Bericht: Extremistische Propaganda gezielt für Jugendliche
Immer mehr Jugendliche werden von Neonazis, Islamisten und auch Linksextremisten eigens über die beliebten Kanäle im Internet angesprochen. Die Propaganda zeigt Wirkung.
Der Berliner Verfassungsschutz stellt Zulauf für rechtsextreme Gruppen durch Jugendliche fest. (Archivbild)Bernd von Jutrczenka/dpa
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Linksextremisten, Rechtsextremisten und auch die islamistische Szene verzeichnen nach Einschätzung des Verfassungsschutzes in Berlin weiterhin Zulauf. Das verfassungsfeindliche Personenpotenzial sei in allen Bereichen des Extremismus gestiegen, schreibt der Berliner Verfassungsschutz in seinem aktuellen Jahresbericht für 2025.
Immer stärker nehmen vor allem Rechtsextremisten und Islamisten, aber auch Linksextremisten Jugendliche und junge Erwachsene ins Visier ihrer Propaganda. Vor allem läuft das über die bekannten Internetportale der sogenannten sozialen Medien wie Instagram, Telegram, Tik Tok, YouTube und Facebook. „Die Propaganda hat sich an den Alltag und insbesondere den Medienkonsum Jugendlicher angepasst“, heißt es in einem Sonderkapitel des Berichts zu dem Thema.
Ziel sei es, sie zu radikalisieren und in immer jüngerem Alter an verfassungsfeindliche und menschenverachtende Positionen heranzuführen, stellte Innensenatorin Iris Spranger (SPD) fest. Die Entwicklung sei „besorgniserregend“.
Rechtsextremismus mit neuer „Jugendkultur“
Bei den Rechtsextremisten sieht der Verfassungsschutz das Entstehen einer „neuen Jugendkultur“. Zum ersten Mal wird sie mit der Bezeichnung „Gewaltorientierte rechtsextremistische Netzkulturen“ im Jahresbericht aufgeführt. Durch die Aktivitäten dieser Szene trete die Szene spürbar aggressiver auf.
Das Internet nehme dabei für die rechtsextremistische Szene schon länger eine Schlüsselrolle ein. Es gebe szenerelevante Texte, Flyer und zunehmend Fotos, Videos, Musiktracks und „Merchandise-Artikel“ in jugendaffiner Gestaltung. Verbreitet würden rassistische, NS-verherrlichende und queerfeindliche Motive in allen Formaten wie Blogs, Podcasts, Memes, Reels, Storys oder Snaps. Mittlerweile habe sich in der digitalen Welt eine eigene rechtsextremistische Sprache entwickelt, mit der Jugendliche kommunizierten.
Insgesamt sei das rechtsextremistische Personenpotenzial in Berlin auf 1.480 Menschen gestiegen (2024: 1.450).
Mehr Anschläge durch Linksextremisten
Im Bereich des Linksextremismus erkennt der Verfassungsschutz eine zunehmende Gewaltbereitschaft beim Thema Umweltpolitik. Unabhängig agierende Kleingruppen würden Gewalt propagieren und diese auch ausüben. Ziele seien staatliche Einrichtungen, Unternehmen und Einrichtungen der kritischen Infrastruktur.
2025 habe es mehrere Brandanschläge dieser Art von verschiedenen Gruppen gegeben. Die größten Auswirkungen hatte der Anschlag am 9. September 2025 gegen den Technologie-Standort Adlershof im Osten Berlins mit einem tagelangen Stromausfall für Zehntausende Menschen. Der Anschlag auf die Stromversorgung im Januar 2026 spielt im Bericht für das vergangene Jahr keine Rolle, zeigt aber trotzdem die Entwicklung weiter auf.
Radikalisierung durch „Öko-Anarchismus“
„Die diesen Straftaten zugrunde liegende Ideologie des „Öko-Anarchismus“ hat spürbar zur Radikalisierung des gewaltorientierten Teils der linksextremistischen Szene in Berlin beigetragen“, so das Fazit. Jugendliche würden über Themen wie den Nahost-Konflikt, Krieg und Wehrdienst sowie eine zu große Abhängigkeit von bestimmten Technologien angesprochen.
Der Verfassungsschutz sieht ein Personenpotenzial von 3.950 Personen im Linksextremismus (2024: 3.800). Gestiegen sei auch die Zahl der Mitglieder von gewaltorientierten autonomen und postautonomen Gruppen.
Massive Internetpropaganda islamistischer Terrororganisationen
Gewachsen ist auch die Zahl der Islamisten in Berlin. Gezählt werden etwa 2.590 Personen (2024: 2.440) in der islamistischen Szene in Berlin. Internationale Terrororganisationen und salafistischer Prediger hätten ihre Aktivitäten besonders im Internet verstärkt und professionalisiert. Salafistische Inhalte würden sich schneller und direkter verbreiten. „Diese Propaganda erreicht über soziale Medien vor allem immer mehr junge Menschen und hat sich zu einem zentralen Radikalisierungstreiber entwickelt.“
Israelfeindlich und antisemitische Akteure
Schließlich listet der Verfassungsschutz noch die extremistische israelfeindliche Szene als Akteur auf. Sie verbreite weiterhin israelfeindliche Propaganda und sei erneut für eine Vielzahl von Veranstaltungen verantwortlich, auf denen das Existenzrecht Israels geleugnet und der Terror der islamistischen Hamas gefeiert worden sei.
Die Szene wolle sich keineswegs nur mit den Palästinensern in Gaza solidarisieren, so Verfassungsschutz-Chef Michael Fischer. „Es geht ihnen vielmehr darum, Israel zu dämonisieren und zu delegitimieren und damit das Existenzrecht Israels anzugreifen.“
Auch hier werden Jugendliche ganz konkret angesprochen. Den Akteuren gehe es darum, „die Sozialen Medien in hoher Frequenz mit ihren Narrativen zu fluten, um auf diese Weise vor allem unter Jugendlichen ein Zerrbild des Nahost-Konflikts im Allgemeinen und des Staates Israel im Besonderen zu zeichnen“.
Genannt wurden Gruppen wie das „Vereinigte Palästinensische Nationalkomitee“, „BDS Berlin“ und „Young Struggle“. Etwa 600 Mitglieder werden der Szene zugerechnet.
Spionage- und Sabotage von Russland, China, Iran und Türkei
Ein hohes Gefährdungspotenzial gebe es aktuell und künftig auch durch Spionage- und Sabotageaktivtäten anderen Geheimdienste, heißt es im Bericht. Die Hauptakteure seien Russland, China, Iran und die Türkei. Neben klassischen Spionageaktivitäten gehörten dazu auch Cyberangriffe, Desinformationskampagnen und Sabotagehandlungen.
Auch beim Linksextremismus in Berlin sieht der Verfassungschutz Zulauf und mehr Gewaltbereitschaft. (Archivbild)Andreas Rabenstein/dpa
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Israelfeindliche und antisemitische Veranstaltungen listet der Verfassungsschutz in seinem Jahresbericht 2025 auf. (Archivbild)Bernd von Jutrczenka/dpa
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Der Berliner Verfassungsschutz sieht mehr Gefahren durch Extremisten. (Archivbild)Christophe Gateau/dpa
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Der Berliner Verfassungsschutz sieht eine besorgniserregende Zunahme von extremistischen Aktivitäten. Christophe Gateau/dpa
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