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Vier Jahre nach Kriegsbeginn: Wie MV der Ukraine hilft

Feriencamps und Tarnnetze: Eine ganze Reihe von Initiativen in Mecklenburg-Vorpommern versuchen, Menschen in der kriegsgeplagten Ukraine zu helfen. Das Land unterstützt mit etwas Geld.

21.02.2026

Im Rostocker Stadtteil Toitenwinkel werden Tarnnetze für die Ukraine geknüpft. Bernd Wüstneck/dpa

Im Rostocker Stadtteil Toitenwinkel werden Tarnnetze für die Ukraine geknüpft. Bernd Wüstneck/dpa

© Bernd Wüstneck/dpa

Der seit vier Jahren andauernde russische Krieg gegen die Ukraine ist in Rostock zum Greifen nah. Fast täglich treffen sich derzeit Deutsche und Ukrainer im Zukunftsladen im Stadtteil Toitenwinkel - um Tarnnetze für die Front zu knüpfen, wie Organisator Mykhailo Isaiev sagt.

Das im November als Eigeninitiative mit einer Handvoll Mitstreitern gestartete Projekt zähle inzwischen 40 bis 50 ehrenamtliche Helfer. Das Material werde in der Ukraine gekauft - das sei billiger - und in Rostock von Hand zu Schutznetzen für Panzer und Stellungen verarbeitet. Anfangs habe er sein eigenes Geld eingesetzt, inzwischen kämen dankenswerterweise Spenden, sagt Isaiev.

Die Tarnnetz-Knüpferei ist eine von einer ganzen Reihe Initiativen in Mecklenburg-Vorpommern, mit denen die Ukraine unterstützt wird, die am 24. Februar 2022 von Russland überfallen wurde. Dieser Tag gilt als Beginn der sogenannten Vollinvasion. Im Osten des Landes wird bereits seit 2014 gekämpft. In jenem Jahr annektierte Russland auch die zur Ukraine gehörende Halbinsel Krim.

100.000 Euro pro Jahr vom Land MV

Das Europaministerium in Schwerin stellt seit 2024 jährlich 100.000 Euro für die Ukraine-Hilfe zur Verfügung, wie ein Sprecher von Ministerin Bettina Martin (SPD) mitteilt. Zunächst bis 2027 ist dieses Geld sicher und eingeplant. Mit diesen Mitteln könnten keine Waren beschafft werden, räumt der Sprecher ein. „Das Land kann mit diesem Geld aber Vereine und Initiativen unterstützen, die zum Beispiel Transporte in die Ukraine durchführen oder Ferienlager anbieten.“ 

Im Juni vergangenen Jahres erholten sich 30 Jugendliche aus der Partnerregion Tschernihiw bei einem zweiwöchigen Ferienlager am Schweriner See. Organisiert wurde das Camp „Ferien vom Krieg“ von der Arbeiterwohlfahrt. Im September machten acht Jugendliche aus der Stadt Korjukiwka auf Initiative des Kreisdiakonischen Werkes in Stralsund Urlaub. Auch in diesem Jahr sollen wieder ukrainische Jugendliche zur Erholung nach MV eingeladen werden.

Psychotherapeutische Workshops

Unterstützt würden mit dem Geld vom Land auch 2024 begonnene psychotherapeutische Online-Workshops der Universität Greifswald mit medizinischem Personal in Tschernihiw, sagte der Ministeriumssprecher. Das Projekt wurde demnach 2025 ausgeweitet. Es soll fortgeführt werden.

„Der völkerrechtswidrige Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine geht jetzt in das fünfte Jahr. Das ist eine Katastrophe für die Menschen vor Ort, die seit Jahren für die Freiheit ihres Landes und auch unsere Freiheit kämpfen“, sagt Europa- und Kulturministerin Martin. „Wir sehen täglich die Bilder von Krieg, Leid und Zerstörung. Bei meinem Besuch in unserer Partnerschaftsregion Tschernihiw konnte ich mir selbst ein Bild von der Situation der Menschen in der Ukraine machen.“ MV stehe fest an der Seite Ukrainerinnen und Ukrainer, versicherte sie.

„Wir hoffen alle gemeinsam, dass dieser schreckliche Krieg bald zu Ende ist“, so Martin weiter. „Wir bauen heute die Brücken auf, um die Ukraine auf ihrem Weg in Frieden in Freiheit und beim Wiederaufbau zu unterstützen.“ Im Oktober 2025 reiste eine Delegation von zehn Unternehmerinnen aus Tschernihiw nach MV - organisiert von der Industrie- und Handelskammer Rostock.

Partnerregion Tschernihiw

Seit Anfang 2024 pflegt das Land Mecklenburg-Vorpommern eine Partnerschaft mit der Region Tschernihiw im Norden der Ukraine an der Grenze zu Belarus und Russland. Doch schon davor - 2023 - habe das Land diverse Transporte mit Hilfsgütern aus Landesbeständen, etwa Notstromgeneratoren, Powerbanks und Mobilfunkgeräte, in die Region Charkiw und andere Regionen der Ukraine geliefert, so das Ministerium. Im Jahr darauf wurde demnach Schulausrüstung in das Kriegsland gebracht und die Instandsetzung und der Ausbau von Schutzräumen an fünf Schulen unterstützt.

Auch Kommunen helfen: So wurden voriges Jahr ausrangierte Nutzfahrzeuge der Stadt Grevesmühlen (Nordwestmecklenburg) und des Energieversorgers Wemag in die ukrainische Partnergemeinde von Grevesmühlen, Itschnja, geschickt. Das Ministerium übernahm die Transportkosten.

Am Montag könnten vielerorts in MV gelb-blaue Fahnen wehen. Das Innenministerium hat den öffentlichen Dienststellen im Land erlaubt, am 23. Februar die ukrainische Flagge aufzuziehen. Damit soll an den Einmarsch Russlands in die Ukraine am 24. Februar 2022 erinnert werden.

Im „Zukunftsladen“ knüpfen Vereinsmitglieder Tarnnetze für die Ukraine. Bernd Wüstneck/dpa

Im „Zukunftsladen“ knüpfen Vereinsmitglieder Tarnnetze für die Ukraine. Bernd Wüstneck/dpa

© Bernd Wüstneck/dpa

40 bis 50 ehrenamtliche Helfer zählt das Projekt der Tarnnetz-Knüpferei in Rostock-Toitenwinkel.Bernd Wüstneck/dpa

40 bis 50 ehrenamtliche Helfer zählt das Projekt der Tarnnetz-Knüpferei in Rostock-Toitenwinkel.Bernd Wüstneck/dpa

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