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Vermittlung nach Zalando-Aus: Hürden für viele Beschäftigte

Bei Zalando in Erfurt stehen mit der Standortschließung und dem jetzt per Schiedsspruch festgelegten Sozialplan nun massenhafte Entlassungen bevor. Wie ist der Arbeitsmarkt dafür gerüstet?

10.07.2026

Die regionale Arbeitsagentur sieht bei der Vermittlung der Beschäftigten des schließenden Zalando-Logistikzentrums in Erfurt eine große Herausforderung. (Symbolbild)Martin Schutt/dpa

Die regionale Arbeitsagentur sieht bei der Vermittlung der Beschäftigten des schließenden Zalando-Logistikzentrums in Erfurt eine große Herausforderung. (Symbolbild)Martin Schutt/dpa

© Martin Schutt/dpa

Die Vermittlung der von der Schließung betroffenen Beschäftigten des Zalando-Logistikzentrums in Erfurt wird nach Einschätzung der Arbeitsagentur zu einem Kraftakt. Vor allem für die Vielzahl der An- und Ungelernten bei dem Internet-Modehändler dürfte es schwierig werden, passende neue Jobs zu finden, sagte die Chefin der Arbeitsagentur Thüringen Mitte, Irena Michel, der Deutschen Presse-Agentur. Denn der regionale Arbeitsmarkt biete deutlich mehr offene Fachkraftstellen als Helfertätigkeiten.

In der Region sind laut Michel derzeit rund 4.700 offene Stellen gemeldet - mehr als 80 Prozent davon richten sich an Fachkräfte. Für An- und Ungelernte gebe es dagegen nur bis zu 650 offene Stellen. Nach Schätzungen der Arbeitsagentur sind etwa 1.300 der derzeit noch 2.100 Zalando-Mitarbeiter in Anlern- und Helfertätigkeiten beschäftigt. „Es wird kein einfaches Unterfangen, alle in Arbeit zu bringen“, sagte Michel. Allerdings verfügten zahlreiche Beschäftigte über Berufsabschlüsse, auf die bei der Vermittlung aufgebaut werden könne. 

Spezielles Transformationsteam ab August

Um die Beschäftigten möglichst frühzeitig zu unterstützen, stellt die Arbeitsagentur nun ein eigenes Transformationsteam auf. 14 Mitarbeiter sollen dann ab August bei Zalando in Erfurt beraten, Qualifizierungen organisieren und möglichst viele der Betroffenen noch vor Eintritt in die Arbeitslosigkeit in neue Beschäftigung vermitteln, so Michel. 

Die Arbeitsagentur ist bereits seit der Schließungsankündigung im Januar mit wechselnden Beratern direkt bei Zalando vertreten. Das neue Transformationsteam soll künftig auch bei anderen Unternehmen eingesetzt werden, die von größeren Umstrukturierungen, Schließungen oder Arbeitsplatzabbau betroffen sind.

Bislang haben sich laut Michel bereits rund 800 ehemalige oder von Kündigungen betroffene Zalando-Beschäftigte bei der Arbeitsagentur gemeldet. Etwa die Hälfte von ihnen sei als arbeitslos und die andere Hälfte als arbeitssuchend registriert. Dabei handele es sich überwiegend um Arbeitnehmer mit befristeten Verträgen, die bereits ausgelaufen und nicht mehr verlängert wurden. Einige hätten zudem schon vermittelt werden können. Auch Unternehmen hätten bereits Interesse an der Übernahme von Zalando-Mitarbeitern bekundet.

Kritik an verweigerter Transfergesellschaft

Die eigentliche Vermittlungsarbeit in großem Stil beginnt nun mit den anstehenden massenhaften Kündigungen, für die mit der am Donnerstag erfolgten Einigung auf einen Sozialplan die Voraussetzungen gegeben sind. Nach monatelangem Tauziehen zwischen Betriebsrat und Management war dafür der Spruch einer Einigungsstelle nötig. Die Finanzierung einer Transfergesellschaft, die Beschäftigten beim Übergang in eine andere Arbeit helfen sollte, wurde nach Betriebsratsangaben von Zalando verweigert.

Thüringens Arbeitsministerin Katharina Schenk (SPD) zeigte sich enttäuscht darüber, dass Zalando nicht bereit war, zusätzlich zum Sozialplan eine Transfergesellschaft zu finanzieren. „Gerade ein Unternehmen dieser Größe und wirtschaftlichen Stärke hätte die Möglichkeit und aus meiner Sicht auch die soziale Verantwortung gehabt, den betroffenen Beschäftigten in dieser schwierigen Situation stärker zur Seite zu stehen.“ Eine Transfergesellschaft wäre ein wichtiger Baustein gewesen, um den Menschen Sicherheit zu geben, Qualifizierung zu ermöglichen und den Übergang in neue Beschäftigung aktiv zu begleiten, so Schenk. 

Standort schließt Ende September

Der frühere Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke), der dem Betriebsrat beratend zur Seit stand, nannte die Schließung des Standorts eine Fehlentscheidung des Konzern-Vorstands zulasten der Menschen und der Region. Dennoch sei mit der Sozialplan-Einigung ein besseres Ergebnis erreicht worden, als noch vor Monaten absehbar gewesen sei. „Es hat sich gelohnt, zu kämpfen - auch wenn die Schließung ein Schlag ins Gesicht der Menschen ist.“

Zalando will den Erfurter Standort Ende September schließen. Der DAX-Konzern begründet dies mit einer Neuausrichtung des konzerneigenen europaweiten Logistiknetzes nach der Übernahme von About You. Ein neuer Logistikstandort entstehe in Gießen.