VfL Wolfsburg kämpft um den Aufstieg - und ein anderes Image
Nur selten war ein Verein vor einer Saison in der 2. Bundesliga so eindeutig favorisiert: Der VfL Wolfsburg will zurück in die Eliteliga. Dazu hat er sich auf vielen Ebenen neu aufgestellt.
Gibt in dieser Saison beim VfL Wolfsburg die Richtung vor: Trainer Tobias Strobl. (Archivbild) Swen Pförtner/dpa
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In der Zentrale des Volkswagen-Konzerns ringt VW-Chef Oliver Blume um die Zukunft des Autobauers. Wenige Kilometer entfernt scheint rund um die Volkswagen Arena die Zukunft schon begonnen zu haben - zumindest hoffen die Verantwortlichen des VW-Clubs VfL Wolfsburg das. Ob der eingeschlagene Weg in eine bessere Zukunft führt, soll sich schon in der anstehenden Zweitliga-Saison zeigen.
Nach dem Sturz der Niedersachsen aus der Fußball-Bundesliga in die sportliche Zweitklassigkeit war es Blume selbst, der den VfL als Sanierungsfall beschrieb. Zugleich forderte der 58-Jährige nach dem Tiefschlag einen Neuanfang.
Trotz eigener Krise und Abstiegs: VW steht zum VfL Wolfsburg
„Wir werden jeden Stein umdrehen. Wir werden vieles infrage stellen, was sich in den letzten Jahren eingeschliffen hat. Man kann so einen Schlag auch dafür nutzen, um sich zu erneuern und zu sanieren“, hatte der Konzernmanager im Juni gesagt - und das Ziel für die anstehende Saison vorgegeben: „Wir wollen es gleich wieder packen.“
Auch wenn der Konzern in einer tiefen Krise steckt, das Engagement für den VfL Wolfsburg steht nicht zur Disposition. In der kommenden Saison wird der Verein nach dpa-Informationen mit 50 Millionen Euro unterstützt.
Heckings Kampf für ein anderes Image
Das Image des Krösus wird der VfL Wolfsburg angesichts solcher Zahlen sicher nicht los - auch wenn der neue Sport-Geschäftsführer Dieter Hecking (61) genau das will, wie er in einem interview der „Wolfsburger Allgemeine Zeitung“ sagte. „Ich möchte, dass die Leute sagen: Der VfL hat einen starken Partner an seiner Seite, aber sie bauen dort auch selbstständig etwas auf, was funktioniert.“
Er wünsche sich, wenn es Volkswagen nicht gut geht, dass „wir als Tochter der Mutter ein wenig helfen können. Dass wir mit unseren positiven Auftritten auch ins Werk hineinstrahlen können. Dass der VfL wieder Spaß macht in Zeiten, in denen es vielen Menschen bei VW gerade nicht so gut geht.“
Drei Wolfsburg-Macher: Sport-Geschäftsführer Dieter Hecking, Sportdirektor Pirmin Schwegler und Aufsichtsratsmitglied Diego Benaglio (l-r). (Archivbild)Swen Pförtner/dpa
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Wenig Frust nach Abstieg, viel Lust auf Neues
Langes Wehklagen war in Wolfsburg nicht zu hören, nachdem der Abstieg des VfL unter Hecking als Cheftrainer in der Relegation gegen den Zweitliga-Dritten SC Paderborn Ende Mai feststand. Irgendwie habe man das Gefühl gehabt, dass es zu diesem Abstieg kommen musste, meinte Hecking. „Natürlich hätten wir es gerne vermieden. Aber wir müssen es jetzt als Chance sehen, konsequent durchzugreifen.“
Auf fast allen Ebenen änderte sich etwas: Hecking, der seit dem Pokalsieg 2015 einen besonderen Status in der Autostadt genießt, war ein Teil davon und wurde zum Sport-Geschäftsführer gekürt. Der Geschäftsführung gehören neu auch Jens Klingfurt (Finanzen) und Steffen Grupp (Marketing, Vertrieb und Fanservice) an.
Experten einig: Wolfsburg der Top-Favorit
In Tobias Strobl (38) holte der Verein einen neuen Cheftrainer, der zuvor in der 3. Liga den SC Verl trainierte. Auch der Kader veränderte sich und wird sich noch weiter verändern. Mit den Verpflichtungen machten die Wolfsburger deutlich, dass nur der Aufstieg zählt.
„Da musst du schon sehr, sehr viel falsch machen, dass du da nicht aufsteigst“, sagte RTL/Sky-Experte und Zweitliga-Rekordtorschütze Simon Terodde in einer Medienrunde der beiden Sender und schob wie sein RTL/Sky-Kollege Felix Kroos den Wolfsburgern die Favoritenrolle zu. „Ich glaube, wenn sie zum Team zusammenwachsen, dann werden sie vorneweg marschieren. Ganz klar, absoluter Favorit“, meinte Ex-Profi Kroos.
Auch der Kapitän ist zufrieden
„Der Verein hat super Transfers getätigt“, sagte Kapitän und Mittelfeldspieler Maximilian Arnold dem NDR. Es seien charakterstarke und viele deutschsprachige Spieler, „was für uns auch ein Pluspunkt ist“. Gemeinsam mit dem jungen Trainer-Team könne „hier etwas entstehen“.
Dass der VfL die Mannschaft stellt, die es zu schlagen gilt, ist dem dienstältesten Wolfsburger schon vor dem Auftakt am 8. August (20.30 Uhr/Sky und RTL) gegen den 1. FC Kaiserslautern klar: „Wir müssen die Favoritenrolle annehmen.“
Weiter Kapitän des VfL Wolfsburg: Maximilian Arnold. (Archivbild)Swen Pförtner/dpa
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Namhafte Zugänge
Die Zugänge sind namhaft und ergeben auf den ersten Blick Sinn. Für Linksaußen Fabian Reese (28) von Hertha BSC, Mittelfeldspieler Muhammad Damar (22) von der TSG Hoffenheim, Abwehrchef Hauke Wahl (32) vom FC St. Pauli, die Stürmer Robert Glatzel (32) vom Hamburger SV und Fraser Hornby (26) von Darmstadt 98, den aktuell verletzten Torwart Timon Wellenreuther (30) und das Talent Alessio Besio (22) von SC Freiburg II gab der Verein laut transfermarkt.de 22,7 Millionen Euro aus - mehr als alle anderen 17 Vereine zusammen. Elvis Rexhbecaj vom FC Augsburg kehrte ablösefrei zurück.
Immerhin hat der VfL Wolfsburg durch Abgänge aber auch schon 22,75 Millionen Euro eingenommen. Zuletzt wechselte Lovro Majer für angeblich sechs Millionen Euro zum griechischen Meister AEK Athen.
Vier Neue für den Wolfsburger Aufstieg: Hauke Wahl (l-r), Fabian Reese, Fraser Hornby und Robert Glatzel. (l-r) (Archivbild)Swen Pförtner/dpa
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XXL-Kader verkleinern
Weitere Abgänge sind nicht nur möglich, sondern auch erwünscht. Anfang der Woche umfasste der Kader von Trainer Strobl noch 39 Spieler - ein Teil des Erbes aus der Zeit von Hecking-Vorgänger Peter Christiansen und Sportdirektor Sebastian Schindzielorz.
Als weitere Verkaufskandidaten gelten Torhüter Kamil Grabara, Stürmer Mohamed Amoura, Mittelfeldspieler Aster Vranckx und die Abwehrspieler Cleiton, Denis Vavro, Konstantinos Koulierakis und Moritz Jenz. An U21-Nationalstürmer Dzenan Pejcinovic ist der VfB Stuttgart interessiert. Den würden die Wolfsburger allerdings ungern ziehen lassen. Entsprechend ist die Forderung: Diese soll bei etwa 25 Millionen Euro liegen.
Spektakuläre Verpflichtung des VfL Wolfsburg: Stürmer Fabian Reese. (Archivbild) Swen Pförtner/dpa
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