete Penso das Gruppenspiel zwischen Tschechien und Südafrika. „Sie hat sehr gute Feld-Entscheidungen getroffen und brauchte bei vielen Szenen den VAR nicht“, sagte der frühere Schiedsrichter Frank Willenborg dem „Kicker“.

Sie wurde damit die zweite Frau, die bei einer Männer-WM als Schiedsrichterin zum Einsatz kam. Pionierin war die Französin Stéphanie Frappart - sie pfiff 2022 in Katar das Spiel zwischen Deutschland und Costa Rica. Nun ist Penso beim DFB-Spiel gefordert.