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Suchhunde schlagen an: Neue Spur von vermisster Scarlett?

Sechs Jahre nach dem Verschwinden von Scarlett Salice schlagen Suchhunde an einem Felsen im Wehratal mehrfach an. Was ihr Vater und die Helfer nun vermuten, und warum die Suche gefährlich bleibt.

14.09.2026

Ein Suchplakat hängt weiter an dem Supermarkt in Todtmoos, bei dem Scarlett zum letzten Mal gesehen wurde.Philipp von Ditfurth/dpa

Ein Suchplakat hängt weiter an dem Supermarkt in Todtmoos, bei dem Scarlett zum letzten Mal gesehen wurde.Philipp von Ditfurth/dpa

© Philipp von Ditfurth/dpa

Seit sechs Jahren fehlt von Scarlett Salice jede Spur. Die junge Frau ist wie vom Erdboden verschluckt, seit sie damals zur letzten Etappe ihrer Wanderung im Südschwarzwald aufbrach. Verzweifelte Suchen blieben erfolglos, auch ein Aufruf bei „Aktenzeichen XY... ungelöst“ brachte keine heiße Spur.

Nun machen sich Mitglieder einer privaten Hilfsorganisation und Scarletts Vater wieder Hoffnung. Bei einer Suchaktion glauben sie, erstmals Hinweise auf den Verbleib der damals 26-Jährigen gefunden zu haben.

Hunde lügen nicht

Mit einem Dutzend Spürhunden suchte der Verein „Finderwille“ am Wochenende auf der letzten Etappe des beliebten Steigs zwischen Todtmoos und Wehr. Die Witterung hatten die Tiere anhand von drei Paar Schuhen aufgenommen - Schuhe, die Ralf Salice all die Jahre nicht weggeworfen hat.

Im Bereich des Wildensteinfelsens, eines unwirtlichen, schwer zugänglichen Stücks abseits des Steigs im Wehratal, schlugen die Hunde schließlich unabhängig voneinander mehrfach an, sagt Rüdiger Orth, der den Verein „Finderwille“ gegründet hat. „Und Hunde lügen nicht.“

Die Tiere hätten jeweils vor und hinter dem Felsen angeschlagen. „Als wir am Felsen vorbei waren, schlugen die Hunde nicht mehr an und fingen an zu spielen“, erzählt Orth - ein Wechsel im Verhalten, der ihn aufhorchen lässt. Zuvor hatte die „Badische Zeitung“ über die Suche berichtet.

Absturz am Gipfelkreuz?

Orths Theorie: Scarlett könnte bei ihrer Wanderung einen Abstecher zu den Gipfelkreuzen auf dem Felsen unternommen haben. „Das war damals ein Hotspot für Fotos und Scarlett hat sich immer gerne an Felsvorsprüngen fotografiert“, sagt Orth. Auf dem Weg oder am Gipfel könnte sie abgestürzt sein.

Allerdings gab es laut Orth vor vier Jahren einen Felssturz am Wildenstein. Deshalb ist der Weg zu den Gipfelkreuzen inzwischen nur noch mit Kletterausrüstung passierbar. Zufallsfunde habe es daher seit Jahren nicht mehr geben können. „Es gibt an dem Felsen zumindest die theoretische Möglichkeit, dass man abstürzen kann, wenn man an den Rand kommt“, sagt auch Ralf Salice, der am Wochenende selbst dabei war.

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Das letzte Bild: ein Supermarkt in Todtmoos

An der Aktion im Wehratal beteiligten sich Mitglieder des Vereins „Finderwille“, der sich auf die Ausbildung von Suchhunden und die Suche nach vermissten Menschen spezialisiert hat. Unterstützt wurden sie von Mitgliedern der Facebook-Gruppe „Bitte findet Scarlett“ sowie von Scarletts Vater.

Auf den Überwachungsaufnahmen eines Supermarkts in Todtmoos ist Scarlett Salice zuletzt am 10. September 2020 gesehen worden. Bis 10.48 Uhr gibt es noch Kontakt über WhatsApp und Videotelefonie. Danach ist Scarlett nicht mehr erreichbar.

Seitdem fehlt von der damals 26-Jährigen aus Bad Lippspringe jede Spur. Eine großangelegte Suchaktion mit Polizei, Bergwacht, Feuerwehr, Hubschraubern, Drohnen und Hundestaffeln blieb ergebnislos. Auch „Aktenzeichen XY... ungelöst“ berichtete über den Fall.

Polizei und Bergwacht skeptisch

Zweieinhalb Jahre nach ihrem Verschwinden wurde das Todesermittlungsverfahren eingestellt - es gibt laut Polizei keine Hinweise auf eine Straftat. Der Vermisstenfall aber bleibt offen. Monatlich gehen beim Polizeipräsidium Freiburg im Schnitt noch immer drei bis vier neue Hinweise ein - inzwischen sind es insgesamt mehr als 640.

Die Polizei will die Informationen des Vereins nun bewerten und prüfen, ob erneut gesucht wird. „Aber wir sind da wirklich skeptisch“, sagt Polizeisprecher Christoph Efinger. Seit dem Verschwinden sei zu viel Zeit verstrichen. „Unsere speziell ausgebildeten Diensthunde können nach so langer Zeit keinen Verwesungsgeruch mehr wahrnehmen - und da stellt sich die Frage, ob andere Hunde das können“, sagte er.

Auch die Bergwacht hält sich zurück. „Wir haben in diesem Fall zum aktuellen Zeitpunkt keinen offiziellen Auftrag“, sagt Bergwacht-Geschäftsführer Philipp Menny. An einer erneuten Suchaktion sei sie daher nicht beteiligt.

Eine falsche Hoffnung ist besser als gar keine

Verein und Helfer wollen die Suche dennoch fortsetzen. „Wir versuchen, einen Weg hinauf zu finden - ohne die Hunde“, sagt Orth. Der Felsen soll abgesucht werden, sobald ein sicherer Aufstieg möglich ist.

Hofft Ralf Salice überhaupt noch auf einen Fund? „Es ist eine Hoffnung und es ist auch ein Bangen“, sagt der Vater. Und wenn wieder nichts gefunden wird? „Dann ist eine falsche Hoffnung besser als gar keine.“

Der Schluchtensteig ist ein beliebtes Ziel für Wanderer im Südschwarzwald.Philipp von Ditfurth/dpa

Der Schluchtensteig ist ein beliebtes Ziel für Wanderer im Südschwarzwald.Philipp von Ditfurth/dpa

© Philipp von Ditfurth/dpa