Vorwurf Dreifachmord - Angeklagter bittet um Verzeihung
Es ist eine ungeheuerliche Tat, die dem Angeklagten vorgeworfen wird: Dreifachmord. Vor dem Landgericht Deggendorf hat sich der Mann nun erstmals ausführlich geäußert. Das Motiv blieb im Dunklen.
Ein 39 Jahre alter Mann ist vor dem Landgericht Deggendorf angeklagt, die Staatsanwaltschaft wirft ihm Mord an zwei Nachbarinnen und einem Nachbarn in einem Mehrfamilienhaus in Zwiesel vor.Ute Wessels/dpa
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Im Sommer 2025 stellt sich ein Mann in Linz der Polizei, berichtet von drei Leichen in einem Mehrfamilienhaus in Zwiesel. Als Beamte nachsehen, finden sie die drei Toten. Grausam zugerichtet. Dem 39-Jährigen wird dreifacher Mord vorgeworfen und vor dem Landgericht Deggendorf der Prozess gemacht. Dort hat er nun Angaben zu dem Geschehen gemacht. Ein konkretes Motiv nannte er nicht.
Was sich herauskristallisierte, war eine Gemengelage zwischen Trennungsfrust sowie Alkohol- und Drogenkonsum. Der Angeklagte berief sich immer wieder auf Erinnerungslücken. Die von der Staatsanwaltschaft erhobenen Vorwürfe räumte er in weiten Teilen ein. Während seiner etwa 90-minütigen Aussage im Beisein mehrerer Angehöriger der Opfer war der Mann sichtlich angespannt. Er bereue, was er getan habe, und könne sich die Taten nicht erklären.
Der Angeklagte, ein slowakischer Staatsangehöriger, gestand, im Sommer 2025 eine 22 Jahre alte Nachbarin und deren 56-jährigen Partner mit einem Hammer erschlagen und die Leiche einer 26-jährigen Nachbarin zerteilt zu haben. An deren Tötung könne er sich aber nicht erinnern. Laut Anklage erdrosselte er die Frau.
Sorge, die Tochter zu verlieren
Der Mann berichtete von seiner Kindheit. Er wuchs ohne Vater auf, als seine Mutter mit einem neuen Partner eine Familie gründete, habe er sich nicht mehr zugehörig gefühlt. Er sei von zu Hause rausgeflogen, nach Tschechien gegangen, auf der Straße gelandet, habe Drogen genommen und im Gefängnis gesessen. Danach sei er nach Zwiesel gezogen, habe eine Beziehung geführt, aus der seine heute drei Jahre alte Tochter stammt. Er habe ein guter und fürsorglicher Vater sein wollen. Sowohl er als auch seine Freundin hätten Drogen genommen.
Als seine Freundin zu ihrem Vater nach Baden-Württemberg gezogen sei, er kaum noch Kontakt zu seinem Kind gehabt und die Frau ihn auf dem Handy und in sozialen Netzwerken blockiert habe, habe er angefangen, immer mehr Drogen und Alkohol zu konsumieren. Er vermutet, die Frau habe den Kontakt zu ihm abgebrochen, weil er ihr kein Crystal mehr habe besorgen wollen.
In der Zeit vor den Taten habe er teilweise tagelang nicht mehr geschlafen. Er habe täglich fünf bis zehn Bier, bis zu einem Liter Hochprozentiges, sowie mehrere Joints, Crystal und zahlreiche Tabletten genommen.
Leiche zerteilt
Am Abend der ersten Tat sei die 26-jährige Nachbarin bei ihm zu Besuch gewesen. Den Ermittlungen zufolge sowie laut mehrere Zeugenaussagen hatte sie zuvor Streit mit ihrem Freund gehabt, war bereits angetrunken.
Der Angeklagte sagte, sie hätten zusammen Alkohol und Drogen konsumiert. Er sei eingeschlafen und habe beim Aufwachen die Leiche bemerkt. Er sei in Panik geraten, habe das für eine Halluzination gehalten, sei aus der Wohnung gelaufen. An Zeitabläufe könne er sich nur bruchstückhaft erinnern. Er habe gehofft, dass bei seiner Rückkehr alles wieder in Ordnung sei. „Leider war es aber nicht so.“
Die Leiche habe er mit einem Küchenmesser zerteilt. „Dabei übergab ich mich.“ Den Oberkörper habe er in den Kühlschrank gepackt und weitere Leichenteile in einen Wald gebracht. Er habe sich der Polizei stellen wollen, aber befürchtet, dann seine Tochter nicht mehr sehen zu dürfen. Es habe ein Termin mit der Sozialarbeiterin wegen des Umgangsrechts angestanden.
„Warum ich das tat, weiß ich überhaupt nicht.“
Etwa zwei Wochen später, am Abend der zweiten Tat, sei seine 22 Jahre alte Nachbarin zu ihm gekommen, weil es bei ihr einen Kabelbrand gegeben hatte. Als sie später bei ihm gesessen habe, habe er sie mit einem Hammer niedergeschlagen und vom Sofa gezogen. „Warum ich das tat, weiß ich überhaupt nicht.“ An weitere, in der Anklage beschriebene Details - er soll etwa versucht haben, die Tote sexuell zu missbrauchen - könne er sich nicht erinnern.
Als es an der Türe klopfte, habe er dort den Freund der Getöteten vermutet. Daraufhin sei er in dessen Wohnung gegangen, habe ihn mit einem Hammer erschlagen und den Toten zugedeckt. Danach habe er das Haus verlassen. Nach seiner Rückkehr habe er die Leiche der 22-Jährigen in seiner Wohnung in einen Bettkasten gelegt.
Alpträume und Reue
Einige Tage später sei er wahllos in einen Zug gestiegen, in Linz ausgestiegen und habe sich der Polizei gestellt. „Ich war psychisch absolut erschöpft, ich spürte, fühlte, dass ich nicht mehr kann und wünschte mir nur eines: Dass dieser Horror, Wahnsinn endlich aufhört.“ Seit seiner Festnahme werde er von Alpträumen voller Gewalt verfolgt.
Zum Schluss seiner Ausführungen sagte er: „Für alles, was ich getan habe, bitte ich um Verzeihung. Es tut mir wirklich, wirklich sehr leid.“ Er könne sich die Taten nicht erklären und sei überzeugt, dass das nüchtern nicht passiert wäre. Der Getötete sei einer seiner besten Freunde gewesen. „Umso schwerer ist es für mich zu akzeptieren, was passiert ist und welche Folgen es hat. Ich bereue zutiefst, dass ich den geschädigten Familien so viel Leid und Schmerz zugefügt habe.“ Er könne seine Taten weder rückgängig noch wiedergutmachen.
Anklage: Mehrere Mordmerkmale erfüllt
Nach der Einlassung des Angeklagten verschafften sich die Verfahrensbeteiligten mittels einer Virtual-Reality-Brille einen Eindruck vom Tatort. Die Staatsanwaltschaft sieht mehrere Mordmerkmale als erfüllt an: in allen drei Fällen Heimtücke, bei den Frauen zur Befriedigung des Sexualtriebs. Im zweiten und dritten Fall Grausamkeit und bei dem Mann zur Verdeckung einer Straftat. Das Urteil könnte am 19. November gesprochen werden.