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Seltenes Babyglück: Junge Mutter bringt Vierlinge zur Welt

Louise und Tom Ammon aus dem Erzgebirge sind frischgebackene Eltern von Vierlingen. Schon vor der Geburt haben sie ihr Leben umgekrempelt. Wie das künftig wird? „Auf alle Fälle sehr chaotisch.“

01.07.2026

Louise Ammon und ihr Mann Tom stehen wenige Tage vor der Geburt ihrer Vierlinge vor der Frauenklinik in Chemnitz. Hendrik Schmidt/dpa

Louise Ammon und ihr Mann Tom stehen wenige Tage vor der Geburt ihrer Vierlinge vor der Frauenklinik in Chemnitz. Hendrik Schmidt/dpa

© Hendrik Schmidt/dpa

„Mein erster Gedanke war: Jetzt ist mein Leben vorbei“, sagt Louise Ammon. Sie und ihr Mann Tom haben zum Jahresbeginn ein Wechselbad der Gefühle durchlebt. Erst die Freude, dass sie schwanger ist und sich der Wunsch nach einem Kind erfüllt. Dann werden sie vom Babyglück überrollt: Im Ultraschall waren nicht nur ein Kind, sondern drei, später sogar vier zu sehen. Diese Woche war es nun so weit: Am Montag haben die vier Brüder Mio, Matti, Luke und Levi früher als geplant das Licht der Welt erblickt. „Es geht uns allen gut“, sagt die frischgebackene Mutter glücklich am Telefon. 

Vierlinge sind statistisch gesehen wie ein Fünfer mit Superzahl im Lotto: Auf etwa 600.000 Geburten kommt eine Vierlingsgeburt, deutschlandweit im Schnitt also eine pro Jahr. Das stellt Kliniken vor besondere Herausforderungen. Denn die Babys kommen fast unausweichlich Wochen vor dem eigentlichen Geburtstermin zur Welt und brauchen als Frühchen besondere Pflege - und das gleich vierfach. 

In Sachsen sind das Klinikum Chemnitz sowie die Unikliniken Leipzig und Dresden Perinatalzentren Level 1. Sie bieten die höchste medizinische Versorgungsstufe für Schwangere und Neugeborene - gerade bei Risikoschwangerschaften, Früh- und Mehrlingsgeburten. 

Große Freude - aber auch Respekt vor der Herausforderung

Der eigentliche Geburtstermin war Anfang September, aber bis dahin wollten weder die Eltern noch die Ärzte warten. „Im Bauch wachsen vier Kinder gleichzeitig und irgendwann sind die Grenzen erreicht“, erklärt der Leitende Oberarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Jörg Stolle. Dadurch wachse der Druck auf den Muttermund. Auch könne der hohe Druck im Bauch dazu führen, dass die Durchblutung der Platzenten gestört und die Babys nicht mehr ausreichend versorgt würden. 

Vor einer Woche waren die vier Jungs noch im Bauch ihrer Mutter, am Montag (29. Juni) haben sie per Kaiserschnitt das Licht der Welt erblickt.Hendrik Schmidt/dpa

Vor einer Woche waren die vier Jungs noch im Bauch ihrer Mutter, am Montag (29. Juni) haben sie per Kaiserschnitt das Licht der Welt erblickt.Hendrik Schmidt/dpa

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Deswegen wurde im Krankenhaus kontinuierlich überwacht, wie es den Kindern geht, wie sie wachsen und ob es Auffälligkeiten gibt. Ziele der Ärzte waren die 32. Schwangerschaftswoche und ein Gewicht der Kinder von jeweils 1.500 Gramm. Doch nun ging es auf einmal schnell. In der Nacht zum Montag - also in der 30. Schwangerschaftswoche - sei die Fruchtblase geplatzt, erzählt Louise Ammon. Daraufhin wurden die Kinder per Kaiserschnitt geholt. Levi und Mio sind die Kleinsten und wiegen noch unter 900 Gramm, Luke bringt es auf 1.100 Gramm, Matti ist mit 1.350 Gramm der Kräftigste. 

„Aktuell schlafen die vier Jungen viel und erholen sich geschützt von ihrer frühen Geburt“, informieren die Ärzte. „Sie werden beim Atmen schonend unterstützt und über die Nabelvene zuverlässig mit allen wichtigen Nährstoffen und Flüssigkeit versorgt.“ Ziel sei, dass sie gut zu Kräften kämen und rund um ihren ursprünglich errechneten Geburtstermin im September nach Hause könnten. Es ist der erste Nachwuchs für Louise Ammon und ihren Mann Tom. 

Von Anfang an Freude

Was ging ihm durch den Kopf, als er erfuhr, dass er auf einen Schlag vierfacher Vater wird? „Ich habe erst einmal lachen müssen“, erzählt der 25-Jährige, der in der Logistik eines großen Autobauers arbeitet. „Ich konnte nicht anders.“ Die Freude sei von Anfang an da gewesen. „Aber auch Respekt vor dieser großen Herausforderung.“ 

Zwei der Vierlinge sind eineiig, die anderen jeweils aus einer eigenen Eizelle entstanden. Alles sei auf natürlichem Weg ohne Hormone gegangen, versicherte Louise Ammon bei einem Gespräch wenige Tage vor der Geburt. Die Ärzte hätten sie auch aufgeklärt, dass bei Mehrlingsschwangerschaften mitunter einige Föten abgetrieben würden, um das Risiko für etwaige Komplikationen zu verringern. 

„Aber wir haben von Anfang an gesagt: Nein, das bekommen wir nicht übers Herz.“ Ihr Mann nickt: „Ein gesundes Kind wegmachen zu lassen, das wollten wir auf keinen Fall. Da waren wir uns einig.“

Leben künftig als Großfamilie: Louise und Tom Ammon aus dem Erzgebirge sind frischgebackene Eltern von Vierlingen. Hendrik Schmidt/dpa

Leben künftig als Großfamilie: Louise und Tom Ammon aus dem Erzgebirge sind frischgebackene Eltern von Vierlingen. Hendrik Schmidt/dpa

© Hendrik Schmidt/dpa

Schon Wochen und Monate vor der Geburt haben die Vierlinge das Leben der beiden Mittzwanziger auf den Kopf gestellt. Im Frühjahr heirateten sie fix im kleinen Kreis und eine neue Wohnung musste her. „Unsere Drei-Raum-Wohnung in Oelsnitz ist definitiv zu klein“, sagt Papa Tom Ammon. Für die werdende Großfamilie habe ein Vermieter in Lichtenstein zwei Wohnungen im Erdgeschoss zu einer Sieben-Raum-Wohnung zusammengelegt, erzählt er. Noch im Juli ist der Einzug geplant. 

„Brauchen auf alle Fälle einen Kleinbus“

Die Suche nach einem größeren Auto läuft noch. „Wir brauchen auf alle Fälle einen Kleinbus“, sagt Louise Ammon. Sie teilt die Erlebnisse ihrer ungewöhnlichen Schwangerschaft auch auf Instagram. Dadurch sei ein Kinderwagenhersteller aufmerksam geworden und habe zwei Zwillingswagen zur Verfügung gestellt. „Das hilft uns alles sehr.“ 

Und wie stellt sich das junge Paar das Leben mit vier kleinen Jungs vor? „Auf alle Fälle sehr chaotisch“, sagt die 24-Jährige. „Unser Leben wird sich von null auf hundert verändern. Aber es wird trotzdem schön.“ „Auf jeden Fall“, pflichtet ihr Mann bei. „Und wir wissen, dass wir viel Unterstützung aus der Familie und von Freunden bekommen.“ 

Sie beide seien absolute Familienmenschen und als gelernte Erzieherin hat Louise Ammon Erfahrung im Umgang mit kleinen Kindern. So sei die anfängliche Frage, wie sie das alles schaffen sollten, der Gewissheit gewichen, erzählen sie: „Wir schaffen das!“

Das Klinikum Chemnitz bietet als Perinatalzentrum Level 1 die höchste medizinische Versorgungsstufe für Schwangere und Neugeborene - gerade bei Risikoschwangerschaften, Früh- und Mehrlingsgeburten. (Symbolbild)Hendrik Schmidt/dpa

Das Klinikum Chemnitz bietet als Perinatalzentrum Level 1 die höchste medizinische Versorgungsstufe für Schwangere und Neugeborene - gerade bei Risikoschwangerschaften, Früh- und Mehrlingsgeburten. (Symbolbild)Hendrik Schmidt/dpa

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